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25.12.2020

Was Schuldgefühle mit uns machen

Menschen sind fähig, ein breites Spektrum an Emotionen zu erleben. Wie Liebe zum Beispiel gehören auch Schuldgefühle zu den komplexen Emotionen und sind damit für die Wissenschaft besonders interessant. Zwei Hochschulen in Thüringen haben in einer Studie Daten zu Schuldgefühlen in der Bevölkerung erhoben und analysiert – mit einem überraschenden Ergebnis, was Männer und Frauen betrifft.
Mann in Grübler-Pose - acht Finger zeigen auf ihn.

Mehr als zwei Drittel der Deutschen kennen Schuldgefühle, zeigt eine Studie zweier Hochschulen in Thüringen.

Innerhalb des Spektrums menschlicher Gefühlserlebnisse sind komplexe Emotionen wie Liebe, Neid oder Schuldgefühle für die Forschung besonders faszinierend. „Vor allem Schuldgefühle verdienen eine erhöhte Aufmerksamkeit“, dachten sich Wissenschaftler der Fachhochschule Erfurt und der SRH-Hochschule für Gesundheit in Gera. In einer gemeinsamen Studie habe die beiden Thüringer Hochschulen nach eigenen Angaben erstmalig Daten zum Thema „Schuldgefühle in der Allgemeinbevölkerung" erhoben und ausgewertet. Motiv, diese Gefühle zu untersuchen: Schuldgefühle haben zwei Seiten – eine sozial nützliche und eine individuell quälende. Sie könnten einerseits nützlich sein, so die Forscher, indem sie beispielsweise zu Entschuldigungen oder Versuchen der Wiedergutmachung gegenüber anderen Menschen führen und so den sozialen Zusammenhalt stärken. Andererseits könnten sie für Betroffene sehr unangenehm und belastend sein und so zu weiteren psychischen Beeinträchtigungen führen.

Zwei Drittel der Erwachsenen kennen Schuldgefühle

Trotz dieser möglichen Auswirkungen sei bisher nur wenig über Schuldgefühle in der Allgemeinbevölkerung bekannt, heißt es in einer Mitteilung der SRH-Hochschule. Deshalb haben die Wissenschaftler bundesweit 1003 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 97 Jahren telefonisch befragt. Die Forscher konnten zeigen, dass gut zwei Drittel der Erwachsenen in Deutschland (68,5 Prozent) schon einmal Schuldgefühle in ihrem Leben empfunden haben.

 

Emotionalität: „Keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern“

Zum Befragungszeitpunkt gab zudem jeder zehnte Erwachsene (10,6 Prozent) an, auch aktuell Schuldgefühle zu empfinden. Bei einem Viertel dieser Erwachsenen waren die Schuldgefühle sogar „eher stark“ oder „sehr stark“. Interessant dabei: „Weder für die aktuellen noch für die im gesamten Lebenslauf empfundenen Schuldgefühle gab es Unterschiede zwischen Männern und Frauen“, heißt es bei der SRH-Hochschule weiter. „Die Ergebnisse widerlegen somit typische Vorurteile einer stärkeren Emotionalität von Frauen.“

Zusammenhang zwischen Schuldgefühlen und Depressionen

Ein starker Zusammenhang zeigte sich hingegen zwischen aktuellen Schuldgefühlen und depressiven Empfindungen. So erfüllten rund ein Viertel (24,9 Prozent) der befragten Personen mit aktuellen Schuldgefühlen die Diagnosekriterien für das Vorliegen einer klinischen Depression. Bei den Erwachsenen ohne aktuelle Schuldgefühle waren es lediglich 5 Prozent.

Foto: AdobeStock/BillionPhotos.com

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Hauptkategorie: Medizin
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