Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Was für und gegen eine intraoperative Bestrahlung bei Brustkrebs spricht

Eine Bestrahlung ist für die allermeisten Patientinnen mit Brustkrebs ein fester Bestandteil der Therapie. Neue Langzeitdaten zeigen: Eine einmalige intraoperative Bestrahlung senkt das Rückfallrisiko fast genauso gut wie eine mehrwöchige Strahlentherapie. Aber eben nur bei ausgewählten Patientinnen.
IORT: Bei Brustkrebs im sehr frühen Stadium kann eine einmalige Bestrahlung während der OP eine Alternative zu einer herkömmlichen Bestrahlung sein

IORT: Bei Brustkrebs im sehr frühen Stadium kann eine einmalige Bestrahlung während der OP eine Alternative zu einer herkömmlichen Bestrahlung sein

Brustkrebs wird heute zumeist brusterhaltend operiert. Auch wenn der Tumor mit einem Sicherheitsabstand entfernt werden konnte, schließt sich obligatorisch eine Strahlentherapie an. Damit will man möglicherweise verbliebene Tumorzellen abtöten und so das Rückfallrisiko minimieren. Die Bestrahlung erfolgt fraktioniert über mehrere Wochen.

Alternativ kann das Tumorbett auch direkt auf dem Operationstisch mit einer intraoperativen Radiotherapie (IORT) bestrahlt werden. Die Strahlendosis ist hier wesentlich höher, weswegen es nur einer einzigen Bestrahlung bedarf.

Rückfallrisiko etwas höher

Doch ist das Verfahren genauso sicher in Hinblick auf Rückfall- und Sterberisiko wie die Standardtherapie? Aus der TARGIT-Studie A (TARGeted Intraoperative Radiation Therapy) liegen nun endlich Langzeitdaten vor. Die Patientinnen wurden im Schnitt 8,6 Jahre nachbeobachtet, das Maximum lag bei 19 Jahren. Insgesamt wurden in die Studie 2.298 Patientinnen eingeschlossen, davon wurden 1.140 mit IORT und 1.158 mit der klassischen Bestrahlung der Brust von außen (external beam radiotherapy, EBRT) behandelt.

Die IORT hat sich demnach bei den meisten Frauen als ebenso wirksam erwiesen wie das herkömmliche Verfahren bei der brusterhaltenden Krebstherapie, bei dem sich die betroffenen Frauen nach der Operation über mehrere Wochen täglich einer Bestrahlung der Brust unterziehen müssen.

Nach den nun vorliegenden Daten ist das Rückfallrisiko um 1,16 Prozent höher, womit die Ärzte die IORT als gleichwertige Therapie ansehen. Die Rückfallquote fünf Jahre nach der Behandlung betrug in der IORT-Gruppe 2,11 Prozent, in der EBRT-Gruppe 0,95 Prozent. Daraus ergibt sich die Differenz von 1,16 Prozent.jedoch sollten Frauen bedenken, was das umgerechnet bedeutet: Von 10.000 Frauen erleiden nach einer IORT 211 einen Rückfall binnen fünf Jahren, nach einer klassischen Bestrahlung aber nur 95.

 

Strebearte niedriger

Die Sterberate liegt bei der intraoperativen Radiotherapie indes deutlich niedriger. Dabei fällt auf, dass Sterbefälle aus anderen Gründen, beispielsweise Ereignisse, die mit dem Herz-Kreislaufsystem zusammenhängen, bei der mittels IORT behandelten Gruppe deutlich seltener vorkommen als bei Patientinnen, die herkömmlicherweise bestrahlt wurden. Die Sterberate nach der IORT-Behandlung betrug 42 Prozent, nach EBRT 56 Prozent.

„Wir freuen uns, dass die 5-Jahres-Ergebnisse und die Langzeitergebnisse bis zu 19 Jahre nach dem Eingriff noch einmal die hervorragenden Ergebnisse er Intraoperativen Strahlentherapie bestätigen, die denen der „Standardtherapie“ nicht nachstehen“, sagt Studienautor Professor Marc Sütterlin vom Brustzentrum der Uniklinik Mannheim. Das sei vor allem auch eine gute Nachricht für viele betroffene Patientinnen, da die Intraoperative Strahlentherapie die Frauen deutlich weniger belaste. „Sie können nach dem Eingriff – Operation und Strahlenbehandlung – schnell wieder in ihr Leben zurückkehren und werden nicht zusätzlich durch die ansonsten täglichen Bestrahlungen mit ihrer Erkrankung konfrontiert.“ Studien belegten die bessere Lebensqualität nach einer IORT.

IORT nur im Frühstadium

Die Intraoperative Radiotherapie kommt allerdings nur für Patientinnen mit einzelnen Tumorherden in frühen Stadien in Frage. Mit einem solchen Kollektiv von Patientinnen ist die TARGIT-Studie durchgeführt worden.

Das Studienzentrum der TARGIT-Studie hat seinen Sitz am University College London, wo die Studie im März 2000 startete. Mit dem Universitätsklinikum Mannheim besteht eine enge Kooperation.

Die Studienergebnisse wurden am 19. August im “British Medical Journal” veröffentlicht: “Long term survival and local control outcomes from single dose targeted intraoperative radiotherapy during lumpectomy (TARGIT-IORT) for early breast cancer: TARGIT-A randomised clinical trial”

Foto: © Adobe Stock/tippapatt

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Brustkrebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Bestrahlung

14.09.2020

Anti-tumorale Mechanismen im Körper können auch bei schwer erkrankten Krebspatienten durch eine spezielle Sporttherapie aktiviert werden. Das hat eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg jetzt erstmals bestätigt. Der Körper schüttet dabei sogenannte Myokine aus, die entzündungshemmend wirken und Tumorzellen abtöten können.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
 
Weitere Nachrichten
Wegen niedriger Corona-Fallzahlen wird die Forderung nach einem Ende der Maskenpflicht immer lauter. Nun plädiert auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für eine schrittweise Lockerung des Mund-Nasen-Schutzes.


 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin