Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Warum so wenige Deutsche die Corona-Warn-App nutzen

Montag, 14. Dezember 2020 – Autor:
23,8 Millionen Menschen haben bis dato die Corona-Warn-App installiert – also ein gutes Viertel der deutschen Bevölkerung. Was die überwiegende Mehrheit vom Download abhält, haben Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt untersucht.
Halbwissen hält viele davon ab, die deutsche Corona-Warn-App zu installieren

Halbwissen hält viele davon ab, die deutsche Corona-Warn-App zu installieren – Foto: ©U. J. Alexander - stock.adobe.com

Nein, ein Wellenbrecher ist die Corona-Warn-App der Bundesregierung nicht. 23,8 Millionen Menschen haben die App bislang aus den App-Stores heruntergeladen, was einem guten Viertel der deutschen Bevölkerung entspricht. Heißt übersetzt: Drei Viertel der Deutschen nutzen die App nicht.

Dabei wären immerhin 55 Prozent der Bürgerinnen und Bürger bereit, die Corona-Warn-App zu installieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Warum die grundsätzliche Bereitschaft dennoch nicht zu Taten führt, das hat die repräsentative Studie ebenfalls beantwortet. Demnach beeinflussen zwei Faktoren die Einstellung zur Corona-Warn-App und den Entschluss, sie zu installieren: die Lebenssituation der Befragten und ihr Wissen über die App.

Wer ist bereit?

Sympathie mit der App hegen tendenziell Menschen, die einer Risiko-Gruppe angehören (ca. 80%), häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind (ca. 40%) oder die Einkäufe der Familie erledigen (ca. 73%). Positiv auf die Einstellung gegenüber der App wirkt es sich außerdem aus, wenn Familienangehörige und Freunde das Tool befürworten. Der App-Sympathie-Wert eines Probanden steigt dann um den Faktor vier.

Wenig überraschend: Menschen, die im Coronavirus keine persönliche Bedrohung sehen oder die Krankheit als wenig real empfinden, sind auch nicht bereit, die App zu installieren.

 

Immense Wissenslücken aufgedeckt

Große Wissenslücken tun sich hingegen bei allen Befragten auf. Kaum einer wusste, ob bei der Kontaktverfolgung GPS eingesetzt wird, ob sie zum Teilen eines positiven Testergebnisses verpflichtet sind oder ob ihre Daten auch für andere Zwecke verwendet werden können. Das trifft auch auf die Befürworter zu.

Mangelndes Wissen ist laut Studie ein Grund, weshalb die App nicht installiert wird. So befürchten viele App-Befürworter zum Beispiel, dass die Funktion eine große Menge mobiler Daten verbraucht, sie beim Einhalten von Kontaktverboten oder einer verordneten Quarantäne kontrolliert oder ihnen die Kontakte vorschreibt, die sie im Fall eines positiven Tests informieren müssen.

Wer darüber hinaus glaubt, die Corona-Warn-App diene der Kontrolle der Bevölkerung, sie verarbeite nicht nur anonymisierte Daten und greife auf private Daten des Smartphones zu, lehnt die App vermehrt ab. Oft gehen diese falschen Annahmen mit technischen Unkenntnissen einher oder auch mit dem Fehlen eines Geräts, das die technischen Voraussetzungen zur Installation der App erfüllt.

Mehr Informationen über die App notwendig

„Es gibt viel Halbwissen über die App“, sagt Studienautorin Valerie Carl. „Die Ergebnisse unserer Studie legen es nahe, dass eine weitere Informationskampagne der Bundesregierung die Bereitschaft für die Warn-App erhöhen könnte. Dabei sollte auch gezielt auf die Missverständnisse und Falschannahmen eingegangen werden, die viele davon abhält, die App zu nutzen.“

Dass mehr Information über die Warn-App zu einer größeren Akzeptanz führt, hatten die Wissenschaftler in einer weiteren Untersuchung überprüft: Probanden, die die App ablehnen, bekamen 2-minütige Info-Videos über die Warn-App vorgespielt. Anschließend war ein Drittel bereit, die App zu nutzen.

Foto: © Adobe Stock/U.J. Alexander

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus
 
 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Zur Senkung hoher Cholesterinwerte werden Statine als Mittel der Wahl eingesetzt, da sie wirksam vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Berichte über Nebenwirkungen verunsichern viele Patienten. Wie sicher und verträglich sind diese Cholesterinsenker?


Nagelpilz (Onychomykose) ist ein verbreitetes Leiden. Pilzsporen dringen in den Nagel ein und führen zu Verfärbungen und Verdickungen. Dagegen gibt es rezeptfreie Mittel. Wie wirksam sind sie?
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin