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Wie gesund sind Kiwis?

Pur, in grünen Smoothies, auf dem Obstkuchen oder im Obstsalat: Kiwifrüchte sieht man in Deutschland überall. Dabei waren sie hier vor 50 Jahren noch praktisch unbekannt. Nach Europa kam die Frucht über einen kuriosen Umweg, bei dem eine reiselustige neuseeländische Lehrerin eine Rolle spielt. Eine Kiwi enthält 83 Prozent Wasser – aber deckt den Tagesbedarf an einem lebenswichtigen Vitamin auf einen Schlag.
Kiwi-Früchte ganz, aufgeschnitten, als Smoothie püriert.

Stammen aus China, heißen wie ein nachtaktiver Vogel aus den Wäldern Neuseelands. Eine Kiwi deckt den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C – sogar bei Personen mit erhöhtem Bedarf wie Rauchern oder Schwangeren.

Unter den Feier-, Gedenk- oder Aktionstagen, die sich mit der Förderung oder dem Erhalt der Gesundheit befassen, gibt es sehr ernsthafte. Und es gibt solche, über die die Meinungen so bunt sein können wie die Blüten bei einem Strauß Wiesenblumen. In dieser Klasse zu Hause fühlen dürfen sich, nur als Beispiel, der „Internationale Tag der Jogginghose“, der „Tag des deutschen Apfels“ oder, demnächst, am 24. Mai, der „Iss-eine-Kiwi-Tag“. Den gibt es wirklich. Ungeachtet dessen, dass der „Iss-eine-Kiwi-Tag“ nicht von der Weltgesundheitsorganisation ausgerufen wurde, sondern von neuseeländischen Kiwibauern im Bunde mit einer deutschen Marketingagentur, lohnt es sich, sich die Kiwi-Frucht einmal ganz nüchtern näher zu betrachten.

Kiwis: Gut für Smoothies, schlecht für Joghurts

Kiwis eigenen sich für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, vor allem pur oder als Bestandteil von Smoothies oder Obstsalat. Von einer Verwendung in Kombination mit Naturjoghurt raten Ernährungsexperten dagegen ab. Kiwifrüchte enthalten Actinidin. Dieses Enzym zerstört die im Joghurt enthaltenen Milchproteine, der Joghurt schmeckt bitter. Verhindern lässt sich das, indem man die Früchte kurz andünstet, erst unmittelbar vor dem Verzehr in den Joghurt gibt – oder indem man sich für die süßere, gelbe Kiwi-Art entscheidet. Diese enthält weniger von diesem milchzersetzenden Enzym.

 

Neun Mineralstoffe, fünf Vitamine

Nach Angaben der neuseeländischen Kiwi-Bauern- und -vermarktungsgesellschaft „Zespri“ sind von 50 für den Menschen wichtigen Nährstoffen 20 in Kiwi-Früchten enthalten, darunter Vitamine, Mineralstoffe, Antioxidantien und Spurenelemente. In einer Analyse der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie wurden folgende Inhaltsstoffe ermittelt:

Bestandteile/Nährstoffe:

  • Wasser: 83 Gramm
  • Eiweiß: 1 Gramm
  • Kohlenhydrate: 9,1 Gramm
  • Ballaststoffe: 2,1 Gramm
  • Mineralstoffe: 0,7 Gramm

Mikronährstoffe:

  • neun Mineralstoffe, darunter Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Zink
  • fünf Vitamine, darunter Vitamin C3 sowie die Vitamine B1, 2 und 3.

Eine Kiwi – die volle Tagesdosis Vitamin C

Ein Vitamin sticht hier besonders hervor: das Vitamin C. Das vielleicht bekannteste unter den Vitaminen gilt als hilfreich für die Infektabwehr, für Stoffwechsel, Knochen und Zähne sowie als antioxidativ (zellschützend). Bei der Verdauung verbessert es die Verwertung von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln und hemmt die Bildung von krebsauslösenden Nitrosaminen, heißt es in einer Verbraucherinformation der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Für Erwachsene beträgt die empfohlene Tagesdosis zwischen 95 mg für Frauen und 110 mg für Männer und. Einen etwas erhöhten Vitamin-C-Bedarf haben Schwangere (105 mg) und Stillende (125 mg pro Tag); einen deutlich erhöhten haben Raucher (Frauen: 135 mg, Männer: 155 mg). Zu den empfohlenen natürlichen Quellen für Vitamin C zählen der DGE zufolge ein Glas Orangensaft, eine Portion (kurz) gegarter Brokkoli oder Rosenkohl (jeweils 150 g), ein Apfel – oder eine Kiwi-Frucht. Sie alle liefern auf einmal rund 150 mg Vitamin C – den satten Tagesbedarf eines durchschnittlichen Erwachsenen.

Neuseeländische Kiwis: Angeblich ohne chemischen Dünger

Bleibt die Frage: Wie gesund werden diese „gesunden" Früchte angebaut? Im Marketing-Sprech der Vermarktungsgesellschaft „Zespri“ wird das Bild von einem „einzigartigen 12-Schritte-System“ gemalt, zu dem „neben der sorgsamen Auswahl der Plantagen“ und „dem Schutz wertvoller Ressourcen“ auch der „Verzicht auf chemische Dünger“ gehören.

Konventionelle Kiwis: Gering pestizidbelastet – aber häufig

In einer Untersuchung des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit von Kiwis aus sechs Herkunftsländern waren im Schnitt nur gut ein Drittel der konventionell angebauten Kiwis frei von Pflanzenschutzmittel-Rückständen. Bei der Untersuchung der Kiwi-Proben wurden insgesamt sieben verschiedene Wirkstoffe nachgewiesen, am häufigsten das Fungizid Fenhexamid und das Insektizid Chlorpyrifos. Allerdings stellte die Behörde auch fest, dass in fast 90 Prozent der Proben nur ein Pestizid-Wirkstoff registriert wurde. Fazit des Landesamts: „Die untersuchten Kiwi-Proben sind nur sehr gering mit Pflanzenschutzmittelrückständen belastet. Höchstgehaltsüberschreitungen traten in keiner Probe auf.“

Kiwi – die Frucht, die wie ein runder, brauner Vogel heißt

Die zunächst als „Chinesische Stachelbeere“ bezeichnete Frucht stammt ursprünglich aus dem Nordosten Chinas. In den dortigen Wäldern wächst sie als kräftige, holzartige Liane oder kletternder Strauch. Nach Europa kam die Frucht über einen kuriosen Umweg. Eine neuseeländische Lehrerin brachte sie 1904 von einem China-Aufenthalt mit nach Hause, wo sie populär wurde. In Neuseeland angebaute Kiwi-Früchte wurden seit 1952 nach England exportiert und erhielten dort auch die Bezeichnung „Kiwi“: nach dem in den Wäldern Neuseelands lebenden – ebenso braunen und kugelförmigen – Vogel, der allerdings „der“ Kiwi heißt.

Kiwis: In Deutschland erst seit den 1970er-Jahren bekannt

In Deutschland bekannt wurde die Kiwi-Frucht erst Anfang der 1970er-Jahre. Die heute im Lebensmittelhandel angebotenen Kiwifrüchte stammen häufig aus Neuseeland, inzwischen aber auch aus mehreren südeuropäischen Ländern. Etwa die Hälfte der Welt-Produktion stammt aus China. Zweitgrößter Produzent ist Italien – noch vor Neuseeland, dem Iran und Griechenland.

Foto: AdobeStock/lilechka75

Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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