. IGES-Institut zur Schlaganfallprävention

Versorgung mit Gerinnungshemmern bei Vorhofflimmern mangelhaft

Die Schlaganfallprävention bei Patienten mit Vorhofflimmern ist lückenhaft. Das ist das Ergebnis des neuen „Weißbuch Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern“ des Berliner IGES-Instituts.
IGES-Institut: Medikamentöse Schlaganfallprävention ist verbesserungsbedürftig

Bei Vorhofflimmern ist das Schlaganfallrisiko deutlich erhöht.

Fast jeder fünfte Schlaganfall geht nach Angaben des IGES-Instituts auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurück. Hans-Holger Bleß, Leiter des Bereichs Versorgungsforschung am IGES Institut beobachtet zwar Fortschritte in der Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern. „Es besteht jedoch bei der Identifikation betroffener Patienten und bei der Einnahmetreue geeigneter Medikamente Verbesserungsbedarf“, sagte Bleß bei der Vorstellung des Weißbuchs in Berlin.

Fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern

Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern ist stark altersabhängig. Sie tritt aktuell bei rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland auf, Tendenz steigend. „Die steigende Zahl von Menschen mit Vorhofflimmern macht deutlich, wie wichtig eine wirksame Prävention ist, damit nicht gleichzeitig die Zahl von Schlaganfällen zunimmt“, sagt der Leiter des IGES Instituts, Professor Bertram Häussler. Den IGES-Angaben zufolge haben Menschen mit Vorhofflimmern ein fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko. Weil Vorhofflimmern oft ohne Beschwerden bleibt, wird es oft übersehen.

Schlaganfälle durch Vorhofflimmern lassen sich laut IGES-Institut mit der so genannten oralen Antikoagulation (OAK) medikamentös verhindern. Die IGES-Wissenschaftler beobachten allerdings bei Patienten Ängste vor unerwünschten Blutungen. Die Folge seien unnötige Therapieabbrüche, die den Erfolg der Schlaganfallprävention gefährden würden.

Über-, Unter- und Fehlversorgung mit Gerinnungshemmern

Auch bei den niedergelassenen Ärzten stellen die IGES-Experten Unsicherheiten bei der Verordnung der präventiven Antikoagulation fest.  Sie führen sie unter anderem auf das Blutungsrisiko, das Alter und Begleiterkrankungen der Patienten zurück. Knapp jeder zweite behandlungsbedürftige Patient mit Vorhofflimmern hat den Angaben zufolge über die Hälfte des Jahres nicht sicher mit Verordnungen eines Blutgerinnungshemmers abgedeckt. Auch in der spezialisierten, fachärztlichen Versorgung erhalten laut IGES zwischen 13 und 43 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern keine OAK. Umgekehrt erhalten den Angaben zufolge bestimmte Patienten mit Vorhofflimmern ohne erhöhtes Schlaganfallrisiko OAK, obwohl das nicht nötig wäre.

Die Experten setzen daher auf Aufklärung: „Vor allem in der hausärztlichen Basisversorgung müssen wir mehr Handlungssicherheit und Strukturen für eine verbesserte Früherkennung des Vorhofflimmerns schaffen“, sagt Prof. Michael Näbauer, Oberarzt am Klinikum der Universität München. Zudem müssten Patienten sachlich und verständlich über die Risiken des Vorhofflimmerns und den Nutzen einer Behandlung zum Schutz vor Schlaganfällen aufgeklärt werden. Außerdem könnten gezielte Betreuungsangebote wie ein Arzneimittelcoach die Einnahmetreue unterstützen.

Das Weißbuch „Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern“ ist im Thieme Verlag erschienen. Es entstand mit finanzieller Unterstützung der Unternehmen Bayer Vital, Boehringer Ingelheim Pharma, Bristol-Myers Squibb, Daiichi Sankyo Deutschland und Pfizer Deutschland.

Foto: psdesign1 - fotolia.com

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