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Wechseljahre: Hormontherapie doch sinnvoll?

Die Hormontherapie in den Wechseljahren hat doch mehr Nutzen als Risiken. Die Autoren einer maßgeblichen US-Studie, die vor der Hormongabe warnte, rückten deren Aussage in ein neues Licht.
Frau in den Wechseljahren

Die Wechseljahre bereiten einigen Frauen Probleme

Das meldet die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hin. Im Fachmagazin NEJM weisen die Haupt-Autoren der viel zitierten, 2002 publizierten WHI-Studie auf die Folgen der jahrelangen, fehlerhaften Interpretation ihrer Untersuchung hin.

Hunderttausende von Frauen hatten in der Folge die Hormonpräparate abgesetzt oder wurden nicht behandelt, weil die Annahme vorherrschte, dass die Hormonersatzbehandlung durchweg gesundheitliche Risiken berge. Jedoch übersteigt der Nutzen dieser Behandlung bei weitem mögliche Risiken, meinen JoAnn E. Manson und Andrew M. Kaunitz – und rückten damit die Kernaussage ihrer Studie zurecht.

Studie zur Hormontherapie: Probandinnen waren älter und krank

Die WHI-Studie war bei Frauen durchgeführt worden, deren Durchschnittsalter bei Beginn der Therapie 63 Jahre betrug. Es sollte vor allem die Frage geklärt werden, ob eine Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen selbst in diesem für den Beginn einer Hormonersatztherapie relativ hohen Alter möglich ist. Dabei handelte es sich vorwiegend um Studienteilnehmerinnen, die die Wechseljahre längst hinter sich hatten.

Außerdem wies etwa jede zweite dieser Frauen Risiken auf wie ausgeprägte Adipositas und Bluthochdruck, oder es waren Raucherinnen. Zum Teil existierten sogar Vorerkrankungen wie Diabetes oder koronare Herzerkrankungen. Es wurde nur ein einziges, in Europa weitgehend unübliches Präparat in einer für die genannte Altersgruppe zu hohen Dosierung geprüft.

Hormontherapie bei jüngeren und gesunden Frauen sinnvoll

Die Frage, ob Frauen mit einem gesunden Herz-Kreislauf-System in den Wechseljahren von einer Hormonersatztherapie einen medizinischen Nutzen haben können und ob in dieser Altersgruppe durch die Behandlung gesundheitliche Risiken auftreten können, wurde in der WHI-Studie nicht gestellt. Trotzdem wurden die Studiendaten durch die Medien, aber auch durch Ärzte, fehlinterpretiert, so dass vor einer Anwendung der Hormonersatzbehandlung in den Wechseljahren allgemein gewarnt wurde.

Betrachtet man in der WHI-Studie nur die Frauen zwischen 50 und 59 Jahren, kann bei ihnen neben der nachhaltigen Beseitigung der Hormonmangel-Symptome auch eine geringere Zahl an Knochenbrüchen, eine Senkung der Erkrankungsrate an Diabetes und an Todesfällen allgemein festgestellt werden, und bei der Untergruppe mit einer alleinigen Estrogentherapie sogar eine Senkung der Brustkrebs-Rate im Vergleich zu der mit einem Placebo behandelten Gruppe.

Hormontherapie am besten bei Eintritt der Wechseljahre

Eine Hormonersatztherapie sollte im Idealfall sofort beim Eintreten der Wechseljahre beginnen, um den größtmöglichen Nutzen zu erlangen, meint  Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.

„Mindestens ein Drittel aller Frauen in den Wechseljahren ist durch den Verlust der Hormonproduktion so sehr beeinträchtigt, dass sie eine medizinische Unterstützung brauchen, die über allgemeine Tipps zur Lebensführung und pflanzliche Plazebos aus dem Drogeriemarkt hinausgeht. Viele von ihnen haben jahrelang um ihre Gesundheit gefürchtet, wenn wir ihnen einen Ersatz ihrer Hormone empfohlen und verordnet haben. All diese Frauen können jetzt erleichtert sein, und wir als Frauenärzte sind es auch“, so Albring.

Foto: Studio Grand Ouest

Autor: red
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