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Was bei chronischem Tinnitus wirklich hilft – und was nicht

Freitag, 29. Oktober 2021 – Autor:
Was hilft bei chronischem Tinnitus? Das erklärt die aktualisierte S3-Behandlungsleitlinie. Sie erläutert auch, welche Soundtherapien oder Nahrungsergänzungsmittel keinen Nutzen bringen.
Doe Ohrgeräusche beim chronischen Tinnitus belasten die Patienten stark

– Foto: Adobe Stock/Motortion

Bei Tinnitus rauscht, piepst, dröhnt oder klingelt es ständig im Ohr. Auslöser für die Ohrgeräusche können ein Hörsturz, Knallgeräusche oder ein Ungleichgewicht der Flüssigkeit im Innenohr sein. Dies beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen.

Rund 10 Millionen Menschen erkranken jährlich, bei rund 1,5 Millionen ist dieses Leiden chronisch. Was hilft wirklich dagegen? Das erläutert die unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie auf den neuesten Stand gebrachte S3-Leitlinie. Sie sagt auch, was nicht hilft.

Schlafstörungen und Depressionen können dazu kommen

Wenn die Ohrgeräusche seit mindestens drei Monaten bestehen und die Betroffenen belasten, gilt dies als chronischer Tinnitus. Mit einer umfangreichen Diagnostik werden Ursache, Belastung und Schweregrad des Tinnitus definiert und der fast immer zugrundeliegende Hörverlust beziehungsweise die Schwerhörigkeit erfasst.

Bei chronischem Tinnitus kann es zu weiteren psychischen Belastungen wie Angstzuständen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Depressionen kommen, die sollten im Gespräch und mit einem standardisierten Tinnitus-Fragebogen dokumentiert werden.

 

Tinnitus-Counselling hilft besser mit Geräusch umzugehen

Auch der Belästigungsgrad der Ohrgeräusche und die subjektiv empfundene Lautstärke des Ohrgeräusches werden notiert. Die Empfindungen der Patienten sind für die Verlaufskontrolle der Therapie wichtig, heißt es weiter in einer Pressemitteilung.

Zur Therapie eingesetzt werden Techniken, die die Betroffenen in die Lage versetzen, mit dem Ohrgeräusch umzugehen, um so eine langfristige Desensibilisierung oder gar Reduktion der Belastung zu erreichen. Dieses so genannte Tinnitus-Counselling soll Patienten helfen, besser damit zu leben. Das erläutert Leitlinien-Autor Prof. Gerhard Hesse, Klinikleiter der Tinnitus Klinik Bad Arolsen.

Was bei chronischem Tinnitus wirklich hilft – und was nicht

Was bei chronischem Tinnitus wirklich hilft: Eine klare Empfehlung gibt es für die Teilnahme an den Tinnitus-Selbsthilfegruppen. Zur Unterstützung dienen kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungen. Ob diese auch per App wirksam sind, ist wissenschaftlich noch nicht belegt. Empfohlen werden auch Hörgeräte und/oder eine Hörtherapie sowie operative Maßnahmen, beispielsweise mit einem Cochlea-Implantat.

Was bei chronischem Tinnitus nicht hilft: Erstmals wurden in der Leitlinie auch ungeeignete Therapien aufgelistet, denen es an Evidenz mangelt. "Dies ist eine wichtige Hilfestellung für die Patientinnen und Patienten, die im Internet mit einer Vielzahl von Maßnahmen konfrontiert werden, die nicht zielführend sind", so Leitlinien-Autorin Prof. Birgit Mazurek, Direktorin des Tinnituszentrums an der Charité.

Keine Evidenz: Soundtherapien, Gingko und Cannabis

Dazu zählen die unterbrochene Notch-Musik, die als Smartphone-App oder in Verbindung mit Hörgeräten angeboten wird, sowie weitere App-gestützte Soundtherapien und andere akustische Neuromodulations-Verfahren. Außerdem die transkranielle Elektro- und Magnetstimulation sowie die invasive Vagusnervstimulation.

Da es auch keine Wirksamkeitsnachweise für Nahrungsergänzungsmitttel und andere Medikamente gegen Tinnitus im chronischen Stadium gibt, werden auch diese nicht empfohlen, zumal erhebliche Nebenwirkungen auftreten können. Darunter fallen folgende Präparate: Betahistin gegen Schwindel, Stärkungsmittel wie Ginkgo, Zink, Melatonin, Cannabis und Hormone wie Oxytocin und Langzeit-Corticosteroide. Des weiteren Antidepressiva, Benzodiazepine zur Beruhigung, Muskelrelaxantien und Gabapentin gegen Nervenschmerzen. Ausgenommen davon sind ärztlich verordnete Medikamente gegen Schlaf- und Angststörungen oder Depressionen.

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