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16.01.2020

Zu schlecht für die Transplantation: Spenderleber regeneriert an Maschine

Zwischen Organentnahme und Transplantation einer Leber dürfen normalerweise nur wenige Stunden liegen. In der Schweiz ist es jetzt erstmals gelungen, eine Spenderleber außerhalb des Körpers für eine Woche am Leben zu halten. Das Organ regenerierte sogar an der neuen Maschine.
Eine neue Maschine aus Zürich hält Spenderleber eine Woche am Leben

Eine neue Maschine aus Zürich hält Spenderleber eine Woche am Leben

Während der Deutsche Bundestag heute über die Widerspruchslösung abstimmt, melden Forscher aus Zürich einen wissenschaftlichen Erfolg in Sachen Organspende. Dank einer neu entwickelten Maschine konnten zehn Spenderlebern sieben Tage am Leben gehalten werden. Bis dato kann eine menschliche Leber nur für wenige Stunden außerhalb des Körpers aufbewahrt werden. Es handelt sich um eine Weltpremiere. Die Forscher sprechen von einem „Durchbruch in der Transplantationsmedizin.“ Der begründet sich auch dadurch, dass die zehn verwendeten Spenderlebern nicht für eine Transplantation akzeptiert worden waren, weil deren Qualität zu gering war. Sechs dieser zehn Lebern wiesen nach der Perfusion in der Maschine jedoch eine hervorragende Funktionsfähigkeit auf.

Maschine imitiert menschlichen Körper

Wie kann das sein? Dahinter steckt eine ausgeklügelte Technologie, die den menschlichen Körper nahezu lebensecht imitiert. Eine Pumpe dient als Herzersatz, ein Oxygenator ersetzt die Lungen und eine Dialyseeinheit die Nieren. Daneben übernehmen zahlreiche Hormon- und Nährstoffinfusionen die Funktionen des Darms und der Bauchspeicheldrüse. Wie das Zwerchfell im menschlichen Körper bewegt die Maschine zudem die Leber im Takt der menschlichen Atmung. Die Maschine wurde von einem multidisziplinären Forscherteam des Universitätsspitals Zürich, der ETH Zürich und der Universität Zürich entwickelt. Die Arbeit wurde am Montag Fachjournal «Nature Biotechnology» publiziert.

 

Mangelhafte Spenderlebern können gerettet werden

„Der Erfolg unseres Perfusionssystems eröffnet viele neue Möglichkeiten, Spenderlebern außerhalb des Körpers zu überprüfen und zu behandeln und so den Patientinnen und Patienten mit schweren Leberkrankheiten zu helfen“, erklärt Prof. Pierre-Alain Clavien Transplantationschirurg am Universitätsspital Zürich und Co-Leiter des Projekts Liver4Life. Zu Beginn des Projekts im Jahr 2015 habe eine Spenderleber höchstens 24 Stunden in einer Maschine aufbewahrt werden können. Die nun erreichte Überlebensdauer von sieben Tagen ermögliche verschiedenste Behandlungen zum Beispiel zur Leberregeneration oder auch onkologische Therapien, meint der Mediziner. „So wird es möglich, mangelhafte Spenderlebern zu retten und zu transplantieren.“

Im Laufe des Jahres wollen die Züricher Transplantationsmediziner die erste mit dem neuen Verfahren behandelte Leber transplantieren. Allein in der Schweiz warten derzeit zwei- bis dreimal so viele Menschen auf eine Leber wie tatsächlich transplantiert werden können.

Foto: horizont21 / fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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