. HIV/AIDS

Zu viele Infizierte gehen zu spät zum Arzt

Die Zahl der HIV-Infektionen in Deutschland nimmt seit 2001 wieder zu. Besonders alarmierend dabei ist, dass zu viele Infizierte viel zu spät zum Arzt gehen. Das ist nicht nur für die Therapie fatal.
Auf HIV kann schon früh getestet werden

Viele HIV-Infizierte lassen sich erst dann testen, wenn sie schon längst behandlungsbedürftig sind.

Aller Aufklärung zum Trotz: HIV/AIDS scheint seinen Schrecken verloren zu haben. Nicht anders ist es zu erklären, dass in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren die Zahl der Infektionen angestiegen ist. 2001 gab es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) nur etwa 1400 Neu-Infektionen, 2013 waren es dagegen schon 3200 Fälle. Die meisten Infizierten waren zwischen 25 und 40 Jahre alt.

Was Experten besonders alarmiert, ist, dass knapp 40 Prozent derjenigen, die sich zum ersten Mal auf HIV testen ließen, schon längst behandlungsbedürftig, klinisch symptomatisch waren. In Fachkreisen nennt man diese spät Getesteten „Late Presenter“. Über die Gründe, warum sie so lange mit dem Test warten, lässt sich mangels Daten und Erhebungen nur spekulieren. Unwissenheit, Angst vor der Diagnose, Scham oder Furcht, stigmatisiert zu werden, spielen sicher eine Rolle.

Optimale Therapie kann Übertragungsrisiko senken

Zwar ist HIV/AIDS nach wie vor nicht heilbar, und sind auch Impfungen noch nicht in Sicht. Infizierte können jedoch dann eine hohe Lebensqualität erreichen, wenn sie mit der Behandlung nicht zu lange warten. „Die Tendenz geht zur immer früheren Therapie. Die Virusproduktion soll von Anfang an klein gehalten werden“, sagte Dr. Osamah Hamouda vom RKI bei einer Fachdiskussion des Vereins „Jugend gegen Aids“.

Studien zeigen, dass bei maximaler Virusunterdrückung der Erreger nicht weitergegeben wird. Das Übertragungsrisiko lässt sich zwar nicht völlig ausschließen, aber immerhin um bis zu 96 Prozent verringern. Zudem sind die Therapien heutzutage viel verträglicher als in den Anfängen von HIV/AIDS. Infizierte haben dadurch eine ähnlich hohe Lebenserwartung wie Gesunde.

HIV/AIDS: Prävention steht an erster Stelle

Ideal wäre es, wenn jede Infektion gleich nach der Ansteckung erkannt würde. Dann nämlich ist die Virusmenge im Körper sehr hoch, „man ist sehr infektiös“, so RKI-Experte Dr. Osamah Hamouda.

Sollte sich allerdings der Trend weiter fortsetzen, dass viele Infizierte sich gar nicht testen und deshalb auch nicht rechtzeitig behandeln lassen, kann die Ausbreitung von HIV/AIDS nicht weiter gestoppt werden. „Mit Tests und Behandeln allein wird die Epidemie nicht zum Stillstand kommen Prävention ist deshalb nach wie vor am wichtigsten“, so Dr. Hamouda.

Foto: © jarun011 - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

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