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Untergewicht bei Kindern: Sechs Tipps für Eltern

Nach einer Studie der Uniklinik München ist jedes vierte Kind, das ins Krankenhaus kommt, untergewichtig. Die „Stiftung Kindergesundheit“ warnt vor Spätfolgen wie körperlichen und geistigen Entwicklungsstörungen – und empfiehlt, vor was sie bei Kindern normalerweise warnt: Kartoffelchips, Schokoriegel und Eis mit Sahne.
Dürrer Junge mit nacktem Oberkörper - Jeans zwei Nummern zu klein

Untergewicht bei Kindern: „Ein unterschätztes Risiko“, warnt die Stiftung Kindergesundheit. Sind Kinder dauerhaft besorgniserregend dürr, sollten sich Eltern bei Ärzte und Ernährungsberatern Hilfe holen.

Burger, Pommes, Cola und Smartphone-Games statt gesundes Essen und regelmäßige Bewegung: 15 Prozent der Jungen und Mädchen in Deutschland sind nach einer Studie des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) ungesund dick. Ein in der Öffentlichkeit inzwischen heiß diskutiertes Thema – zu Recht. Nicht annähernd so präsent ist das andere Ende der Fahnenstange: Kinder und Jugendliche mit bedenklichem bis gesundheitsschädlichem Untergewicht. Denn die gibt es im saturierten Deutschland auch.

Untergewicht bei Kindern: Häufiger als gedacht

„Untergewicht bei Kindern und Jugendlichen kommt auch in Deutschland häufiger vor, als meist angenommen“, sagt Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung Stoffwechsel- und Ernährungsmedizin der Universitäts-Kinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Besonders sichtbar werde das Ausmaß des Problems bei Kindern, wenn sie zur Behandlung ins Krankenhaus kämen. Nach einer aktuellen hausinternen Erhebung der Münchner Klinik erreichte etwa jedes vierte Kind, das stationär aufgenommen wurde, beim Wiegen nicht den Bereich des gesunden Normalgewichts.

Dies deckt sich mit Zahlen einer internationalen Expertise, nach der jedes dritte bis vierte Kind in europäischen Krankenhäusern mäßig bis schwerwiegend mangelernährt ist. Nach Zahlen des RKI sind in der Gesamtbevölkerung knapp vier Prozent aller 3- bis 6-jährigen Kinder untergewichtig; bis zur Altersgruppe der 11- bis 13-Jährigen steigt dieser Anteil stetig an.

 

Mangelernährung: „Häufig nicht erkannt und behandelt“

„Ihre Probleme werden häufig nicht erkannt und nicht konsequent behandelt“, kritisiert die Stiftung Kindergesundheit, München, in einer aktuellen Stellungnahme. Dabei seien die Auswirkungen einer Mangelernährung bei Kindern noch gravierender als bei Erwachsenen, sagt Stiftungsvorsitzender Koletzko. „Zu den möglichen Folgen einer Mangelernährung gehören erhebliche Verzögerungen der Entwicklung, eine erhöhte Sterblichkeit sowie eine starke Einschränkung der Lebensqualität der betroffenen Kinder und Jugendlichen“, sagt der Kinderarzt aus München. Zum Vergleich: Bei Kindern mit krankhaftem Übergewicht ergibt sich ein erhöhtes Krankheitsrisiko etwa für Diabetes Typ 2 und generell eine schlechtere Prognose für die lebenslange Gesundheit. Nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO wird es im Jahr 2022 weltweit mehr fettleibige als untergewichtige Kinder und Jugendliche geben.

Folgen von Mangelernährung bei Kindern und Jugendlichen:

  • unterdurchschnittliche Gehirnentwicklung und unterentwickelte geistige Fähigkeiten
  • Wachstumsstörungen, Kleinwuchs
  • verminderte Knochendichte und Muskelmasse
  • Schwächung des Immunsystem, erhöhte Infektanfälligkeit
  • langsamere Wundheilung
  • verzögerte Geschlechtsreife

In Ländern der „Dritten Welt“ ist Unterernährung bei Kindern in aller Regel eine Folge von Armut und Unterernährung. Bei den Kindern hierzulande hat sie dagegen mit einem Mangel an Nahrung in den meisten Fällen nichts zu tun: Sie ist häufig ein Begleitsymptom von länger dauernden oder chronischen Erkrankungen.

Untergewicht: Hohes Risiko bei Frühgeborenen und chronisch Kranken

Ein besonders hohes Risiko für einen schlechten Ernährungszustand haben Frühgeborene und chronisch kranke Kinder und Jugendliche, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Auch Kinder mit angeborenen Herzfehlern, einer Mukoviszidose (zystische Fibrose) und verschiedenen Magen- und Darmerkrankungen sind häufig betroffen. Die Therapie des Untergewichts ist deshalb die Therapie der Krankheit, die alleine oder vor allem die Ursache für das Untergewicht darstellt. Ist das Untergewicht allerdings die Folge einer nicht ausreichenden, falschen oder einseitigen Ernährung, Appetitlosigkeit oder Essstörung, kann eine Umstellung der Ernährung auf eine hochkalorisch angereicherte Kost helfen. „Zur Beseitigung des Defizits sind dann auch Nahrungsmittel erlaubt, die sonst als wahre Dickmacher gelten“, heißt es bei der Stiftung Kindergesundheit.

Sechs Tipps: Was Eltern bei Untergewicht von Kindern tun können

  1. Die Kost sollte attraktiv und wohlschmeckend sein und darf durchaus reichlich Butter oder Öl enthalten.
  2. Mahlzeiten möglichst im Kreis der Familie in positiver Atmosphäre einnehmen. Gespräche während der Mahlzeiten sollten die Kinder einbeziehen.
  3. Krankes Kinder nicht anders behandeln als seine Geschwister und nicht ständig zum Essen ermahnen.
  4. Nahrung anreichern durch Zugabe von Fetten (Sahne, Margarine oder Butter, Pflanzenöle) und Kohlenhydraten (Maltodextrin).
  5. Besonders effektiv ist die häufige Gabe energiereicher Zwischenmahlzeiten, z.B. selbst hergestellter Milchshakes, Eis mit Sahne, Schoko- und Müsliriegel, Kartoffelchips, Mandel- oder Nussmus.
  6. US-Forscher trauen auch Eiern ein großes Potenzial gegen Unterernährung zu. Danach verbesserten sich Größe und Gewicht von Kindern – durch ein Ei täglich.

(Quelle: Stiftung Kindergesundheit, Universität Washington in St. Louis/USA)

Wenn dies Ernährungsstrategie zu Hause nicht zu einer gesünderen Gewichtsentwicklung führte, können nach Auskunft der Stiftung Kindergesundheit energiereiche Trinknahrungen sehr hilfreich sein. Die Eltern sollten sich dabei eingehend durch eine Ernährungsfachkraft beraten werden. Die oft recht hohen Kosten für solche Nahrungen werden bei medizinischer Notwendigkeit von den gesetzlichen Krankenversicherungen erstattet.

Foto: AdobeStock/Pavel Jonas

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Hauptkategorie: Medizin
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