Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
05.03.2020

Warum Bauchfett so gefährlich ist

Überschüssiges Fettgewebe ist ein Risiko für die Gesundheit. Vor allem im Bauch-Bereich setzen die Fettzellen Botenstoffe und Hormone frei, die eine schwelende Entzündung hervorrufen.
Bauch, Bauchfett, Speckrollen

Überschüssige Fettzellen besonders am Bauch setzen Hormone frei, die eine Entzündung begünstigen

Überschüssiges Fettgewebe, über das die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland verfügt, ist kein ästhetisches Problem, sondern ein Risiko für die Gesundheit. Die Fettzellen setzen vor allem im Bauch-Bereich Botenstoffe und Hormone frei, die eine schwelende Entzündung hervorrufen, und zwar sowohl lokal als auch systemisch.

Wie solche Entzündungsprozesse entstehen, warum sie langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und welche neuen therapeutischen Ansätze es gibt, ist Thema auf dem 63. Deutschen Kongress für Endokrinologie in Gießen.

Phasen des Nahrungsmangels gibt es nicht mehr

Das Fettgewebe ist für den Menschen ein nützlicher Energiespeicher. "Die dort gelagerten Fettsäuren sichern das Überleben in Zeiten, in denen es wenig zu essen gibt", erklärt Prof. Andreas Schäffler, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Da es diese Phasen eines Nahrungsmangels nicht mehr gibt, kommt es bei den meisten Erwachsenen im Verlauf des Lebens zu einer allmählichen Gewichtszunahme, insbesondere des metabolisch ungünstigen Fettgewebes im Bauchraum (viszerales Fettgewebe).

In Deutschland hat mittlerweile mehr als die Hälfte der Bevölkerung einen Body-Mass-Index (BMI) von über 25 kg/m2 und gilt deshalb als übergewichtig. Einer von sechs ist mit einem BMI von über 30 sogar fettleibig oder adipös.

 

Warum Bauchfett so gefährlich ist

"Normalgewicht ist in Deutschland nicht mehr der Normalfall", sagt Schäffler, Tagungspräsident des diesjährigen Hormonkongresses in Gießen. Nicht wenige übergewichtige Menschen erkranken im Verlauf des Lebens auch an einem Typ-2-Diabetes. In Deutschland ist dies mittlerweile fast jeder zehnte Erwachsene.

Warum Bauch-Fett so gefährlich ist: Die Fettzellen produzieren eine Reihe von Hormonen und greifen damit aktiv in den Stoffwechsel ein. Bei übergewichtigen und adipösen Menschen kommt es dabei zu einer Entzündungsreaktion. "Bei einer Blutuntersuchung beim Hausarzt zeigt sich dies in einem Anstieg des C-reaktiven Proteins", erläutert Schäffler. In einem detaillierten Laborbericht sei meist auch die Konzentration von Interleukin-1 und -6, dem Tumornekrosefaktor und Leptin erhöht. 

Häufiger Herzinfarkte und Schlaganfälle

Hormonexperten bezeichnen diese durch den Stoffwechsel (Metabolismus) ausgelöste Entzündung (Inflammation) als Metaflammation. In diesem Kontext entzündet sich auch lokal das Fettgewebe im Bauchraum (Adipoflammation), was das Stoffwechselrisiko unmittelbar erhöht.

"Die Folgen sind mittlerweile gut untersucht", sagt Schäffler. "Langzeitstudien zeigen, dass Menschen mit einem erhöhten C-reaktiven Protein häufiger Herzinfarkte oder Schlaganfälle erleiden. Die Blutgefäße verkalken auch dann, wenn die Cholesterinwerte normal sind." Die Entzündungsreaktion ist dem Experten zufolge auch an der Entwicklung des Typ-2-Diabetes beteiligt.

Therapie: Diät oder Magenverkleinerung

Es gibt noch kein geeignetes Medikament, dass Menschen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes vor den Auswirkungen der Metaflammation schützt, sagt Weber. Für die Betroffenen bleibt allerdings die Möglichkeit, durch eine Diät das Fettgewebe abzubauen oder sich einer Operation mit Magenverkleinerung oder Darmverkürzung zu unterziehen.

Beide Wege sind laut Weber vielversprechend: "Die Entzündungsreaktion im Körper geht zurück, der Patient nimmt ab und häufig verschwindet auch der Diabetes. Die Natur des Menschen führt jedoch dazu, dass die Mehrzahl der Betroffenen stattdessen lieber ein Medikament einnehmen würden."

Foto: Adobe Stock/kai

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Übergewicht
 

Weitere Nachrichten zum Thema Bauchfett

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.


Wer spät am Abend viel und Schweres isst, schläft schlecht – und umgekehrt. Das ist bekannt. Eine Studie aus den USA an über 400 Frauen zeigt jetzt: Nicht nur der Zeitpunkt des Essens ist entscheidend, sondern auch die grundsätzliche Auswahl. Wer sich also konsequent gesund ernährt, kann dauerhaft leichter ein- und besser durchschlafen.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin