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17.06.2021

Zehn Tipps für Gesundheit in der Sommerhitze

Sommerhitze kann Spaß und Freibad bedeuten –aber auch in der Notaufnahme enden. Der Körper trocknet aus, mit der Folge, dass der Kreislauf verrücktspielt, Menschen verwirrt sind oder die Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr sinkt. Das Wichtigste ist: viel trinken, aber nicht zu Kaltes. Denn das verstärkt das Schwitzen – und damit das Problem.
Sportlerin trinkt Wasser bei Sommerhitze und kühlt auch den Kopf damit ab.

Trinken, trinken, trinken: Das ist die Maßnahme Nummer eins gegen extreme Temperaturen. Anders als gedacht, sind eisgekühlte Getränke gar nicht so gut, weil sie das Schwitzen und damit den Wasserverlust fördern.

Hochsommerhitze am Tag und tropische Temperaturen noch in der Nacht: Selbst gesunde Menschen klagen bei dieser Hitze über Schlappheit und Kreislaufprobleme. Viele Notaufnahmen von Krankenhäusern rechnen damit, dass in den kommenden Tagen deutlich mehr Patienten als üblich wegen hitzebedingter Gesundheitsprobleme akut behandelt werden müssen. Typische Symptome sind dann Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufprobleme sowie allgemeines Unwohlsein. Besonders alte und kranke Menschen sowie kleine Kinder müssen in dieser Jahreszeit besonders vorsichtig sein, sagen Notfallmediziner.

Besonders gefährlich: Flüssigkeitsmangel und direkte Hitzeeinwirkung

„Besonders gefährlich sind der Flüssigkeitsmangel und die direkte Hitzeeinwirkung", erklärt Sebastian Casu, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme der Asklepios Klinik Wandsbek in Hamburg. An heißen Tagen erhöht sich der Flüssigkeitsbedarf mitunter erheblich und es kann zu einer Dehydrierung kommen. Körperzellen einschließlich Nervengewebe trocknen dann regelrecht aus. Mögliche Folge: Die Reaktionsfähigkeit lässt nach, was unter anderem im Straßenverkehr riskant ist. Im Extremfall kann es zu regelrechten Verwirrtheitszuständen kommen. Aber auch das Herzkreislaufsystem ist gefährdet durch ein Versacken des Blutes mit Blutdruckabfall und durch Eindicken des Blutes mit Thrombose und Embolie.

 

Ältere und Herzpatienten müssen besonders aufpassen

„Bei chronischen Herzpatienten oder Patienten mit Bluthochdruck kann es zu einem starken Abfall des Blutdrucks kommen, da sich die Gefäße durch die Hitze weiten. Kreislaufkollaps und Herzrhythmusstörungen drohen", sagt zur Erklärung Michael Schneider, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Rhön-Klinikum Bad Neustadt. Patienten mit Herzschwäche wird empfohlen, bei zunehmenden Beschwerden den Hausarzt aufzusuchen. Tägliches Wiegen sowie regelmäßige Blutdruckkontrollen können zur Einschätzung des Flüssigkeitshaushaltes und der Kreislaufsituation dienen.

Der Mangel an Flüssigkeit im Körper ist die Folge einer Kombination aus großem Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen und gleichzeitig zu geringer Flüssigkeitsaufnahme. Besonders empfindlich reagieren hierauf ältere Menschen, weil bei ihnen der Anteil von Flüssigkeit am Körpergewicht nur noch rund 60 Prozent ausmacht und der Verlust an Wasser im Sommer damit schwerer wiegt. Schon jetzt leiden Senioren unter dem Klimwandel besonders. Experten rechnen damit, dass sich, wenn die Erderwärmung ungebremst voranschreitet, die Zahl der hitzebedingten Klinikeinweisungen bis Ende des Jahrhunderts versechsfachen könnte.

Körper schwitzt lebenswichtige Mineralien aus

 „Man darf nicht vergessen, dass unser Körper die Flüssigkeit benötigt, um lebenswichtige Funktionen aufrecht zu erhalten“, sagt Notfallmediziner Casu. Mit dem Verlust an Wasser bei großer Hitze gehen dem Körperwasser zugleich lebenswichtige Mineralien wie Natrium, Magnesium und Calcium verloren, die der Körper für einen funktionierenden Stoffwechsel braucht. Deshalb ist es ratsam, Mineralwässer zu trinken, die diese fehlenden Stoffe nachliefern.

Zu kalte „Erfrischungs“-Getränke schaden eher

Noch ein wichtiger Punkt: Anders, als man denkt, belasten kalte und eiskalte „Erfrischungsgetränke“ den Körper stärker als wohltemperierte oder warme, denn er muss viel Energie aufbringen, um die Temperatur zu regulieren. Als Folge schwitzen wir noch mehr. Dadurch werden zusätzliche Kalorien verbrannt, mit dem Effekt, dass zusätzliche Körperwärme entsteht. Extrem kalte Getränke können außerdem zu Magenproblemen und Unwohlsein führen. Deshalb der Hinweis: Auch warmer Pfefferminztee kann erfrischen und die Blutgefäße in Magen und Darm erweitern, sodass der Tee besser und schneller als kalte Getränke ins Blut gelangen kann.

Wem diese Mechanismen im Körper zur Bewältigung von Hitze und die möglichen Defizite bewusst sind und wer die wichtigsten Tipps aus der Medizin beherzigt, kann dabei gut durch Tage kommen, an denen das Thermometer über die 30-Grad-Marke klettert.

Zehn Tipps von Medizinern für heiße Tage

  1. Tragen Sie luftige Kleidung und eine helle Kopfbedeckung, wenn Sie in der Sonne unterwegs sind.
  2. Halten Sie sich möglichst in kühlen Räumen auf.
  3. Vermeiden Sie ungewohnte körperliche Anstrengung.
  4. Setzen Sie sich nicht der prallen Sonne aus (wie bei der Arbeit im Garten).
  5. Gönnen Sie sich eine verlängerte Mittagspause, machen Sie Siesta.
  6. Bevorzugen Sie leichte Kost wie Gemüse, Fisch oder Obst.
  7. Trinken Sie mehr als sonst, aber keinen Alkohol und nicht zu kühle Getränke.
  8. Trinken Sie nicht zu viel auf einmal, denn pro Stunde können Sie nur 500 bis 800 Milliliter Flüssigkeit aufnehmen und sinnvoll verwerten. Am besten trinken Sie über den Tag verteilt jede Stunde ein Glas Wasser, auch wenn Sie noch keinen Durst haben.
  9. Bei Hitze verbraucht der Körper mehr Natrium, Magnesium und Calcium.
  10. Lassen Sie niemals Kinder oder Haustiere in einem geparkten Auto zurück.  

(Quelle: Asklepios Kliniken)

Richtig handeln bei Hitzenotfällen

Wenn es zu einem Hitzschlag oder Kreislaufkollaps gekommen ist oder der Verdacht darauf besteht, sofort den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 verständigen. Der Rat von Notfallmedizinern: Bringen Sie die betroffene Person an einen kühlen Ort, lockern Sie seine/ihre Kleidung, kühlen sie mit feuchten Tüchern ab und reichen Sie Getränke, nicht zu kühl und nicht zu viel auf einmal.

Foto: AdobeStock/kieferpix

Autor: zdr
Hauptkategorien: Medizin , Umwelt und Ernährung
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