. Herz-Kreislauf-System

Verzicht auf rotes Fleisch kann Risiko für Herzkrankheiten senken

Der Genuss von rotem Fleisch erhöht die Konzentration von Trimethylamin-N-oxid (TMAO) im Darm - dies erhöht das Risiko für Herzkankheiten. Fleisch-Verzicht kann das Risiko wieder senken.
entrecote, steak, rindfleisch, rotes fleisch

Auf rotes Fleisch zu verzichten kann das Risiko für Herzerkrankungen senken

Der Genuss von viel rotem Fleisch erhöht im Darm die Konzentration von Trimethylamin-N-oxid (TMAO). Die Substanz wird mit einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten in Verbindung gebracht. Wissenschaftler fanden nun heraus, dass der Verzicht auf rotes Fleisch die TMAO-Werte wieder deutlich senken kann.

TMAO ist ein Nebenprodukt der Nahrung, das von den Darmbakterien während der Verdauung gebildet wird und zum Teil von Nährstoffen stammt, die reichlich in rotem Fleisch enthalten sind. Bereits bekannt ist, dass der hohe Anteil von gesättigten Fettsäuren in rotem Fleisch die Entstehung von Herzkrankheiten begünstigt. In einer wachsenden Zahl von Studien wurde TMAO als weiterer Risiko-Faktor identifiziert.

TMAO neue Maßeinheit für Risiko von Herzerkrankungen

Bislang wussten die Forschung wenig darüber, inwieweit die Ernährungsgewohnheiten die Produktion und Ausscheidung von TMAO beeinflussen. Die Ergebnisse legen nahe, dass das Messen des individuellen TMAO-Spiegels - was sich mit einem einfachen Bluttest machen lässt - eine vielversprechende neue Strategie zur  Vorbeugung von Herzkrankheiten sein könnte.

Für die Studie beobachteten Wissenschaftler um Dr. Stanley L. Hazen, Leiter der Präventiven Kardiologie und Rehabilitation der US-amerikanischen Cleveland Clinic, 113 gesunde Männer und Frauen. Alle Probanden wurden für einen Monat in zufälliger Reihenfolge auf verschiedene Diäten gesetzt. Bei der Diät mit rotem Fleisch verzehrten die Teilnehmer ungefähr 230 g Steak oder Rinderpasteten am Tag.

 

Blutwert von TMAO hatte sich verdreifacht

Nach einem Monat stellten die Forscher fest, dass sich der Blutspiegel von TMAO bei diesen Teilnehmern im Durchschnitt verdreifachte, verglichen mit denjenigen, die vorwiegend weißes Fleisch oder Proteine aus pflanzlichen Quellen zu sich nahmen.

Während alle Diäten die gleiche Menge an Kalorien enthielten, wurde die Hälfte der Teilnehmer auf eine jeweils fettreichere Variante gesetzt. Dabei zeigten sich ähnliche Ergebnisse. Die Auswirkungen der Proteinquelle auf den TMAO-Spiegel blieb also unabhängig vom Fettanteil in der Nahrung bestehen.

Verzicht auf rotes Fleisch kann Risiko für Herzkrankheiten senken

Die Forscher stellten aber fest, dass der TMAO-Anstieg reversibel war. Wenn die Probanden das rote Fleisch absetzten und für einen weiteren Monat entweder zu einer Diät mit weißem Fleisch oder ohne Fleisch übergingen, sanken ihre TMAO-Spiegel signifikant. Somit kann der Verzicht auf rotes Fleisch das Risiko für Herzkrankheiten wieder senken.

Die Mechanismen, durch die TMAO Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst, sind komplex. Frühere Forschungen haben gezeigt, dass TMAO Cholesterinablagerungen in der Arterienwand verstärkt. Studien legen auch nahe, dass die Substanz mit Thrombozyten - Blutzellen, die für normale Gerinnungsreaktionen verantwortlich sind - in einer Weise interagiert, die das Risiko für durch Blutgerinnsel bedingte Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.

TMAO-Werte durch Medikamente senken

In vorangegangenen Untersuchungen berichtete Dr. Hazen über die Entwicklung einer neuen Klasse von Medikamenten, die die TMAO-Spiegel im Blut senken und die Atherosklerose und das Gerinnungsrisiko verringern können. Erprobt wurden diese bislang nur im Tiermodell und sind für die Öffentlichkeit noch nicht verfügbar. Die aktuelle Studie wurde im European Heart Journal veröffentlicht.

Foto: romolo tavani/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz-Kreislauf-System
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ernährung

| Immer mehr Studien zeigen, dass Fleisch und Fisch gar nicht so gesund sind, wie man früher dachte. Jetzt haben Ernährungswissenschaftler einen neuen Zusammenhang entdeckt: Der Verzicht auf Fleisch könnte demnach das Diabetes-Risiko senken. Im Mittelpunkt steht eine bestimmte Aminosäure.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Im Vorfeld des World Health Summit sprechen Christian Drosten und Detlev Ganten über das Coronavirus im Speziellen und die globale Ausbreitung im Allgemeinen. Für den Virologen steht fest: Deutschland hat nichts besser gemacht als andere Länder. Und: Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen.
Der Verzehr roher Karotten löst bei vielen Menschen Allergien aus. Entgegen einer weit verbreiteten Auffassung können aber auch gekochte Karotten diesen Effekt haben. Das ergibt sich aus einer Studie der Universität Bayreuth. Personen, die hier sensibel reagieren, raten die Wissenschaftler deshalb dazu, auf den Verzehr von Karotten ganz grundsätzlich zu verzichten.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.