. Interview

„Wollen mehr Menschen zur Darmkrebsvorsorge motivieren“

Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.
AOK Nordost, Felix Burda Award

Stefanie Stoff-Ahnis

Frau Stoff-Ahnis, die AOK Nordost wurde am Sonntag, den 13. Mai mit einem der diesjährigen Felix Burda Awards für ihr Engagement in der Darmkrebsaufklärung ausgezeichnet. Was genau hat die Stiftungs-Jury überzeugt?

Stefanie Stoff-Ahnis: Die Auszeichnung ist die Würdigung unserer Initiativen rund um das Thema Vorsorge – hier speziell in der Darmkrebsprävention. Entscheidend für den Erhalt des Awards war aber nicht die reine Aufklärungsarbeit, die wir leisten, sondern unser erweitertes Versorgungsangebot. Denn wir haben als erste gesetzliche Krankenkasse das Alter für die Darmkrebsvorsorge herabgesenkt. Gerade weil Darmkrebs auch immer häufiger junge Menschen trifft, geben wir unseren Versicherten die Möglichkeit, früher zur Vorsorge zu gehen.

Das bedeutet?

Stefanie Stoff-Ahnis: Seit Herbst vergangenen Jahres bieten wir Männern bereits ab einem Alter von 40 Jahren und Frauen ab 45 Jahren die präventive Darmkrebsvorsorge an. Das gesetzliche Vorsorgealter liegt bei 55 Jahren. Jeder Einzelne sollte diese Untersuchung in Anspruch nehmen, denn wird Darmkrebs frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen gut.

Ist das belegt?

Stefanie Stoff-Ahnis: Wissenschaftliche Studien und die Leitlinie sprechen eine eindeutige Sprache: Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, steigt mit Anfang/Mitte 40 deutlich an. Rund zehn Prozent der Erkrankungen treten bereits im Alter von unter 50 Jahren auf. Aktuelle Ergebnisse zeigen, dass immer häufiger auch schon junge Erwachsene erkranken. Die Gründe dafür sind noch nicht eindeutig. Der Lebenswandel, der mit ungesunder Ernährung, Stress und weniger Bewegung einhergeht, könnte ein Indikator sein. Eines ist hingegen sicher: Die Darmspiegelung ist eine der besten Krebsvorsorgeuntersuchungen, die wir kennen.

Um mehr Menschen von Ihrem Anliegen zu überzeugen, bekommen Sie prominente Unterstützung.

Stefanie Stoff-Ahnis: Ja, wir werden dabei nicht nur von unseren ärztlichen Partnern wie der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern unterstützt, sondern auch von unserem prominenten Gesundheitsbotschafter Jimmy Hartwig, dem es gelingt, das Thema auf eine ganz besondere Weise zu transportieren.

Was macht der Ex-Profi-Fußballer in Ihren Augen richtig?

Stefanie Stoff-Ahnis: Für unsere Aufklärungskampagne #hosenrunter nehmen wir ja speziell Männer ins Visier und informieren sie über wichtige gesetzliche Vorsorgeuntersuchungen. Jimmy Hartwig, der selbst bereits mehrmals an Krebs erkrankte, spricht Männer auf Augenhöhe und auf eine sehr authentische Art an. Denn was für viele Frauen eine Selbstverständlichkeit ist, nämlich zu den gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt zu gehen, ist für das „starke Geschlecht“ oftmals noch eine Ausnahme. Dabei ist Vorsorge vor allem auch beim Thema Darmkrebs wichtig.

Wie wird denn die Darmkrebsvorsorge generell in Anspruch genommen?

Stefanie Stoff-Ahnis: Seit Einführung der Darmkrebsfrüherkennung 2002 ist die Zahl der Neuerkrankungen zwar stark zurückgegangen. Angesichts des Nutzens der Untersuchungen wird sie aber leider noch viel zu wenig genutzt. Hier gibt es also noch weiteren Handlungsbedarf.

Viele Menschen haben Angst oder zumindest Scheu vor der Untersuchung.

Stefanie Stoff-Ahnis: Dafür gibt es keinen Grund. Die Untersuchung selbst ist für die Patienten sicher und schmerzfrei. Entscheidend ist, dass der Arzt bei der Koloskopie sogenannte Polypen entdecken und auch direkt entfernen kann. Da sich diese zunächst gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut im Laufe der Jahre bösartig entwickeln können, wird damit das Entstehen eines Tumors effektiv vermieden.

Das klingt alles theoretisch überzeugend – aber wie konkret wollen Sie die Versicherten erreichen?

Stefanie Stoff-Ahnis: Neben unserer Aufklärungskampagne #hosenrunter in den Sozialen Medien, im Internet und unseren Kundenmagazinen gehen wir auch auf die Menschen vor Ort zu. Hier kommt wieder Jimmy Hartwig ins Spiel, der es schafft, auch den größten „Vorsorgemuffel“ zumindest zum Nachdenken anzuregen. Am 19. Mai starten wir in Strausberg – also in der Nähe von Berlin – unsere Aufklärungstour mit Europas größtem, begehbaren Darmmodell. Wir arbeiten dabei mit der Landesarbeitsgemeinschaft Onkologische Versorgung Brandenburg (LAGO) und der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Jimmy Hartwig und medizinische Experten zeigen den Interessierten, wie das Hochleistungsorgan des menschlichen Körpers funktioniert und worauf es bei der Vorsorge ankommt.

Alle Informationen zur Aufklärungskampagne #hosenrunter und der Info-Tour unter www.jetzt-hosenrunter.de

Foto: AOK Nordost

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