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Vivantes-Ärzte sprechen über Versorgung von Flüchtlingen in Tempelhof

Sonntag, 12. Juni 2016 – Autor:
Im ehemaligen Flughafen Tempelhof sind derzeit 1.300 Flüchtlinge untergebracht. Zwei Vivantes-Ärzte berichten nun über die medizinische Versorgung vor Ort und wie sie ihre Arbeit erleben.
Zwei, die in Tempelhof Flüchtlinge medizinisch versorgen: Dr. Lindner (links), Dr. Weber (rechts) sind Infektionsmediziner und arbeiten normalerweise am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum

Zwei, die in Tempelhof Flüchtlinge medizinisch versorgen: Dr. Lindner (links), Dr. Weber (rechts) sind Infektionsmediziner und arbeiten normalerweise am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum

Medpunkt heißt die medizinische Versorgungsstelle am ehemaligen Flughafen Tempelhof, wo derzeit rund 1.300 Flüchtlinge leben. Ärzte aus Berlin arbeiten dort freiwillig, um die Menschen zu impfen und medizinisch zu versorgen. Zwei, die sich bei Medpunkt gemeldet haben, kommen von der Klinik für Infektiologie am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum. Einer davon, Dr. Andreas Lindner, war bereits für „Ärzte ohne Grenzen“ tätig und bringt viel Erfahrung in der Flüchtlingsmedizin mit. Der andere, Dr. Christoph Weber, hilft aus humanitären Gründen. „Ich wollte einfach, dass die Leute, die hierher fliehen mussten, mit dem Notwendigen gut versorgt werden. Dazu gehörte unbedingt auch das Impfen!“, sagt der Infektiologe.

Fast pausenlos Flüchtlinge geimpft

Als Weber und Lindner bei Medpunkt anfingen, waren noch 2.300 Flüchtlinge in Tempelhof untergebracht. Zunächst hieß es, all diese Menschen zu impfen. Zusammen mit 60 Unterstützern haben die beiden Vivantes-Ärzte 6 Tage die Woche 20 Tage lang praktisch durchgeimpft. „Unsere Sorge war übrigens nicht, dass die Leute Keime mitbringen, sondern dass sie sich hier im Umfeld anstecken könnten, etwa mit Windpocken“, sagt Weber. „Nicht auszudenken, wenn uns eine Infektionswelle überrollt hätte.“

Inzwischen ist die großangelegte Impfkampagne vorüber und Lindner und Weber können sich der alltäglichen Versorgung widmen. Sie können hier zwar nicht alle Krankheiten behandeln, haben aber eine wichtige Filterfunktion, um die Leute bei Bedarf zur Behandlung an die richtigen Stellen weiter zu leiten.

Tränen gehören dazu

Neulich sei ein Mann eigentlich nur zum Blutdruckmessen gekommen, erzählt Lindner. Doch plötzlich habe er angefangen zu weinen: Zwei seiner Töchter wurden im Krieg entführt. „Ich habe selbst zwei Töchter. Wahnsinn!“, sagt der Mediziner. Die Arbeit bei Medpunkt empfinde er als eine große Bereicherung. Oft gehe es gar nicht um Medizinisches, sondern werde gesunder Menschenverstand gebraucht. „Man ist nicht nur Arzt, sondern auch Sozialarbeiter", meint Lindner. "Wenn wir jemanden zur Weiterbehandlung ins Klinikum schicken, müssen wir alles mit bedenken vom Übersetzer bis zur Busfahrkarte, sonst gehen unsere Patienten im System verloren.“

Auch Weber findet die Arbeit mit Geflüchteten sehr angenehm. „Viele haben großen Respekt vor uns Ärzten“, sagt er. Was ihn stört: Dass in der öffentlichen Diskussion immer über „die Flüchtlinge“ als Masse geredet wird. Es gebe Ahmed und Hussein und Yasemin, und alle hätten doch ihre eigene Geschichte und ihre ganz persönlichen Erlebnisse, entgegnet der Arzt.

Demnächst soll der Medpunkt seinen provisorischen Standort verlassen und neue Räume beziehen - noch bevor die neuen Unterkunftsmöglichkeiten am Rand des Tempelhofer Felds entstehen. 7.000 Flüchtlinge sollen hier einmal leben. Gegner befürchten ein menschenunwürdiges Massenlager. 

 
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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