. BfARM-Warnung

Wegen Krebsgefahr: Behörden rufen Valsartan-haltige Blutdruckmedikamente zurück

In Europa ist eine Rückrufaktion von Valsartan-haltigen Blutdruckmedikamenten gestartet, da bestimmte Chargen eines chinesischen Herstellers mit einem krebserregenden Stoff verunreinigt sind. Mit dem Rückruf wollen die Behörden auf Nummer sicher gehen.
Valsartan, Rückruf

In Europa ist ein Rückruf valsartan-haltiger Arzneimittel erfolgt, deren Wirkstoff von dem chinesischen Hersteller Zhejiang Huahai Pharmaceutical produziert wurde

Valsartan ist in etlichen Medikamenten gegen Bluthochdruck enthalten. Nun sind produktionsbezogene Verunreinigungen bei dem chinesischen Hersteller Zhejiang Huahai Pharmaceutical mit N-Nitrosodimethylamin bekannt geworden. Dieser Stoff wird von der Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO und der EU als wahrscheinlich krebserregend beim Menschen eingestuft. Die Arzneimittelbehörden haben reagiert und eine Rückrufaktion jener Medikamente angeordnet, die den in China hergestellten Wirkstoff enthalten. Der Rückruf durch die Pharmafirmen, die den Wirkstoff des chinesischen Herstellers nutzen, läuft bereits seit dem 4. Juli in 22 Ländern, auch Kanada und Bahrain sind dabei. Die US-Arzneimittelagentur (FDA) sieht dagegen keinen Handlungsbedarf. 

BfARM sieht keine akute Gefahr für Patienten

 Eine akute Gefahr für Patienten bestehe nicht, teilte unterdessen das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit. „Patienten, die valsartanhaltige Arzneimittel einnehmen, sollen die Arzneimittel nicht ohne Rücksprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt absetzen, da das gesundheitliche Risiko eines Absetzens um ein Vielfaches höher liegt als das mögliche Risiko durch eine Verunreinigung“, so das BfArM.

Der Rückruf aller betroffenen Chargen erfolgt laut der Arzneimittelbehörde „vorsorglich.“ Aktuell wird europaweit geklärt, ob und in welchen Konzentrationen die krebserregende Substanz in den hieraus hergestellten Arzneimitteln enthalten ist. Eine erste wissenschaftliche Bewertung des Gefährdungspotentials habe bereits auf europäischer Ebene stattgefunden, weitergehende Untersuchungen würden fortgesetzt, so die Arzneimittelbehörde weiter. Grenzwerte für N-Nitrosodimethylamin gibt es bislang nicht. Der Stoff kommt unter anderem auch in gepökeltem Fleisch und alkohoischen Getränken vor.

 

Welche Medikamente betroffen sind

Aktuell geht das BfArM davon aus, dass die Prüfungen kurzfristig abgeschlossen werden kann. Die Listen der betroffenen Chargen werden dann unter anderem den Apotheken vorliegen. Seit Donnerstag erhalten die Apotheken immer neue Meldungen, welche Packungen sie nicht mehr verkaufen dürfen. Große Pharmakonzerne wie Ratiopharm, Hexal und Stada haben ihre Ware bereits zurückgerufen. Neben dem Originalhersteller Novartis gibt es nur drei der insgesamt rund ein Dutzend Firmen, die nicht betroffen sind.

Eine offizielle Liste, welche Medikamente genau betroffen sind, gibt es bislang nicht. Das macht es Ärzten und Patienten schwer, das Gefährdungspotenzial zu beurteilen. Manche Hersteller haben sich auf ihren Internetseiten Informationen dazu veröffentlicht, wie zum Beispiel Novartis. Sicher ist nur, dass nicht alle valsatanhaltigen Medikamente betroffen sind. Denn der Wirkstoff wird von rund verschiedenen 40 Firmen produziert, davon sitzen 20 in Indien.

Neuer Arzneimittelskandal?

 Laut Apotheke Adhoc ist die verunreinigte Ware bereits seit Jahren auf dem Markt. Dahinter könnte sich einer der größten Arzneimittelskandale der jüngeren Geschichte verbergen, schreibt der Branchendienst. Zhejiang Huahai Pharmaceutical habe 2012 die Produktion umgestellt, um mehr Profit zu machen. Die Blutdruckmittel könnten also schon seit sechs Jahren den krebserregenden Stoff enthalten. 

Valsartan ist ein Wirkstoff gegen Bluthochdruck und ein sogenannter Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonist. Angiotensin II ist eine körpereigene Substanz, die die Blutgefäße verengt und damit bewirkt, dass der Blutdruck ansteigt. Valsartan wirkt diesem Effekt entgegen, wodurch Blutgefäße erweitert und der Blutdruck gesenkt wird. Medikamente mit dem Wirkstoff Valsartan werden bei Bluthochdruck, Herzschwäche oder nach einem Herzinfarkt eingesetzt.

Foto: © redaktion93 - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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