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Wie Cybermobbing Schüler krank macht

Mittwoch, 12. Oktober 2022 – Autor:
Cybermobbing ist an Schulen und im privaten Umfeld von Kindern und Jugendlichen inzwischen ein Dauerproblem. Das zeigt eine Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing und der Techniker Krankenkasse. Die Folge: Depressionen, Alkohol, Suizidgedanken.
Grafische Darstellung: Cybermobbing.

Cybermobbing kann viele Gesichter haben. – Foto: AdobeStock/vector/AngelaStolle

Permanente Belästigung, Bloßstellung, entwürdigende Bilder oder die Verbreitung falscher Behauptungen: So kann virtuelles Mobbing in Chats, sozialen Netzwerken oder Videoportalen aussehen. Außenseiter werden schikaniert. Manche versuchen, Konkurrenten klein zu halten oder Freunden zu imponieren. Aber Mobbingopfer können es auch mit gleicher Münze heimzahlen: Dann wehren oder rächen sie sich und werden ihrerseits zu Tätern.

In Deutschland ist das in zwischen ein Dauerproblem. Nach einer Studie, die das „Bündnis gegen Cybermobbing“ jetzt zusammen mit der Techniker Krankenkasse (TK) vorgelegt hat, ist jeder sechste Schüler zwischen acht und 21 Jahren in Deutschland (16,7 Prozent) von Attacken in der virtuellen Öffentlichkeit betroffen.

Cybermobbing: Von der Gesellschaft unterschätzt

Die jetzt vorgelegten Zahlen zeigen, dass der Anteil der Schüler, die nach eigenen Aussagen schon einmal von Cybermobbing betroffen gewesen sind, im Vergleich zur Vorgängerstudie von 2020 zwar leicht gesunken ist (2020: 17,3 Prozent). Doch die Zahlen stagnieren auf hohem Niveau. Im Jahr 2017, vor der Corona-Pandemie, lag der Wert noch bei 12,7 Prozent. „Die Ergebnisse zeigen, dass Cybermobbing sich zu einem dauerhaften Problem an Schulen und im privaten Umfeld der Kinder und Jugendlichen entwickelt hat“, sagt Uwe Leest, der Vorstandsvorsitzende des Bündnisses gegen Cybermobbing. Die Folgen von Cybermobbing würden in der Gesellschaft allerdings noch immer unterschätzt. Die Täter müssten meist mit keinen Konsequenzen rechnen.

 

Corona: Mehr Zeit online – mehr Cybermobbing

Die Corona-Pandemie hat das Problem der Studie zufolge noch verschärft. So gaben rund sieben von zehn Schülerinnen und Schülern an (65 Prozent), dass Cybermobbing seit Corona zugenommen hat. Ähnlich sehen es die Eltern sowie die Lehrer mit jeweils 46 Prozent. Der Vorstandsvorsitzende der TK, Jens Baas, sagt dazu: „Homeschooling und Kontaktbeschränkungen durch die Corona-Pandemie haben dafür gesorgt, dass Kinder und Jugendliche noch mehr Zeit online verbringen. Somit werden auch Konflikte häufiger über das Internet ausgetragen."

Cybermobbing: Magenschmerzen, Ängste, Depressionen

Für die Betroffenen kann Cybermobbing gravierende gesundheitliche Folgen haben. „Neben körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Magenschmerzen sind es vor allem die psychischen Auswirkungen von Mobbing und Cybermobbing, die Kinder und Jugendliche schwer belasten können“, sagt TK-Chef Baas. Dazu gehörten beispielsweise Angst- und Schlafstörungen sowie Niedergeschlagenheit oder Depressionen.

Psychoterror im Internet: Ein Problem in Zahlen

  • 58 Prozent der Betroffenen fühlen sich „verletzt“.
  • 40 Prozent reagierten mit Wut.
  • 34 Prozent fühlen sich „verängstigt“.
  • 24 Prozent haben Suizidgedanken geäußert.
  • 15 Prozent hat aus Verzweiflung schon mal zu Alkohol, Tabletten oder Drogen gegriffen.

Cybermobbing-Opfer: 430.000 Schüler mit Suizidgedanken

Besonders, dass ein Viertel der Betroffenen von Suizidgedanken geplagt ist, finden die Studienherausgeber alarmierend. „In absoluten Zahlen entspricht das etwa 430.000 Schülerinnen und Schülern", sagt Uwe Leest vom Bündnis gegen Cybermobbing. Dies sei „eine sehr erschreckende Zahl“.

Hauptkategorie: Medizin
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