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Zecken gibt es auch in der Stadt

In Zeiten von Corona halten wir Abstand. Keinen Abstand zu Menschen halten dagegen Zecken. Mit ihrem ausgesucht feinen Gespür für Erschütterungen, Temperaturen und Gerüche wittern sie „Wirtstiere“ schon über Entfernungen von 10 bis 15 Metern. Dabei ist schon beim Homeoffice-Kurzurlaub im Park oder im Garten Vorsicht geboten: Denn Zecken leben auch in der Stadt.
Jugendliche liegt rücklings auf einer Wiese und liest ein Buch, Abendsonnenschein.

Die meisten Menschen werden bei Freizeitaktivitäten von Zecken gestochen: Das kann draußen in der Natur sein – aber auch im Garten oder im Park.

Nach einer längeren Wanderung im Wald mit und ohne und Hund, einem Picknick oder einer Abenteuertour mit Kindern auf Feldern, Wiesen oder am Fluss oder See gehört hinterher für viele ein Vorsichtsritual wie selbstverständlich dazu: Wir suchen uns auf Zecken ab. In der zivilisierten Stadt dagegen wähnt man sich in Sicherheit – ein Irrtum. „Zecken trifft man nicht nur auf Wanderungen oder bei umfangreichen Gartenarbeiten an. Schon beim kurzen Hantieren im Kräuterbeet oder beim Abschneiden von Blumen kann man versehentlich eine Zecke abstreifen und gestochen werden“, warnt der Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz (BGV), Bonn. Zecken könnten praktisch überall vorkommen, wo ein paar Büsche oder Gräser wüchsen – also auch in kleinen Stadtgärten oder Blumenrabatten. Deshalb rät der BGV auch für den Bereich der Stadtnatur: Aufmerksam sein und nach dem Aufenthalt im Grünen den Körper nach Zecken abzusuchen.

Zecken sind gerne, wo es mild und feucht ist

Als Lebensraum bevorzugt die Zecke schattige, aber mild temperierte und feuchte Orte in der Natur. Ideale Bedingungen findet sie an Waldesrändern, Lichtungen, Uferzonen von Bachläufen und Seen – aber eben auch in Wiesen und Sträuchern von Parkanlagen und auch in unseren Gärten.

 

Zecken sind Parasiten: Sie brauchen frisches Blut

Im Gegensatz zu vielen anderen Insekten, die Pflanzen- oder Aasfresser sind, ernähren sich Zecken nicht von Abfallprodukten aus der Natur – von abgestorbenem Holz, Fäkalien oder anderen tote Tieren. Denn: Zecken sind Parasiten. Zum Überleben brauchen sie das Blut anderer Lebewesen. Dafür heften sie sich vorübergehend auf der Körperoberfläche eines Wirts an, stechen zu und saugen sein Blut.

Zeckenstich-Risiko: In Bodennähe am größten

Am größten ist das Risiko, von einer Zecke gestochen zu werden, in Gewächsen von bis zu 1,5 Metern Höhe und in Bodennähe: im Gebüsch, an Waldrändern oder in hohem Gras auf Wiesen. Auch im Laub können sich Zecken tummeln. Der Grund: Dort leben Kleinsäugetiere (Beispiel: Mäuse), Vögel und Wild. Diese Tiere sind ihre Haupt-Nahrungslieferanten („Hauptwirte“) und damit auch die Quellen, aus denen sie Krankheitserreger in sich aufnehmen.

Zecken-Krankheiten: FSME besonders gefährlich

„Ihr Stich an sich ist harmlos. Doch beim Blutsaugen können Zecken Krankheitserreger übertragen“, sagt Erhard Hackler, Geschäftsführender Vorstand des BGV. „Nicht jeder Zeckenstich hat Folgen für die Gesundheit. Jedoch sollte man sich bewusst machen, dass Zecken Krankheitserreger übertragen können.“ Als besonders gefährlich gilt dabei der Erreger der Frühsommer-­Meningoenzephalitis (FSME), einer Entzündung von Hirnhäuten, Gehirn und Nerven. „Der Ausbruch der FSME kann kritisch sein, da es für diese Erkrankung bislang keine ursächliche Behandlung gibt. Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf können eine lang anhaltende oder dauerhafte Schädigung des Nervensystems davontragen“, sagt BGV-Vorstand Hackler. Irreführend sei beim Krankheitsnamen die Ergänzung „Frühsommer“. Zecken können, sofern es nicht zu kalt ist, in jeder Jahreszeit unterwegs sein – und damit anders als es klingt: ganzjährig. Damit Zecken aktiv werden können, genügen eine hohe Luftfeuchtigkeit und Außentemperaturen von mehr als 7 Grad.

