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Übertragung des Affenpockenvirus über Gegenstände denkbar

Mittwoch, 6. Juli 2022 – Autor:
Mikrobiologen haben das Affenpockenvirus jetzt auch auf Oberflächen in Krankenzimmern nachgewiesen. Damit ist zwar noch nicht bewiesen, dass sich andere Menschen an den kontaminierten Gegenständen anstecken können. Doch ausgeschlossen ist es nicht.
Oberflächen können hochgradig mit dem Affenpockenvirus kontaminiert sein.

Oberflächen können hochgradig mit dem Affenpockenvirus kontaminiert sein – Foto: © Adobe Stock/ Inna

Affenpocken werden nach jetzigem Kenntnisstand von Tieren oder Menschen auf Menschen übertragen, und das nur bei sehr engem Kontakt. Andere Übertragungswege sind bislang nicht bekannt. Nach einer aktuellen Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) könnte es aber eine weitere Möglichkeit geben: Mikrobiologen und Hygieniker haben das Virus nämlich auf Oberflächen im Krankenzimmern nachgewiesen, in denen Infizierten untergebracht waren, darunter auch in getragener Wäsche.

Zum Teil hochgradig kontaminiert

Die Dinge seien zum Teil „hochgradig mit dem Virus belastet“ gewesen, schreibt das UKE in einer Mitteilung. Dabei spielt es offenbar keine Rolle, ob die Oberflächen direkt mit den Händen angefasst worden waren oder lediglich ein Hautkontakt stattfand.

Bis zu eine Million Virusbestandteile konnten die Forschenden an den verschiedensten Oberflächen nachweisen, in kontaminierter Wäsche sogar bis zu zehn Millionen. Überdies fanden sich auch noch außerhalb der unterstuchten Krankenzimmer kleinste Virusspuren.

Mit der Studie sei jedoch noch nicht bewiesen, dass sich andere Menschen durch den Kontakt der kontaminierten Oberflächen anstecken könnten, beschwichtigt Studienleiter Prof. Johannes Knobloch, Leiter der Krankenhaushygiene am UKE. „Wir gehen davon aus, dass Oberflächen sehr stark belastet sein müssten, um sich durch den Kontakt mit dieser Oberfläche anstecken zu können“, sagt er. Dies betreffe wahrscheinlich vor allem in der Versorgung betroffener Patienten tätige Menschen sowie Personen, die mit einem Erkrankten zusammenleben. „Von öffentlich zugänglichen Handkontaktflächen wie Türklinken oder Aufzugknöpfen geht nach den bisherigen Erkenntnissen keine Gefährdung aus“, hält Knobloch fest.

 

Intakte Virusbestandteile dabei

Doch stark kontaminierte Gegenstände könnten tatsächlich zu einer Ansteckungsgefahr werden. Denn hier gelang es den Wissenschaftlern, erstmals Affenpocken-Viren anzuzüchten. Die Anzucht der Viren von unbelebten Oberflächen ist ein Indiz, dass es sich bei den Nachweisen mittels PCR nicht nur um inaktivierte Virusbestandteile handelt, sondern zumindest ein Anteil der gemessenen Belastung „intakte Viren“ enthält. Und intakte Viren haben das Potenzial, sich zu vermehren ergo infektiös zu sein.

Hygiemaßnahmen wichtig

„Unsere Ergebnisse passen zu den bisherigen Beobachtungen, dass sich Personen in den meisten Fällen nur bei einem sehr engen Kontakt zu einem Erkrankten anstecken können“, betont Hygieniker Knobloch. Die Ergebnisse legten außerdem nahe, dass sich das medizinische Personal bei der Versorgung betroffener Patienten „strikt an die empfohlenen Schutzmaßnahmen halten sollte." Eine Übertragung des Affenpockenvirus von kontaminierten Gegenständen einschließlich Kleidung auf Menschen kann nach dieser Studie keinesfalls mehr ausgeschlossen werden.

Die Ergebnisse der Studie “Evidence of extensive surface contamination in hospital rooms occupied by patients infected with monkeypox” ist soeben im Journal “Eurosurveillance” erschienen.

Hauptkategorie: Medizin
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