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20.11.2020

Warum uns Bewegung glücklicher und energiegeladener macht

Bewegung ist ein wichtiger Faktor, um psychisch gesund zu bleiben. Wissenschaftler konnten jetzt zeigen, dass selbst Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen das Wohlbefinden steigern. Eine bestimmte Gehirnregion scheint daran maßgeblich beteiligt zu sein.
Studie: Körperliche Aktivität macht glücklich – selbst Treppensteigen hilft gegen Schwermut

Studie: Körperliche Aktivität macht glücklich – selbst Treppensteigen hilft gegen Schwermut

Tausend Schritte sollst Du tun… Diese Formel gilt sowohl für die körperliche als auch die seelische Gesundheit. Dabei kommt es nicht auf sportliche Höchstleistungen an. Selbst banale Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen oder Fußwege zur Straßenbahn können das seelische Wohlbefinden steigern. Das berichten Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der Zeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht.

Wer sich wach und energiegeladen fühlt, fühlt sich wohler

In einer Studie mit 67 Probanden hatten sie untersucht, wie sich alltägliche körperliche Aktivitäten auf die eigene Befindlichkeit auswirken und welche Hirnregionen dabei eine Rolle spielen. Dabei wurden die Probanden sieben Tage lang sprichwörtlich auf Schritt und Tritt mit Bewegungssensoren und Smartphone-Abfragen zum Wohlbefinden verfolgt.

Die Analyse der Daten zeigte, dass sich die Studienteilnehmer direkt nach alltäglicher Aktivität wacher und energiegeladener fühlten. „Wachheit und Energiegeladenheit waren nachweislich wichtige Komponenten des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit der Studienteilnehmerteilnehmer“, erläutert Professor Ulrich Ebner-Priemer, Leiter der Arbeitsgruppe mHealth Methoden in der Psychiatrie am ZI Mannheim.

 

Teil der Großhirnrinde spricht auf Bewegung an

Bei einer weiteren Gruppe von 83 Personen wurden diese Analysen mit MRT-Untersuchungen kombiniert, bei denen das Volumen der grauen Hirnsubstanz vermessen wurde. Dabei zeigte sich, dass für das Zusammenspiel von Alltagsbewegung und affektivem Wohlbefinden ein Bereich der Großhirnrinde, der sogenannte subgenuale Anteil des Anterior Cingulären Cortex, besonders wichtig ist. Diese Hirnregion spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Emotionen und der Widerstandsfähigkeit gegenüber psychiatrischen Erkrankungen. Für die Studienautoren ist dieser Teil des Cortex das entscheidendes neuronales Korrelat, das den Zusammenhang von körperlicher Aktivität und subjektiver Energiegeladenheit vermittelt.

„Personen, die ein geringeres Volumen an grauer Hirnsubstanz in dieser Region aufwiesen und ein erhöhtes Risiko haben, an psychiatrischen Erkrankungen zu leiden, fühlten sich einerseits weniger energiegeladen, wenn sie körperlich inaktiv waren“, beschreibt Prof. Heike Tost Leiterin der Arbeitsgruppe Systemische Neurowissenschaften in der Psychiatrie am ZI die Ergebnisse, „aber andererseits nach alltäglicher Bewegung deutlich energiegeladener als Personen mit größerem Hirnvolumen.“

Treppensteigen, um sich besser zu fühlen

Die Studienautoren folgern daraus, dass schon Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen einen deutlichen Nutzen für das Wohlbefinden haben, insbesondere auch bei Menschen, die anfällig für psychiatrische Erkrankungen sind.

Die Studienergebnisse bestätigen einmal mehr, wie wichtig Bewegung für die psychische Gesundheit ist. Gerade in der dunklen Jahreszeit und diesem speziellen Winter: „Aktuell leiden wir unter starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens und unserer sozialen Kontakte, was sich auf unser Wohlbefinden niederschlagen kann“, so Studienautorin Heike Tost, „da kann es helfen, öfter mal Treppen zu steigen, um sich besser zu fühlen.“

Denkbar sei, dass künftig eine App auf dem Smartphone bei sinkender Energie die Nutzer zu Bewegung stimulieren soll, um das Wohlbefinden zu steigern, meinen die Autoren. Langfristig sei in Studien zu klären, ob sich durch Alltagsbewegung kausal das Wohlbefinden und das Hirnvolumen verändern lassen und inwieweit diese Ergebnisse helfen könnten, psychiatrische Erkrankungen zu vermeiden und zu therapieren.

Foto: © Adobe Stock/metamorworks

Autor: ham
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
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