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26.09.2015

Welche Rolle Darmbakterien bei Adipositas spielen

Übergewichtige Menschen weisen eine andere Darmflora auf als normalgewichtige. Wissenschaftler versuchen nun herauszufinden, ob und wie die Zusammensetzung der Darmbakterien die Entstehung von Adipositas beeinflusst.
Darmbakterien beeinflusst Gewicht

Darmflora und Gewicht hängen miteinander zusammen

Forschungen konnten zeigen, dass sich die Zusammensetzung der Darmbakterien zwischen schlanken und adipösen Personen unterscheidet. Daher stellt sich die Frage, ob Veränderungen des Darm-Mikrobioms die Wahrscheinlichkeit für das Entstehen starken Übergewichts erhöht. Allerdings könnte es auch sein, dass umgekehrt Adipositas zu einer Veränderung der Darmflora führt.

Ob es die „guten Futterverwerter“ tatsächlich gibt, ist daher noch nicht endgültig geklärt, doch die Hinweise dafür häufen sich. So konnten bereits vor vier Jahren Wissenschaftler internationaler Forschergruppen zeigen, dass sich die Menschen nach drei Darmtypen einordnen lassen, die sich unter anderem darin unterscheiden, wie erfolgreich sie Energie aus der Nahrung gewinnen können. So weisen übergewichtige Menschen offenbar vermehrt Bakterienstämme im Darm auf, die auch aus schwer verdaulichen Kohlehydraten Energie gewinnen können. Auch bei Normalgewichtigen erhöht sich die Anzahl dieser Bakterien, wenn sie übermäßig viel essen. Das heißt, wer mehr isst, verwertet die Nahrung auch besser – ein wahrer Teufelskreis beginnt.

Bakterien gegen Übergewicht?

Erst kürzlich haben auch Mediziner der Universität Hohenheim untersucht, wie die Darmflora das Gewicht beeinflusst. „Es zeigt sich immer deutlicher, dass eine bestimmte Bakterienkonstellation für den Erfolg der Diät mitverantwortlich ist“, so Professor Stephan C. Bischoff, Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin. Andere Studien konnten nachweisen, dass die häufige Gabe von Antibiotika bei Kleinkindern die Darmflora stört und dass die Betroffenen später zu Übergewicht neigen. Auch bei Erwachsenen können Antibiotika die Zusammensetzung der Darmbakterien oft über Montage hinweg verändern - allerdings hat dies offenbar keinen Einfluss auf das Gewicht.

Ob nun die zusätzliche Gabe bestimmter Bakterien, wie sie in probiotischen Mitteln vorhanden sind, gegen Adipositas wirken könnte, ist „bis jetzt noch reine Theorie“, so Bischoff. „Das muss in klinischen Studien untersucht werden, denn es heißt ja noch lange nicht, dass wir alle Bakterienarten kennen, die am Erfolg der Gewichtsreduktion beteiligt sind.“ Erst wenn Anzahl, Funktion und Zusammenwirken der Bakterien analysiert worden sind, könne man eventuell eine probiotische Kur entwickeln, die zur Gewichtsreduktion beiträgt.

 

Einfluss der Darmbakterien hängt auch von genetischem Hintergrund ab

Auch Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben untersucht, wie stark der Einfluss des Darm-Mikrobioms auf die Entstehung von Adipositas ist. Dabei konnten sie zunächst zeigen, dass sich das Verhältnis der Darmbakterien sehr leicht durch die Nahrung beeinflussen lässt. Allerdings, so Studienautor Dr. Siegfried Ussar, hängen die Auswirkungen dieser Veränderungen auf den Organismus stark von den genetischen Voraussetzungen des Einzelnen ab.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher Tiere mit auf unterschiedliche Weise genetisch vorprogrammierten Stoffwechsel-Eigenschaften. „Interessanterweise führten eine veränderte Nahrung und Umgebung bei einer bestimmten genetischen Ausgangslage zu einem Rückgang des Übergewichts“, beschreibt Ussar. „Ist der genetische Hintergrund allerdings ein anderer, spielt die neue Umgebung keine Rolle mehr.“ Die Forscher gehen daher davon aus, dass eine veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien tatsächlich einen Einfluss auf Übergewicht und Adipositas hat, dass die Stärke dieser Auswirkung jedoch von der Genetik abhängt. Das zeigt nach Auffassung der Studienautoren, wie wichtig es ist, bei der Behandlung von Adipositas den Fokus auch auf den individuellen genetischen Hintergrund des Empfängers zu richten.

Foto: © fotoliaxrender - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

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