Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
17.03.2021

Was ist eine Hirnvenenthrombose?

Eine Hirnvenenthrombose ist ein sehr seltenes Ereignis. Anders als beim klassischen ischämischen Schlaganfall wird hier nicht die Blutzufuhr, sondern der Abfluss des Blutes aus dem Gehirn durch ein Blutgerinnsel behindert. Es kann zu einer lebensbedrohlichen Hirnschwellung kommen.
Bei einer Hirnvenenthrombose ist der Blutabfluss gestört– das Gehirn schwillt an, der Hirndruck steigt

Bei einer Hirnvenenthrombose ist der Blutabfluss gestört– das Gehirn schwillt an, der Hirndruck steigt

Hirnvenenenthrombosen sind eine seltene Komplikation. Dabei verstopft ein Blutgerinnsel eine Hirnvene, so dass das Blut nicht mehr aus dem Gehirn abfließen kann. Eine besondere Form der Hirnvenenenthrombose ist die Sinusthrombose. Als Sinus werden große, venöse Blutgefäße an der Gehirnoberfläche bezeichnet, die eine Sammelfunktion für kleinere venöse Blutgefäße erfüllen. In besonders schweren Fällen können sämtliche Sinus voll mit Thromben sein. In Zusammenhang mit der Impfung von AstraZeneca traten vor allem Sinusvenenthrombosen auf. Drei der sieben in Deutschland gemeldeten Fälle endeten tödlich. Die geschätzte jährliche Inzidenz von Hirnvenen- und Sinusthrombosen liegt bei 3 bis 4 Fällen pro 1 Million, bei Kindern bis zu 7 Fällen/1 Million (Deutsche Gesellschaft für Neurologie.)

Symptome einer Hirnvenenthrombose unterscheiden sich vom ischämischen Schlaganfall

Hirnvenenthrombosen werden zu den Schlaganfällen gezählt. Ihr Anteil liegt bei etwa einem Prozent. Der Unterschied zum klassischen ischämischen Schlaganfall ist, dass nicht die Blutzufuhr, sondern der Abfluss des Blutes aus dem Gehirn durch ein Blutgerinnsel behindert wird. Auch die Symptome unterscheiden sich. So führt eine Hirnvenenthrombose nicht schlagartig zu neurologischen Ausfällen wie Sprachstörungen, Halbseitenlähmung oder schiefe Mundwinkel. Erste Symptome sind vielmehr langsam ansteigende Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, nach und nach kommen Verlangsamung, Bewusstseinstrübung und epileptische Anfälle und neurologische Ausfälle hinzu. Ursache ist, dass durch die venöse Abflussstörung das Gehirn anschwillt (Hirnödem) und der Hirndruck steigt. Daneben können auch kleinste arterielle Gefäße, die Kapillaren, von dem erhöhten Druck im Gehirn "abgedrückt" werden, so dass es zusätzlich zu einer Minderdurchblutung von Gehirnarealen kommt. Zu spät behandelt, kann der Hirndruck unkontrollierbar hoch werden und die Patienten versterben.

 

Hirnvenenthrombose sollte schnell mit Heparin behandelt werden

Sicher festgestellt wird die Hirnvenenthrombose mit einem MRT oder CT jeweils mit venöser Angiographie. Die Behandlung besteht in einer möglichst frühzeitigen Auflösung des Blutgerinnsels mit Heparin. Anschließend wird die Antikoagulation fortgesetzt. Etwa 80 Prozent der Patienten werden auf diese Weise ohne bleibende Schäden geheilt. Wenn die Schwellung zu lange anhält, weil die Thrombose zu spät erkannt und behandelt wird,  sind die Schäden am Gehirn irreversibel. Bei etwa 20 Prozent der Erkrankten bleiben neurologische Spätfolgen bestehen oder sie versterben an den Folgen der Hirnvenenthrombose.

Frauen sind von Hirnvenenthrombosen deutlich häufiger betroffen als Männer (75%). Risikofaktoren sind Schwangerschaft und hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille. Das Risiko erhöht sich, wenn für Frauen außerdem rauchen, übergewichtig sind oder an Migräne leiden.

Foto: © Adobe Stock/ peterschreiber.media

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Thrombose , Heparin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Thrombose

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Alkohol ist ein Zellgift, das offenbar auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass sich selbst bei ansonsten gesunden Menschen das Risiko für Vorhofflimmern signifikant erhöht. Demnach haben schon kleine Mengen einen negativen Effekt.

Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin