. Antipsychotika

Wie schädlich sind Psychopharmaka in der Schwangerschaft?

Frauen, die unter psychischen Erkrankungen leiden und schwanger werden wollen, wird häufig geraten, ihre Medikamente abzusetzen. Dabei sind nicht alle Psychopharmaka gleich schädlich.
Schwangerschaft, Depression, Psychopharmaka

12 Prozent aller Schwangeren leiden unter Depressionen

Viele Frauen, die unter einer seelischen Erkrankung leiden, können auch während der Schwangerschaft nicht auf Medikamente verzichten. Welche Auswirkungen die Psychopharmaka auf den Nachwuchs haben, ist dabei von Medikament zu Medikament verschieden. Gerade für die moderne Generation von Antidepressiva liegen schon relativ gesicherte Erfahrungswerte vor.

 

Bei Antipsychotika, die bei Psychosen, aber auch bei anderen psychischen Störungen wie Depressionen, bipolaren Erkrankungen und Angststörungen verabreicht werden, gibt es bisher nur wenige Daten. Nun hat eine Studie der US-Forscherin Dr. Katrina Johnson die Folgen von Antipsychotika für die Kinder untersucht. Veröffentlicht wurde die Arbeit in den Archives of General Psychiatry.

Studie: Schaden Antipsychotika dem Kind?

An der Studie nahmen 309 Schwangere teil, die unter Angststörungen oder Depressionen litten. 202 Frauen nahmen während der Schwangerschaft Antidepressiva ein, 22 bekamen Antipsychotika und 85 Frauen verzichteten ganz auf Psychopharmaka. Sechs Monate nach der Schwangerschaft wurden die Babys mit einem speziellen neuromotorischen Test untersucht. Dabei wurden die Werte der Kinder auf einer Skala mit maximal 100 Punkten eingeordnet. Werte über 72 Punkte gelten für Babys mit sechs Monaten als normal, Werte unter 55 Punkten als pathologisch, dazwischen liegt ein Übergangsbereich.

  • Die Kinder, deren Mütter ganz auf Psychopharmaka verzichtet hatten, erreichten im Schnitt 71 Punkte
  • Die mit Antidepressiva-Exposition 69 Punkte.
  • Mit 65 Punkten lagen die Babys, deren Mütter Antipsychotika eingenommen hatten, noch einmal deutlich darunter.
 

Neuromotorische Störungen unter Antipsychotika häufig

Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Antipsychotika bekommen hatten, zeigten also die schlechtesten motorischen Werte. Allerdings waren nicht nur die Medikamente, sondern auch die Schwere der Erkrankung ausschlaggebend für die neuromotorische Entwicklung des Kindes. Daher lässt sich nicht klar abgrenzen, wieviel die Krankheit selbst und wieviel die Psychopharmaka zur ungünstigen Entwicklung beigetragen haben. Zudem ist es möglich, dass die Frauen, die schwerer erkrankt waren, am ehesten zu Medikamenten gegriffen haben. Die Forscher raten dennoch dazu, noch gründlicher als bisher abzuwägen, ob und welche Psychopharmaka in der Schwangerschaft nötig sind.

Antidepressiva in der Schwangerschaft

Anders als bei den Antipsychotika wurden die Folgen von Antidepressiva während einer Schwangerschaft schon in mehreren Studien untersucht. Dabei wurde in einigen Arbeiten ein leicht erhöhtes Risiko für Komplikationen oder Frühgeburten beschrieben. Am sichersten scheint die Datenlage für die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zu sein. Sie sind daher den Trizyklika und vermutlich auch den anderen Medikamentengruppen vorzuziehen. Studien zur Langzeitentwicklung der Kinder, die während der Schwangerschaft dem Einfluss von SSRI's ausgesetzt waren, zeigen keine negativen Folgen. Allerdings werden relativ häufig, nämlich bei etwa 15 bis 30 Prozent, vorübergehende Adaptionsschwierigkeiten der Neugeborenen beschrieben.

Foto: Clipdealer.com

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