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Warum die Grippe-Impfung für Ältere wichtig ist

Corona. Und Grippe. Im bevorstehenden Winter halten Experten eine doppelte Infektionswelle für möglich. Ältere Menschen sind besonders in Gefahr: 90 von 100 Grippetoten sind älter als 60 Jahre, aber nur ein Drittel der Senioren ist geimpft – viel weniger als gegen Covid-19. Für eine Impfung gilt der Oktober als günstigster Zeitpunkt.
Älterer Herr ist beim Arzt zur Grippeimpfung

Die Grippeimpfung: Als beste Zeit dafür gelten die Monate Oktober und November. Dann hat der Körper genügend Zeit, vor dem üblichen Start der Grippesaison um den Jahreswechsel herum die Immunisierung aufzubauen.

Die Grippewelle 2020/2021 ist regelrecht ausgefallen. Dank der Corona-Schutzmaßnahmen konnte auch das Influenzavirus in Schach gehalten werden. Das heißt aber nicht, dass sich das diesmal wiederholt. „Dadurch könnte unser Immunsystem in diesem Winter weniger gut auf die dann zirkulierenden Influenzaviren vorbereitet sein“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Das Risiko einer Grippewelle sei diesmal deshalb umso höher. Das Ministerium, das Robert-Koch-Institut (RKI) und andere Institutionen rufen deshalb vor allem die Risikogruppen auf, zur Impfung zu gehen: Hierzu zählen chronisch Kranke, Schwangere – und ganz besonders Ältere.

Senioren zählen doppelt zu den Risikogruppen

Viele Senioren zählen doppelt zu den klassischen Risikogruppen: als Angehörige der Altersgruppe 60 plus; und viele darüber hinaus als chronisch Kranke. Mit zunehmendem Lebensalter sinkt die Abwehrkraft des Körpers gegenüber Infektionen. Anders als früher schafft es das Immunsystem nicht mehr so gut, gegen jeden neuen Erreger Antikörper zu bilden. Dringen Krankheitskeime in einen jüngeren Menschen ein, werden weiße Blutkörperchen stimuliert; sie vermehren sich und bilden Antikörper, die die Eindringlinge gezielt angreifen. Diese „Killerzellen“ des Körpers entstehen im Knochenmark. Im Alter aber geht deren Neubildung stark zurück.

 

Erkältung und Grippe: Was ist der Unterschied?

„Die echte Grippe ist eine ernste Erkrankung, die nicht mit einer Erkältung zu verwechseln ist“, heißt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Erkältung kommt langsam, meist ohne Fieber, dafür mit Halsschmerzen, Schnupfen und Husten. Die Grippe dagegen überfällt einen. Nach der Ansteckung mit dem Influenzavirus erkranken ungefähr zwei Drittel der Betroffenen und entwickeln teils heftige Krankheitssymptome.

Die typischen Symptome einer „echten“ Grippe

  • bis zu 40 Grad hohes Fieber
  • Kopf-, Hals-, Muskel- und Gliederschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • trockener Husten
  • Schüttelfrost
  • Schweißausbrüche

Grippe-Impfung: Gut für ein Einzelnen – und die Allgemeinheit

Eine Grippe-Impfung hat für den Einzelnen den Vorteil, dass er sich vor diesen massiven Symptomen und schweren Grippe-Verläufen schützen kann. Zugleich ist die Impfung möglichst vieler (und besonders vieler Senioren) ein Gewinn für die Allgemeinheit: Es gibt weniger Personen, die die Krankheit verbreiten und andere anstecken können. Weniger Menschen müssen ins Krankenhaus – wo zurzeit ein erhöhtes Risiko besteht, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Und in Alten- und Pflegeeinrichtungen müssen die Bewohner neben Covid-19 nicht auch noch Angst vor Grippe haben.

Immunsystem braucht 14 Tage, um Schutzwirkung aufzubauen

Als beste Zeit, sich impfen zu lassen, gelten die Monate vor der winterlichen Grippewelle – Oktober und November. Dann hat der Körper genügend Zeit, vor dem üblichen Start der Grippesaison um den Jahreswechsel die Immunisierung aufzubauen. Hierfür braucht er in der Regel zwei Wochen. Eine Grippeimpfung führt normalerweise der Hausarzt durch – per Spritze in den Oberarm. Beim Einstich mit der Nadel pikst es kurz. Die meisten Menschen vertragen eine Impfung gut. In einzelnen Fällen kann es zu Rötungen oder Schmerzen um die Einstichstelle kommen, die aber meist schnell wieder abklingen.

Im Gegensatz zu anderen Impfungen muss die gegen Grippe jedes Jahr neu erfolgen. Erstens lässt der Impfschutz nach einigen Monaten nach. Zweitens zirkulieren in jedem Winter andere Sorten Viren. Die Weltgesundheitsorganisation WHO prüft jedes Jahr, welche Stämme vermutlich in der nächsten Saison auftreten werden, und gibt entsprechende Empfehlungen an die Impfstoffhersteller heraus. Der Nutzen der Impfung hängt davon ab, wie stark welche Grippeviren im Umlauf sind und ob der aktuelle Wirkstoff zu diesen Viren passt.

Aktuelle Saison: Hochdosis-Grippe-Impfstoff für Ältere

Die Schutzwirkung von Grippe-Impfstoffen ist aufgrund dieser Unwägbarkeiten grundsätzlich deutlich niedriger als etwa bei den mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19. Für Senioren gilt dies umso mehr, denn: „Die Wirksamkeit einer Grippeschutzimpfung kann bei älteren Menschen geringer ausfallen“, sagt Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Um dieser Personengruppe einen besseren Schutz vor einer Grippe-Infektion und möglichen Komplikationen zu bieten, wurde für sie ein Hochdosis-Grippeimpfstoff entwickelt.“ Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diesen Impfstoff allen Menschen ab 60 Jahren. Eine Impfung gegen Grippe kann man sich gleichzeitig mit einer Corona-Impfung geben lassen.

Senioren: Oft ohne Symptome – aber für andere ansteckend

Manche Menschen erkranken an Grippe, obwohl sie geimpft sind. Das liegt daran, dass das Grippevirus sich ständig verändert und dadurch den Impfschutz umgeht. Wer sich impfen lässt, kann aber das Risiko, an Grippe zu erkranken, deutlich senken. Das ist bei Alten auch deshalb wichtig, weil viele von ihnen keine oder nur schwache Symptome entwickeln und die Krankheit – ohne es zu ahnen – leicht weitergeben können.

Impfquote bei Alten: Höher als früher, nur halb so hoch wie EU-Standard

Die Impfquote der über 60-Jährigen gegen Influenza liegt nach Aussagen des STIKO-Vorsitzenden Thomas Mertens zwischen 30 und 40 Prozent. Obwohl die Impfbereitschaft in der Gesamtbevölkerung – und noch stärker bei Alten – in der zurückliegenden Saison in puncto Grippe deutlich gestiegen ist, erreicht Deutschland mit diesen Zahlen nur etwa die Hälfte dessen, was die EU als Ziel vorgibt – nämlich mindestens 75 Prozent.

Foto: AdobeStock/Lisa F. Young

Hauptkategorie: Medizin
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