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21.07.2015

Wilms-Tumor bei Kindern mit milderer Chemotherapie behandeln

Der Wilms-Tumor ist der häufigste Nierentumor bei Kindern. Wissenschaftler konnten zeigen, dass bei Tumoren Grad II und III auf das Chemotherapeutikum Doxorubicin verzichtet werden kann. Der Verzicht kann das Risiko für spätere Herzleiden senken.
Wilms-Tumor bei Kindern mit milderer Chemotherapie behandeln

Künftig ohne schwere Nebenwirkungen am Herzen: Chemo ohne Doxorubicin wirkt bei Wilms-Tumoren genauso gut

Die Überlebenschancen von Kindern mit einem Wilms-Tumor sind heute sehr gut. Rund 90 Prozent der Patienten werden langfristig geheilt. Die gute Prognose ist nicht zuletzt der Chemotherapie zu verdanken, die vor und nach der Operation zum Einsatz kommt. Bislang bestand die Chemotherapie aus drei Medikamenten, eines davon ist Doxorubicin. Von diesem Medikament ist allerdings bekannt, dass es bei Kindern als Langzeitfolge das Herz schädigen kann. In seltenen Fällen kann es sogar dazu führen, dass das Herz transplantiert werden muss.

Verzicht Chemotherapeutikum Doxorubicin

Wissenschaftler der International Society of Paediatric Oncology (SIOP) haben deshalb untersucht, ob bei Kindern mit guten Heilungsaussichten auf Doxorubicin verzichtet werden kann. „Wir haben gezeigt, dass die Patienten ohne das Chemotherapeutikum den Krebs genauso gut überwunden haben wie die Kinder, die das Mittel bekommen haben“, fasst Professor Norbert Graf vom Universitätsklinikums in Homburg das Ergebnis der multizentrischen Studie zusammen.

In die Studie wurden 583 Kinder mit Grad II und III Tumoren eingeschlossen. Die jüngsten waren sechs Monate, die ältesten 18 Jahre. Alle hatten von vornherein gute Heilungschancen gehabt und erhielten vor der Operation einen Chemo-Cocktail aus Vincristin und Actinomycin D. Eine Gruppe erhielt zusätzlich Doxorubicin.  

Das ereignisfreie 2-Jahres-Überleben – also die Zeit ohne Rückfall - war beim Verzicht auf Doxorubicin mit 88,2 Prozent geringfügig  niedriger als unter der früheren Standardtherapie mit Doxorubicin, mit der 92,6 Prozent nach zwei Jahren ohne Rezidiv und am Leben waren. Im 5-Jahres-Überleben war der Unterschied noch geringer: Ohne Doxorubicin lebten noch 95,8 Prozent, mit dem Medikament noch 96,5 Prozent der Probanden. Allerdings hatten fünf Prozent der mit Doxorubicin behandelten Kinder eine Schädigung des Herzmuskels erlitten.

 

Kindern mit Wilms-Tumoren können Spätfolgen erspart bleiben

Aufgrund des relativ geringen Unterschiedes beim 2-Jahres-Überleben und der beobachteten kardiotoxischen Effekt sind die Wissenschaftler der Ansicht, dass bei mittelgradigen Wilms-Tumoren Doxorubicin weggelassen werden kann. „Die Kinder können ohne Doxorubicin schonender behandelt werden“, stellt Kinderonkologe Graf in Aussicht. „Schwere Nebenwirkungen am Herzen bleiben ihnen erspart.“ Die Studie ist soeben im „The Lancet“ erschienen.

Foto: © drubig - photo - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
 

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