. Zahnzusatzversicherungen

Versicherung vor dem ersten Zahnweh abschliessen

Guter Zahnersatz ist teuer. Zahnzusatzversicherungen sollen die Lücke schliessen. Doch welches Angebot ist gut? Die Stiftung Warentest hat jetzt 147 Tarife getestet. Die Unterschiede sind enorm.
Versicherung vor dem ersten Zahnweh abschliessen

DAK/wigger

Seit Januar 2012 müssen Kassenpatienten tiefer in die Tasche greifen, wenn sie Leistungen vom Zahnarzt in Anspruch nehmen wollen, die über die Regelversorgung der Kassen hinausgehen. Grund ist die neue private Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Besonders teuer wird es, wenn es um hochwertigen Zahnersatz geht. Zum Beispiel Implantate Keramikfüllungen oder vollverblendete Kronen.

An den hohen Kosten beteiligt sich die Krankenkasse nur mit einem sehr geringen Zuschuss. Eine Implantatversorgung kann beispielsweise 3 000 Euro kosten, wenn zunächst ein Knochenaufbau notwendig ist. Die Krankenkasse zahlt nur 387 Euro. Lässt sich ein Patient ein Inlay anstelle einer Amalgamfüllung einsetzen, berechnet der Zahnarzt sein Honorar vollständig nach der privaten Gebührenordnung. Die Rechnung kann dann zusammen mit den Laborkosten leicht 600 Euro betragen. Die Kasse beteiligt sich daran aber nur mit 30 bis 45 Euro. Das sind die Kosten für eine Amalgamfüllung. Den allergrössten Teil der Rechnung zahlt der Patient selbst - falls er keine Zusatzversicherung hat.

Zahnzusatzversicherung: Fallen im Kleingedruckten beachten

Eine Zusatzversicherung lohnt sich daher vor allem für diejenigen, die sich beim Zahnersatz nicht auf die kostengünstigste Version beschränken wollen. Schon heute ist die Zahnzusatzpolice mit rund 13 Millionen Verträgen die im Gesundheitsbereich am meisten nachgefragte Zusatzversicherung. Seit 2005 hat sich die Zahl der Verträge fast verdoppelt. Doch "im Dickicht von Ausschlussklauseln und Sonderregelungen" gibt es Fallstricke, die für die Patienten kaum durchschaubar sind" betont Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von "Finanztest". Die Zeitschrift der Stiftung Warentest hat 147 Zusatzversicherungspolicen unter die Lupe genommen. 33 Tarife bieten dem Versicherten demnach "sehr gute" Leistungen", 23 Policen aber auch nur "ausreichende".

 

Enorme Unterschiede bei Leistung und Beitragssätzen

Sichtlich wurde, dass es grosse Beitragsunterschiede bei den Top-Policen gibt. Für sehr gute Versicherungen muss etwa ein 43-Jähriger männlicher Neukunde zwischen 18 und 41 Euro im Monat zahlen, gleichaltrige Frauen zwischen 19 und 49 Euro. Nicht nur der Beitragssatz spielt bei der Wahl der richtigen Zusatzversicherung eine Rolle, sondern das, was die Versicherung im Bedarfsfall leistet. Nach den Auswertungen von Finanztest ergibt sich da oft eine grosse Kluft. Teuer heisst nicht automatisch mehr Leistung. Verbraucher müssen deshalb genau hinschauen, wieviel die private Versicherung im Einzelfall dazu bezahlt.

Stiftung Warentest hat untersucht, welchen Anteil der Rechnung der jeweilige Tarif zusammen mit der Kassenleistung im Durchschnitt ersetzt. Überprüft wurde das an den Leistungsbeispielen Kassenkrone (Preis 260 Euro, davon 163 Euro als Kassenzuschuss), Krone (540 Euro/163 Euro), Inlay (600 Euro/45 Euro) und Implantat (3000 Euro/387Euro). Ohne Zusatzversicherung müsste der Patient also die Differenz zwischen den beiden Beträgen selbst bezahlen.

Die vier günstigsten Angebote im Test mit der Note "sehr gut" sind die Tarife EZ+EZT der HanseMerkur und central.prodent der Central sowie DT85 der DKV und ZZ Premium Plus der Huk-Coburg. Sie kosten maximal 25 Euro für einen 43-Jährigen. 

Am Beispiel des Tarifs EZ+EZT des Hamburger Versicherers HanseMerkur, der preislich und von den Leistungen her zu den besten Anbietern gehört, ergibt sich für einen Versicherten folgende Rechnung: Für das Implantat müsste er 300 Euro selbst bezahlen. Den Rest zu 3000 Euro Gesamtkosten übernehmen Versicherung (2313 Euro) und gesetzliche Krankenkasse. Beim Inlay beträgt die Selbstbeteiligung 60 Euro, bei der Krone 54 Euro und bei der Kassenkrone kommt der Versicherte ganz ohne Eigenleistung aus. Diese Rechnung gilt auch für die Tarife aus der Tabelle von Allianz, Central und R+V. Bei unveränderten Beiträgen bezahlt ein 43-jähriger Mann bei der HanseMerkur in 20 Jahren 4320 Euro. Würde er dann auch nur zwei Implantate beanspruchen, hätte sich die Versicherung schon ausgezahlt.

Wann man eine Versicherung abschließen sollte

Vor Abschluss einer Zahnzusatzversicherung ist Vorsicht geboten. Die Behandlung von bereits vorhandenen Zahnproblemen ist nämlich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Ausserdem leistet die Versicherung meist erst acht Monate nach Vertragsabschluss und in den ersten Vertragsjahren sind die Leistungen oft begrenzt. Eine Zahnzustazversicherung sollte daher schon vor dem ersten Zahnweh abgeschlossen werden, raten Experten.

Alle Informationen über den Test Zahnzusatzversicherungen sind der Zeitschrift "finanztest" 5/2012 veröffentlicht.

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