. Grüner Star

Wechselstrom bei Glaukom wirksam

Der Verlust der Sehkraft durch ein Glaukom gilt eigentlich als irreversibel. Doch es gibt neue Hoffnung. Einer Studie zufolge können Wechselstromimpulse das Sehvermögen auch bei fortgeschrittenem Glaukom signifikant verbessern.
Glaukom-Therapie

Offenbar kann die Sehleistung auch bei fortgeschrittenem Glaukom noch verbessert werden

Unter einem Glaukom („Grüner Star“) versteht man eine Gruppe von Augenerkrankungen, die den Sehnerv schädigen und auf Dauer das Sehvermögen einschränken. Die häufigste Ursache für ein Glaukom ist ein erhöhter Augeninnendruck, doch es gibt auch andere Mechanismen. Das Problem: Meistens bleibt die Erkrankung über einen längeren Zeitraum unbemerkt, und ohne Behandlung droht im schlimmsten Fall die Erblindung. Zudem schien es bisher so, dass bereits eingetretene Schäden durch ein Glaukom nicht rückgängig gemacht werden können. Doch eine Studie konnte nun zeigen, dass eine Wechselstromtherapie dazu beitragen kann, die Sehleistung der Betroffenen wieder zu verbessern.

Sehfähigkeit bei Glaukom nachweislich verbessert

Dass eine Wechselstromtherapie das Sehvermögen bei Glaukom verbessern kann, wird schon länger vermutet. Die Theorie dahinter: Die Stromreize regen die Nerven im Sehzentrum an und unterstützen das Gehirn, die ankommenden Sehreize besser zu interpretieren. Um die Wirksamkeit der Therapie zu überprüfen, wurde nun eine Studie durchgeführt. Dafür wurden die Patienten an zehn Tagen für jeweils 50 Minuten einer Wechselstromstimulation oder einer Placebobehandlung unterzogen.

Es zeigte sich, dass die mit Wechselstrom behandelten Patienten signifikant größere Verbesserungen (24 Prozent) in der Erkennung von Sehreizen aufwiesen als die Probanden in der Vergleichsgruppe (2,5 Prozent). Der Nutzen der Stimulation war auch zwei Monate nach der Behandlung stabil. „Die Wechselstrombehandlung ist ein sicheres und wirksames Mittel zur Wiederherstellung von Sehleistungen nach Schädigung des Sehnervs über eine Beeinflussung der Hirnplastizität und Reorganisation von Hirnnetzwerken. Es ist der weltweit erste Nachweis in einer groß angelegten Studie mittels geringer elektrischer Ströme klinisch messbare Verbesserungen der Sehfähigkeit zu erreichen“, kommentierte der wissenschaftliche Leiter der Studie, Professor Bernhard A. Sabel, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Wechselstrom regt die Plastizität des Gehirns an

Die Wechselstromtherapie trägt offenbar dazu bei, die Ganglien der Netzhaut zu trainieren. Gleichzeitig sorgen die Stromreize dafür, dass die für das Sehen zuständigen Hirnbereiche ihre Aktivität besser koordinieren. EEG-Messungen ergaben, dass die Hirnströme der Patienten in diesen Arealen nach der Therapie synchroner waren.
Zusammen tragen diese Effekte dazu bei, die Restsicht der Patienten zu reaktivieren und zu stärken, so die Forscher. Die Plastizität des Gehirns sorgt dafür, dass zuvor brachliegende neuronale Ressourcen wieder vermehrt und effektiver genutzt werden.

Die Wechselstromtherapie erwies sich zudem als nebenwirkungsarm. Nur in wenigen Fällen wurden vorübergehender, leichter Schwindel oder Kopfschmerzen erwähnt. „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Verlust der Sehkraft, der lange als irreversibel galt, teilweise reversibel ist“, so Sabel. Für Patienten mit Glaukom bedeute dies einen echten Hoffnungsschimmer.

Foto: © georgerudy - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Augenkrankheiten , Glaukom , Glaukomvorsorge

Weitere Nachrichten zum Thema Glaukom

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Interviews
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.