. Vitaminversorgung

Wer Vitamin-D-Präparate wirklich braucht

Auch wenn die Werbung oft anderes suggeriert: Obwohl der Körper regelmäßig das UV-Licht der Sonne braucht, um in der Haut Vitamin D zu produzieren, leiden die wenigsten an einem medizinisch relevanten „Mangel“ – selbst im Winter. Einigen (Risiko-)Gruppen aber wird geraten, Vitamin D als Zusatzpräparat einzunehmen.
goldene, transparente Vitamin D Kapseln in silberner Blisterverpackung

„Die Werbung für Vitamin D wirkt, die Vitamin-D-Tabletten bei den meisten Menschen eher nicht“, sagen Experten der AOK. 80 Prozent des Vitamins bildet der Körper selbst.

Gerade wenn die dunkle Jahreszeit vor der Tür steht, wird das „Sonnenvitamin“ D verstärkt als Universalmittel angepriesen – vor allem gegen Wintermüdigkeit oder Infekte. Und die Deutschen schlagen zu: Allein die Apotheken verkauften im Jahr 2017 Vitamin-D-Präparate im Wert von rund 177 Millionen Euro. Der Internet-Händler Amazon pries ein Vitamin-D-Mittel als Bestseller im Jahr 2018 an. Viele stellen sich im Herbst und Winter die Frage: Brauche ich mehr von dem ‚Sonnenvitamin‘ oder nicht? „Die wenigsten leiden unter einem echten Vitamin-D-Mangel“, sagt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband. „Den meisten Menschen bringen Vitamin-D-Tabletten nichts."

Vitamin D: Wichtig für Knochen, Zähne, Stoffwechsel

Auch wenn Experten Zusatzpräparate über eine ausgewogene Ernährung hinaus nicht explizit empfehlen (nicht umsonst ist die Rede von „Nahrungsergänzungsmitteln“), heißt das nicht, dass Vitamin D für den Körper nicht wichtig wäre. Die Substanz reguliert den Kalziumhaushalt, härtet Knochen und Zähne und sorgt für ein stabiles und belastbares Skelett. Es ist zudem an weiteren Stoffwechselvorgängen beteiligt und beeinflusst die Muskelkraft positiv. Den Großteil des für den Körper nötigen Vitamins (circa 80 Prozent) bildet er selbst – und zwar in der Haut, mithilfe von UV-Strahlung. Die übrigen 20 Prozent des Bedarfs nimmt er über die Nahrung auf. Sonne und Vitamin-D-haltige Nahrung sind deshalb der Schlüssel zu einem gesunden Vitamin-D-Haushalt.

 

Vitamin D als Präparat? Ja – aber unter zwei Voraussetzungen

Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) erreichen nur knapp 40 Prozent der Erwachsenen in Deutschland einen als optimal anzusehenden Vitamin-D-Spiegel. Ein „Mangelland“ sei Deutschland deswegen nicht, sagen Experten. Was bedeutet das für die Menschen dazwischen, deren Werte zwar nicht extrem niedrig, aber auch nicht optimal sind? Sollten sie zusätzliches Vitamin D einnehmen? „Erst wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind“, sagt AOK-Ärztin Debrodt. „Zuerst sollte ein Bluttest beim Arzt einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel nachgewiesen haben. Als Zweites sollten die Betroffenen versuchen, die Vitamin-D-Speicher auf natürliche Weise aufzufüllen." Durch eine gezielte Auswahl von Vitamin-D-haltigen Lebensmitteln (Wildlachs zum Beispiel enthält viermal so viel Vitamin D wie gezüchteter). Und: durch Aktivitäten vor der Tür. Selbst im Winterhalbjahr bildet der Körper etwas von dem Vitamin, wenn man mit freiem Gesicht und ohne Handschuhe für 20 bis 30 Minuten draußen spazieren geht.

Es gibt aber Gruppen von Menschen, die zu alledem nicht in der Lage sind – oder aus ganz unterschiedlichen Gründen an die optimalen Werte nicht herankommen: wegen einer körperlichen Veranlagung, ihrem Beruf, ihrem Alter oder als Folge einer Krankheit. Bei diesen (Risiko)-Gruppen kann es deshalb sinnvoll sein, dass sie über die Ernährung hinaus zusätzliches Vitamin-D als medizinisches Präparat erhalten:

Acht Personengruppen mit hohem Vitamin-D-Bedarf:

  • Menschen in Gebäuden: Personen, die sich auch im Winter besonders viel in Innenräumen aufhalten oder selten das Haus verlassen (Berufstätige, pflegebedürftige Senioren).
  • Norddeutsche: Einwohner von nördlicher gelegenen Orten. In Hamburg etwa liegt die Quote von ärztlich festgestelltem Vitamin-D-Mangel um gut 50 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.
  • Menschen ab 65: Mit dem Alter lässt die Eigenproduktion von Vitamin D nach. Die Haut produziert oft nur noch halb so viel wie früher. Mögliche Folge: Knochenerweichung mit Muskelschwäche und Knochenschmerzen (Osteomalazie). Hier kann Vitamin D vom Arzt sogar verschrieben werden.
  • Chronisch Kranke: Patienten, die an Diabetes leiden oder einer chronischen Erkrankung von Magen-Darm-Bereich, Leber oder Niere. Auch Patienten mit der Lungenkrankheit COPD sollten einen Vitamin-D-Mangel vermeiden.
  • Konsumenten bestimmter Medikamente: Nutzer von Arzneimitteln, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinträchtigen (gegen Epilepsie oder Krebs; oder eine mehr als sechs Monate dauernde Therapie mit Cortison).
  • Säuglinge und Kleinkinder: Ein Mangel an Vitamin D kann zu Rachitis führen, einer Krankheit, bei der sich die Knochen verformen. Betroffene Kinder bekommen Vitamin D deshalb vom Kinderarzt verordnet. Keine Selbstmedikation!
  • Verschleierte: Menschen, die sich kulturell oder religiös bedingt verschleiern wie manche muslimische Frauen.
  • Leute mit dunklem Hautton: Bei einem erhöhten Melaningehalt der Haut werden die UV-B-Strahlen der Sonne stärker abgehalten; die Vitamin-Produktion ist geringer.

Einnahmetipp vom Apotheker: zum Essen, mit fetthaltiger Nahrung

Und was ist das richtige Maß für den durchschnittlichen gesunden Erwachsenen, der in den grauen, kalten Monaten etwas für sich tun möchte? „Die Standarddosierung sind 1000 internationale Einheiten (i.E.)“, sagt Markus Friedrich, Apotheker in Berlin. „Diese Tagesdosis kann man ohne Bedenken zu sich nehmen.“ Weil Vitamin D zu den fettlöslichen Vitaminen gehört und über Nahrungsfette leichter vom Körper resorbiert wird, empfiehlt er eine Einnahme „zum Essen“: „Am besten, man isst ein bisschen was Fettes dazu“, sagt Friedrich. „Es muss ja nicht gleich eine Schmalzstulle sein.

Foto: Fotolia.com/Kat Ka

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