. Studie

Untergewicht unterschätzter Risikofaktor für Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Übergewicht gilt als großer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfall. Nun zeigt eine Studie, dass untergewichtige Personen ebenfalls stark betroffen sind. Besonders auffällig ist ihr erhöhtes Schlaganfallrisiko.
Untergewicht, Schlaganfall

Untergewichtige Menschen sind anfälliger für Schlaganfälle, Herzinfarkte und KHK als übergewichtige Menschen, die häufiger an Begleiterkrankungen leiden

Sind dünne Menschen wirklich gesünder als dicke? Eine Studie* mit Daten von knapp 500.000 US-Amerikanern zeigt, dass Untergewicht als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bislang unterschätzt wurde. Denn wie sich zeigte, hatten Personen mit einem BMI unter 18,5 kg/m2 ein um 19,7 % höheres Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und die koronare Herzkrankheit (KHK) als normalgewichtige Personen.

Bei übergewichtigen Personen war das Herz-Kreislauf-Risiko jedoch noch stärker erhöht, wie das Forscherteam zeigen konnte. Bei fettleibigen Personen mit einem BMI von 30 kg/m2 und mehr verdoppelte sich sogar das Risiko.

Jed dünner, desto mehr Schlaganfälle

Wurden aber Störfaktoren wie Begleiterkrankungen herausgerechnet, änderte sich das Bild - zu ungunsten der Untergewichtigen. Während die Dünnen ein 1,34-fach erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gegenüber normalgewichtigen hatten, war das Risiko der stark Übergewichtigen „nur“ um den Faktor 1,15 erhöht. Besonders auffällig an der Sub-Analyse war, dass Untergewichtige ein wesentlich höheres Schlaganfallrisiko hatten als Übergewichtige. Außerdem waren untergewichtige Menschen unter 40 Jahren deutlich häufiger von den genannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen als übergewichtige.

Die Forscher schließen aus den Ergebnissen, dass es vor allem Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes sind, die das Herz-Kreislauf-Risiko bei adipösen Personen ansteigen lassen. Ursachen für die negativen Auswirkungen aufs Herz bei Untergewicht können aus der Studie indes nicht herausgelesen werden.

 

Übergewichts-Paradoxon zeigt sich bei Herzkatheter-Eingriffen

Dass Untergewicht ein Gesundheitsrisiko ist, wird auch von einer anderen Studie bestätigt. Eine kürzlich auf dem Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in Barcelona präsentierten Analyse **mit Daten von mehr als einer Million Patienten zeigte: Untergewicht, nicht Übergewicht führt bei Herzkatheter-Eingriffen zu einer höheren Sterblichkeit, zu höheren Kosten, längeren Verweildauern im Krankenhaus und häufigeren Wiedereinweisungen. „Ein hoher Body Mass Index (BMI) ist ein bekannter Risikofaktor für Koronare Herzkrankheiten, doch haben Studien gezeigt, dass übergewichtige und adipöse Patienten nach der Wiedereröffnung von Gefäßen mittels Herzkatheter weniger Komplikationen und bessere klinische Ergebnisse haben“, so der Hauptautor der Studie Dr. Afnan Tariq vom Lenox Hill Hospital in New York. Mediziner bezeichnen dieses Phänomen als Übergewichts-Paradoxon (‚obesity paradox’).

* Underweight: another risk factor for cardiovascular disease?: A cross-sectional 2013 Behavioral Risk Factor Surveillance System (BRFSS) study of 491,773 individuals in the USA

** ESC Abstract 2017 P P492 Tariq et al: Impact of BMI on clinical outcomes and readmissions after cardiac catheterization in the USA; European Heart Journal (2017) 38 (Supplement) 710

Foto: © Hans-Jörg Nisch - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz-Kreislauf-System , Schlaganfall , Herzinfarkt , Übergewicht
 

Weitere Nachrichten zum Thema Untergewicht

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Inkontinenz ist bei älteren und pflegebedürftigen Menschen ein häufiges Problem. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich der Umgang damit jedoch erheblich erleichtern. Ein neuer Ratgeber des Zentrums für Qualität in der Pflege gibt Praxistipps für pflegende Angehörige.
Wer täglich weniger als sechs Stunden schläft oder öfter in der Nacht aufwacht, hat ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose und ein metabolisches Syndrom. Das stellten Forscher in einer Studie mit fast 4.000 Teilnehmern fest.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.