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27.03.2019

Wie riskant ist das neue Hüftgelenk im Alter?

Immer mehr 80-Jährige bekommen eine neue Hüfte oder ein neues Knie. Das Risiko für Komplikationen ist zwar deutlich erhöht. Doch Ärzte haben Tricks, wie der Gelenkersatz im hohen Alter besser klappen kann.
Neues Hüftgelenk im Alter

Der Einsatz eines Hüftgelenks im Alter ist nicht ohne Risiko, aber es bringt mehr Lebensqualität

Operationen im Alter bergen besondere Risiken. Denn ältere Menschen haben einen herabgesetzten Stoffwechsel, leiden oft an Blutarmut oder Muskelschwund und nehmen meist mehrere Medikamente ein. Hinzukommen diverse Begleiterkrankungen. So haben über 80-jährige, die sich erstmals ein neues Hüft- oder Kniegelenk einsetzen lassen, zum Beispiel eine dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt im Zusammenhang mit dem Eingriff zu erleiden. Auch die Gefahr einer Lungenentzündung ist um das 3,5-fache erhöht.

Dennoch entscheiden sich immer mehr Menschen jenseits der 80 für eine neues Hüft- oder Kniegelenk, weil sie mobil bleiben und ihre Schmerzen beim Gehen loswerden möchten.

Neues Hüftgelenk für mehr Lebensqualität

„Ältere Patienten formulieren heute klare Ansprüche an ihre Lebensqualität. Sie wollen Schmerzmittel nicht dauerhaft einnehmen, möchten ohne Stock Treppen steigen, nicht permanent ein Korsett gegen Rückenschmerzen tragen,“ sagt Professor Dieter Christian Wirtz, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). „Vor diesem Hintergrund entscheiden sie sich immer häufiger für eine gut geplante Gelenk- oder Rückenoperation.“

Blood Management verhindert Komplikationen

Ärzte haben sich auf die wachsende ältere Klientel vorbereitet. Um Komplikationen beim Gelenkersatz zu vermeiden, wenden die Experten ein „Blood-Management“ vor dem Eingriff an. Hierbei wird der Hämoglobin-Wert gemessen. Bei einem Wert unter zwölf liegt Blutarmut vor. „In diesem Fall erhalten die Patienten vor der Operation Eisentabletten, um das Blutvolumen zu erhöhen. Mit dem Ergebnis, dass die älteren Patienten dann nach dem Eingriff schneller auf den Beinen sind und vor allem weniger Transfusionen benötigen“, berichtet DGCH-Experte Wirtz. Studien haben gezeigt, dass sich mit einer sinkenden Transfusionsrate wiederum die  Sterblichkeit und Häufigkeit von Lungenentzündungen deutlich verringern.

Polypharmazie erschwert die Narkose

Zudem gehören alle Medikamente, die Ältere häufig zur Behandlung von anderen Erkrankungen vielfach parallel einnehmen, auf den Prüfstand. „Polypharmazie kann zu unerwünschten Wechselwirkungen führen und die Narkoseführung erschweren“, stellt Wirtz fest. Deshalb seien nicht zwingend notwendige Arzneien in Absprache mit dem Arzt vor der Operation abzusetzen.

Darüber hinaus hilft es, ältere Patienten schon vor dem Eingriff auf die spätere Physiotherapie vorzubereiten. „Dafür eigen sich Übungen, die verdeutlichen, wie die Patienten nach der Operation am besten aus dem Bett steigen, welche Bewegungen förderlich sind, welche nicht“, erläutert Wirtz, der als Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Universitätsklinik Bonn tätig ist. „Studien zeigen, dass Patienten durch eine präoperative physiotherapeutische Schulung ihre Gehfähigkeit nach dem Eingriff schneller wiedererlangen.“

Der Mehraufwand für ältere Patienten wird den Kliniken allerdings nicht vergütet. Berechnungen zeigen, dass die Klinikkosten bei über 85-Jährigen 4,8-fach so hoch wie der Durchschnitt.

Foto: PSDesign1/fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
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