. Neue Richtlinie

WHO will Antibiotika in der Tiermast stoppen

Die WHO hat eine neue Richtlinie vorgelegt, um den Antibiotikaverbrauch in der Tiermast drastisch zu drosseln. Bauern und Industrie werden aufgefordert, die Medikamente nicht mehr gesunden Tieren zu füttern. Hintergrund ist nicht das Tierwohl, sondern die bedrohlichen Antibiotikaresistenzen.
Gefangen und Antibiotika im Futter: Die WHO will die routinemäßige Verfütterung von Antibiotika jetzt mit einer Richtlinie stoppen

Gefangen und Antibiotika im Futter: Die WHO will die routinemäßige Verfütterung von Antibiotika jetzt mit einer Richtlinie stoppen

Antibiotika in der Tiermast sind gang und gäbe. Tonnenweise wird das Medikament routinemäßig dem Futter beigemischt, um Tiere gesund zu halten und schneller wachsen zu lassen. Ein Unding, sagt die Weltgesundheitsorganisation und hat nun eine Richtlinie vorgelegt, mit der dieses Handeln unterbunden werden soll. Die neuen Empfehlungen sollen helfen, die zunehmende Verbreitung von antibiotikaresistenten Keimen zu drosseln. Denn diese sind bekanntlich eine große Gefahr für den Menschen. „Ein übermäßiger Gebrauch von Antibiotika bei Mensch und Tier trägt maßgeblich zur Bedrohung durch Antibiotikaresistenzen bei“, sagte WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus jetzt in Genf. Einige Bakterienarten, die ernste Infektionen verursachen könnten, seien heute schon gegen die meisten Antibiotika resistent und es gebe wenige vielversprechende Alternativen in der Pipeline. „Der Mangel an wirksamen Antibiotika bedroht unsere Sicherheit“, so Ghebreyesus.

Stoppt Antibiotika bei gesunden Tieren

In der neuen Richtlinie appelliert die WHO an Bauern und Tiermastindustrie, generell auf den Einsatz von Antibiotika bei gesunden Tieren zu verzichten. Ferner rät sie bei Krankheitsausbrüchen in Ställen nur solche Antibiotika zu verwenden, die für den Menschen am wenigsten wichtig sind und nicht solche mit der höchsten Priorität. Die Organisation weist in diesem Zusammenhang auf ihre Liste mit den kritischsten Antibiotika hin. Um Tiere gesund zu halten, so die WHO weiter, gebe es Alternativen- Genannt werden Hygiene, Impfungen, bessere Lebensbedingungen für die Tiere und Abschaffung von Massentierhaltung.

 

Fleischverbrauch steigt weltweit

Nach WHO-Angaben steigt weltweit der Verbrauch von Antibiotika in der Tierhaltung seit Jahren. Grund sei, dass es immer mehr Massentierhaltung gebe, um die steigende Nachfrage nach Fleischprodukten zu erfüllen. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die Europäische Union hat den Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung seit 2006 bereits deutlich reduziert, um dem zunehmenden Bedürfnis der Verbraucher nach antibiotikafreiem Fleisch Rechnung zu tragen.

Die jetzt vorgelegten „Guidelines on use of medically important antimicrobials in food-producing animals” basieren auf jahrzehntelanger Rechereche und wissenschaftlichen Studien. Die WHO versteht sie als Teil des globalen Aktionsplans gegen Antibiotikaresistenzen von 2015.

Foto: pixabay Freie kommerzielle Nutzung

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibiotika , Antibiotikaresistenzen , Weltgesundheitsorganisation
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibiotikaresistenzen

| Welche Einflussfaktoren gibt es bei der Verschreibung und Einnahme von Antibiotika? Die Universität Bonn hat in einer Metastudie den aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft herausgearbeitet. Zentrale Ergebnisse: Menschen in Städten konsumieren mehr Antibiotika als Landbewohner, Kinder und Senioren mehr als Menschen im mittleren Alter. Ein höherer Bildungsstand bremst den Antibiotika-Konsum.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
 
. Weitere Nachrichten
Dank Corona-Krise ist die Luft in Städten besser geworden. Die Verwendung von umwelt- und klimaschädlichen Einwegverpackungen ist dagegen in die Höhe geschnellt. Jeder Kaffee aus einem plastikbeschichteten Pappbecher ist ein Kontakt zu Chemikalien, die gesundheitsschädlich sind, warnt die Deutsche Umwelthilfe: für Erwachsene und Jugendliche – und sogar für ungeborene Kinder.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.