Impfung nur bei FSME möglich – nicht bei Borreliose

FSME kann mit Medikamenten nicht ursächlich behandelt werden. Man kann lediglich versuchen, die von der Krankheit ausgelösten Symptome zu lindern. Umso wichtiger ist deshalb die Vorbeugung, die laut Empfehlung von Experten vor allem aus drei Maßnahmen besteht: Sich vor Zecken schützen, Zecken rasch und richtig entfernen, sich impfen lassen. Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis geht das. Gegen die zweite bekannten von Zecken übertragene Infektionskrankheit – die Lyme-Borreliose – gibt es bisher keine Impfung.

Durch vorsichtiges Verhalten, passende Kleidung und die Anwendung von Insektenabwehrmitteln, die einen für Zecken abstoßenden Geruch haben, kann man Zecken auf Distanz halten. Ein hundertprozentiger Schutz vor einer FSME-Infektion ist dies aber nicht.

Sechs Tipps gegen Zeckenstiche

  1. Bleiben Sie bei Wanderungen auf festen Wegen und streifen Sie nicht durch hohes Gras oder Unterholz.
  2. Tragen Sie in den bekannten Zeckengebieten feste Schuhe.
  3. Tragen Sie möglichst lange und helle Kleidung, die den Körper gut bedeckt.
  4. Verwenden Sie insektenabweisende Mittel (Repellents), die als Gel oder Spray auf Haut oder Kleidung aufgetragen werden können.
  5. Suchen Sie nach dem Aufenthalt in der Natur den gesamten Körper sorgfältig nach Zecken ab. Falls Sie eine Zecke entdecken, entfernen Sie diese möglichst schnell.
  6. Schützen Sie Ihre Kinder. Sie sind beim Spielen im Freien besonders gefährdet, mit Zecken in Kontakt zu kommen.

(Quelle: Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz – Info Gesundheit e.V.)

2020: Drei neue FSME-Risikogebiete in Deutschland

Weltweit existieren etwa 900 Zeckenarten. In Deutschland ist die am häufigsten vorkommende Zeckenart der Gemeine Holzbock aus der Familie der Schildzecken. In der Systematik der Biologie wird die Zecke in die Klasse der Spinnentiere und in die Unterklasse der Milben eingeordnet. Das Robert-Koch-Institut (RKI) erstellt jedes Jahr eine aktuelle Karte, in der die Gebiete mit einem erhöhten FSME-Infektionsrisiko verzeichnet sind. 2020 sind drei Gebiete neu hinzugekommen, zwei in Sachsen und eines in Thüringen. Ein Pharma-Konzern hat 2019 eine App herausgegeben, die über die lokale Zecken-Gefahr informiert, aber auch über Vorsorgemaßnahmen und die richtige Art und Weise, Zecken zu entfernen.

Foto: AdobeStock/patrick

Hauptkategorie: Medizin
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28.06.2019

Alle, die sich gern draußen im Grünen aufhalten, bewegen sich zwangsläufig im Jagdrevier der Zecke. Mit der App ZeckTag lässt sich auf dem Smartphone ablesen, wie hoch die Zecken-Gefahr am aktuellen Standort ist.

Endlich werden die Ausgangsbeschränkungen ein wenig gelockert – nach Wochen des Eingesperrtseins im Homeoffice oder in Quarantäne ist die Lust noch größer als sonst, ins Grüne ist zu entfliehen. Ausgerechnet in der Coronakrise ist aber auch die Gefahr eines Zeckenstichs besonders groß, warnt das Deutsche Rote Kreuz – aus drei Gründen.

Eine Zecke auf der Haut ist erst mal kein Grund zur Panik. Aber es ist wichtig, sie nach einer Entdeckung schnell und vor allem mit dem richtigen Instrument und der richtigen Technik zu entfernen. Je früher es geschieht, desto geringer ist die Gefahr, sich mit Borreliose zu infizieren. Beim Entfernen muss man aber ein paar Punkte beachten.

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