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Zecken sind auch im Herbst noch aktiv

Samstag, 1. Oktober 2022 – Autor:
Wespen und Stechmücken haben sich gemeinsam mit dem Sommer verabschiedet. Ruhe vor lästigen Insekten haben wir damit nicht. Zecken etwa sind weiterhin aktiv – solange das Thermometer die 8-Grad-Marke nicht unterschreitet. Beim Pilze-Sammeln heißt es deshalb: aufpassen!
Ein Teppich aus braunen Herbstblättern - und davor ein Zecken-Warnschild.

Zecken sind aktiv, solange die Außentemperaturen oberhalb der 8-Grad-Marke liegen – also auch noch im Herbst. – Foto: AdobeStock/Schlegelfotos

Der Herbst ist da – doch eine Entwarnung vor der Zeckengefahr ist das nicht. „Solange die Temperaturen nicht längere Zeit unter sieben bis acht Grad fallen, bleiben die Spinnentiere gefährlich“, sagt Friederike Kaiser, Beratungsärztin bei der R+V Krankenversicherung. Die Ärztin rät deshalb, sich auch im Herbst vor Zeckenstichen zu schützen. Das gelte besonders für Menschen, die viel in Wald und Feld unterwegs sind.

Zecken: Selbst im eigenen Garten und auf Spielplätzen

„Die blutsaugenden kleinen Spinnentiere lauern meist auf Büschen, Hecken und Sträuchern oder im hohen Gras auf Menschen und Tiere, die sie im Vorbeigehen abstreifen", informiert die R+V-Beratungsärztin. „Deshalb besteht auch im eigenen Garten das Risiko, sich einen Zeckenstich zuzuziehen." Selbst auf Spielplätzen mitten Städten muss man mit Zecken rechnen.

 

Wo Pilze wachsen, lauern auch Zecken

Besonders aufpassen sollten auch Pilzesammler, die jetzt, in den Herbstmonaten September und Oktober, ihre Hauptsaison erleben. Der Grund dafür ist einfach: Pilze mögen Feuchtigkeit und Wärme. Dann sprießen sie aus sonnenbeschienenem, aber noch feuchtem Waldboden, wachsen im Unterholz und an Waldrändern im hohen Gras. Genau das sind die Stellen, an denen sich auch Zecken bevorzugt aufhalten und besonders aktiv sind.

So schützt man sich vor Zecken

Zum Schutz ist vor allem die richtige Kleidung entscheidend: Am besten sind geschlossene Schuhe, lange Strümpfe – idealerweise über die Hosenbeine gezogen – und langärmelige Oberteile. Zudem sieht man die Tiere auf heller Kleidung schneller. Auch Anti-Zecken-Mittel können helfen. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, sich nach dem Waldspaziergang oder getaner Gartenarbeit genau auf Zecken hin zu untersuchen. „Wer ein Tier entdeckt, sollte es sofort vorsichtig entfernen, ohne es zu quetschen, und die Wunde anschließend desinfizieren", sagt R+V-Ärztin Kaiser.

Wie man Zecken richtig entfernt

  • Zecken sollten immer möglichst sofort entfernt werden. Das kann die Infektion mit Borreliose verhindern, weil die Übertragung erst zwölf bis 24 Stunden nach dem Stich erfolgt. FSME wird hingegen sofort übertragen, wenn die Zecke das Virus in sich trägt. Davor schützt nur die Impfung.
  • Für die Zeckenentfernung werden unterschiedliche Hilfsmittel angeboten, etwa Pinzetten, Karten oder Schlingen. Benzin, Alkohol, Nagellackentferner oder andere Hausmittel sollten dabei jedoch nicht zum Einsatz kommen.
  • Entgegen der landläufigen Meinung ist es in der Regel unkritisch, wenn eine Zecke nicht komplett entfernt wurde. Manchmal bleibt ein Teil des Stechapparates in der Haut. Dieser wird nach einiger Zeit abgestoßen.

(Quelle: R+V-Infocenter)

Zecken: Überträger von 50 Krankheiten

Heimische Zeckenarten könnten bis zu 50 verschiedene Krankheitserreger übertragen, warnt der Münchner Pharmahersteller Hermes Arzneimittel GmbH. Die bekanntesten sind die Erreger der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (eine Form der Hirnhautentzündung, kurz FSME) sowie der Borreliose. Während FSME nur regional begrenzt in Risikogebieten vor allem in der Südhälfte Deutschlands auftritt, ist Borreliose im gesamten Bundesgebiet von Relevanz.

Klimawandel: Zeckensaison wird immer länger

Infolge des Klimawandels mit seinen milderen Wintern erstreckt sich die Zeckensaison inzwischen auf einen Großteil des Kalenderjahrs. „Die Zeckensaison beginnt bereits im Frühjahr und endet meist erst Mitte November, wenn dauerhaft unter sieben bis acht Grad herrschen“ , berichtet R+V-Ärztin Friederike Kaiser. „Dann werden die Tiere langsam inaktiv und fallen im Winter in Kältestarre."

Borreliose: Viel mehr Ansteckungen als bei FSME

Nach Erkenntnissen des AOK-Bundesverbands ist jede dritte bis zwanzigste Zecke in Deutschland von Borrelien befallen. Von 100 gestochenen Personen infizieren sich einer bis sechs; zwischen 60.000 und 100.000 Personen erkranken im Jahr an Borreliose. Die Borreliose tritt damit deutlich häufiger auf als die FSME. Letztere ist eine meldepflichtige Krankheit; im Jahr 2018 wurden offiziell 583 Fälle registriert.

Impfung gegen FSME möglich – gegen Borreliose (noch) nicht

Anders als bei FSME ist gegen Borreliose bisher keine Impfung, auch wenn daran gearbeitet wird. Die Infektionskrankheit kann aber erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden – vorausgesetzt, man entdeckt sie rechtzeitig. Unbehandelt kann eine Infektion Wochen bis Monate später zum Befall von Gelenken und Muskeln führen. Lähmungen der Gesichtsmuskeln und Schwellungen von Lymphknoten sind möglich, ebenso eine Entzündung des Herzens.

Hauptkategorie: Medizin
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