Vermeidung wäre die beste Medizin

Die großen Volkskrankheiten verlaufen chronisch und verschlingen mehr als die Hälfte der Gesundheitsausgaben. Mehr Prävention scheint dringend geboten.
Prävention, Volkskrankheiten

Wer viel Obst und Gemüse isst und auf die Linie achtet, hat schon viel für die Prävention von Krankheiten getan

Medizinischer Fortschritt hat dazu beigetragen, dass heute viel weniger Krankheiten tödlich verlaufen. Vor allem bei Infektionskrankheiten, aber auch bei Krebs und Schlaganfällen ist die Überlebenswahrscheinlichkeit gestiegen. Neben Hygiene und besseren Lebensbedingungen ist der Fortschritt auch daran „Schuld“, dass wir immer älter werden. Hatte der 1910 geborene deutsche Mann noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 47 Jahren, darf sein 100 Jahre später geborene Ur-Enkel mit 77 Jahren und seine Ur Enkelin sogar mit 82 Jahren rechnen.

Beide müssen in ihren gewonnenen Lebensjahrzehnten allerdings auch mit einer eine Addition von Zivilisationskrankheiten rechnen, die ihre Vorfahren vermutlich nie erlebt hätten. Jeder zweite über 50 leidet an Bluthochdruck oder an einer anderen Volkskrankheit. Dass die Krankheitslast mit dem Alter weiter zunimmt, zeigen nicht zuletzt Daten des Statistischen Bundesamts: Ein Versicherter zwischen 65 und 84 Jahren verursacht doppelt so hohe Krankheitskosten wie der Pro Kopf-Durchschnitt. Unterm Strich verschlingen die großen Volkskrankheiten mehr als die Hälfte der Gesundheitsausgaben.

Kampf gegen Volkskrankheiten

Aus gutem Grund hat der Bund schon über eine Milliarde Euro in die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung investiert, die die großen Volkskrankheiten wie Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf, Lungen- und neurodegenerative Erkrankungen bekämpfen sollen. Damit ist ausdrücklich die Hoffnung verbunden, „innovative diagnostische Verfahren und therapeutische Ansätze im Interesse einer wirtschaftlichen und bezahlbaren Gesundheitsversorgung breit anzuwenden.“ Auch Strategien, wie sich Krankheiten vermeiden oder früh erkennen lassen, bevor sie weitere (teure) Folgeschäden verursachen, werden hier erforscht.

Mit einem ähnlichen Ziel ist 2014 die Nationale Kohorten-Studie angetreten. In der bisher größten deutschen Bevölkerungsstudie werden insgesamt 200.000 Menschen an 18 Zentren untersucht, befragt und über Jahre beobachtet. Mit den Ergebnissen sollen Krankheiten früher erkannt und Schutzmaßnahmen verbessert werden.

 

Lebensstiländerungen lassen sich schwer verordnen

Prävention, sagen Experten, ist eigentlich der klügere Weg als den Krankheiten hinterherzulaufen. Darum wurde das 2015 in Kraft getretene Präventionsgesetz auch als längst überfällig begrüßt. Doch 82 Millionen Bundesbürger zu einem gesünderen Lebensstil zu bewegen, ist nicht trivial. Man muss nur an die eigenen Lebensgewohnheiten denken.

Nach Daten des Robert Koch Instituts ist jeder zweite Erwachsene zu dick und 80 Prozent kommen nicht auf die 2,5 Stunden Bewegung pro Woche, wie sie die WHO empfiehlt. Die Wohlstands-Pandemie Diabetes ist mit ihrer jährlich wachsenden Patientenzahl nur eine Folge davon. Auch 80 Prozent der Herz-Kreislauf- und 30 Prozent der Krebserkrankungen gelten als lebensstilbedingt, ergo als vermeidbar.

Nicht umsonst hat der Deutsche Krebskongress 2016 vor sein Motto „personalisiert, präzise und partizipativ“ noch ein „präventiv“ gesetzt. Wobei es hier nicht nur um Lebensstiländerungen wie gesündere Ernährung, mehr Sport oder weniger Rauchen und Alkohol geht. Mit Impfungen wie der HPV-Impfung oder der Hepatitis-Impfung lassen sich bestimmte Krebsarten schon heute gezielt vorbeugen. Daneben tragen auch Früherkennungsmethoden wie die Darmspiegelung oder der PAP-Abstrich dazu bei, Krebsvorstufen zu erkennen oder den Krebs, in einem noch heilbaren Stadium zu erwischen.

Eine hundertprozentige Risikovermeidung gibt es zwar nicht, aber das Risiko reduzieren – das hat jeder selbst in der Hand.

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