. Transkranielle Gleichstromapplikation

Wie schwacher Strom Schlaganfall-Patienten hilft

Bewegungsstörungen oder Lähmungen sind typische Folgen eines Schlaganfalls. Neurophysiologen haben eine Therapie entwickelt, mit der Betroffene alltägliche Fähigkeiten wieder schneller lernen.
Wie schwacher Strom Schlaganfall-Patienten hilft

Gerd Altmann/pixelio

Zwei Drittel aller Schlaganfall-Patienten leiden auch nach einem Jahr noch an Bewegungsstörungen oder gar Lähmungen. Um die Rehabilitation der betroffen Patienen zu verbessern, setzen Neurophysiologen neuerdings die transkranielle Gleichstromapplikation ein. Bei dem Verfahren wird schwacher Strom in jene Stellen des Gehirns geleitet, die für das motorische Lernen verantwortlich sind.

Transkranielle Gleichstromapplikation als Therapie

Beim Lernen spielen die Botenstoffe GABA und Glutamat eine zentrale Rolle. Diese beeinflussen das motorische Lernen über die Übertragung an den Synapsen im Gehirn. Das trifft auch für das Wiedererlernen von Fähigkeiten zu, die durch einen Schlaganfall verloren gegangen sind. "Experimente zeigen, dass die Freisetzung von GABA vermindert und glutamaterge Aktivität erhöht werden muss, damit Schlaganfall-Patienten neue Fähigkeiten erlernen können", erklärt Professor Dr. med. Michael Nitsche, Oberarzt der Abteilung Klinische Neurophysiologie an der Universitätsmedizin Göttingen. Und genau das schafft die transkranielle Gleichstromapplikation.

Bei dem Verfahren bringen die Neurophysiologen Elektroden an bestimmten Stellen des Schädels nahe dem motorischen und prämotorischen Kortex an. Eine zweite Elektrode befindet sich im Bereich der Stirn. Zwischen beiden fliesst während der Behandlung für zehn bis zwanzig Minuten ein schwacher Strom. "Dadurch steigt die Bereitschaft des Gehirns, neue Inhalte aufzunehmen", erklärt Professor Dr. med. Peter H. Weiss-Blankenhorn, Forschungszentrum Jülich. Die Behandlung sei schmerzlos und würde von den meisten Patienten gut vertragen. Wichtig für den Erfolg sei der Zeitpunkt: "Die transkranielle Gleichstromapplikation sollte zeitgleich zu den Übungen des Physiotherapeuten stattfinden. Erfolgt sie vor den Lernaufgaben, bleibt die Wirkung aus", sagt Nitsche.

 

Vorteile für Schlaganfallpatienten

"Viele Schlaganfall-Patienten lernen zwar neue Bewegungen, können sie später aber nicht willentlich abrufen", ergänzt Professor Dr. med. Gereon R. Fink vom Zentrum für Neurologie an der Uniklinik Köln. "Denn die Vorstellung einer Bewegung aktiviert das Gehirn in ähnlicher Weise wie dessen Ausführung." So verbessere das mentale Training das motorische Lernen während der Physiotherapie.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schlaganfall , Neurologie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schlaganfall

| Meist sind es Laien, die Zeugen eines Schlaganfalls werden. Häufig sind sie sich jedoch nicht sicher, ob es sich wirklich um einen Schlaganfall handelt und was sie tun sollen. Der FAST-Test gibt eine einfache Hilfestellung, wie in diesem Fall vorzugehen ist.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Verzweifelte Eltern, Kinder, die zunehmend rastloses Verhalten zeigen, eine deutliche Zunahme häuslicher Gewalt: All das sind Folgen der Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie. Kinder- und Jugendärzte fordern nun, die Schulen so schnell wie möglich wieder umfassend zu öffnen.
Die Corona-Pandemie hat die USA besonders hart getroffen. Über die Situation in New York, die Vorhersage von COVID-19 Krankheitsverläufen mittels modernster IT sowie Künstlicher Intelligenz am New Yorker Krankenhausverbund Mount Sinai sowie die gesellschaftspolitischen Folgen der Pandemie für das amerikanische Gesundheitssystem hat Gesundheitsstadt Berlin mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, Professor für Digital Health am Hasso Plattner Institut in Potsdam, einen Podcast durchgeführt.
 
 
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.