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Tropenfrüchte oft mit Pestiziden belastet

Mitarbeiter von ARD-Verbrauchermagazinen gingen in Düsseldorf und Berlin exotisches Obst einkaufen und schickten es zur Analyse ins Labor. Das Ergebnis: Tropenfrüchte aus konventionellem Anbau sind nach wie vor mit Pestiziden belastet – manche enthalten sogar einen ganzen Mix davon. In den getesteten Bio-Früchten dagegen wurden keine Rückstände gefunden.
Limetten, Zitronen, Ananas, Mango, Bananen, Kokosnuss - und Longdring-Glas.

Einerseits gesund, andererseits giftig: Von zwölf getesteten Tropenfrüchten aus konventionellem Anbau in Südamerika waren nur zwei frei von Pestizid-Rückständen. Eine Limette enthielt sogar gleich sechs Sorten Pestizide auf einmal.

Ob im Cocktail, im Obstsalat oder pur – exotische Früchte sind beliebt. Aber viele Tropenfrüchte aus konventionellem Anbau sind nach wie vor mit Pestiziden belastet – teils sogar mehrfach. Das zeigt eine aktuelle Stichprobe der Verbrauchersendungen „Super.Markt“ (rbb) und „MARKT" (WDR). Hierfür wurden in Düsseldorf und Berlin bei Discountern, Supermärkten und Bioläden Früchte aus verschiedenen südamerikanischen Ländern eingekauft.

Was sind Pestizide?

Pestizide sind chemische Substanzen, die natürliche Fraßfeinde und Pflanzenkrankheiten bekämpfen sollen, um die Erträge in Landwirtschaft und Gartenbau zu sichern. Eine Ursache für den hohen Bedarf an Pestiziden ist der Anbau von Pflanzen in Monokulturen, denn er zieht Schädlinge regelrecht an. Bei einer Reihe der im Pflanzenschutz eingesetzten Gifte besteht zumindest der Verdacht, dass sie in entsprechender Dosis auch beim Menschen Gesundheitsschäden anrichten können.

 

Fair-Trade-Limette: Sechs Pestizide auf einmal

Von den zwölf in Südamerika konventionell produzierten und für die Stichprobe gekauften Fruchtsorten waren nur zwei gänzlich frei von Pestiziden: Mangos und Ananas. Alle anderen waren belastet, manche so gar mehrfach. Passionsfrüchte und Bananen beispielsweise enthielten Rückstände von drei Sorten Pflanzenschutzmitteln. Ausgerechnet bei den unter einem Fair-Trade-Siegel verkauften Limetten wurden im Labor sechs Wirkstoffe und damit die allermeisten festgestellt. Zwei Früchte enthielten ein Pestizid, das in der EU-Landwirtschaft nicht eingesetzt werden darf.

Umweltorganisationen sehen die Gefahr, dass durch ein mögliches Freihandelsabkommen zwischen EU und den Mercosur-Staaten in Südamerika künftig noch mehr Pestizide, die in Europa produziert, aber wegen ihrer Gefährlichkeit nicht eingesetzt werden dürfen, über landwirtschaftliche Erzeugnisse zu uns zurückkehren und trotz Verbots zum Gesundheitsrisiko werden.

Kein Einzelwirkstoff oberhalb der gesetzlichen Grenzwerte

Aus gesetzlicher Sicht waren die Laborergebnisse der ARD-Stichprobe „in Ordnung": Bei keinem der gefundenen Einzel-Pestizide waren die erlaubten Höchstwerte überschritten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stuft Mehrfachrückstände von Pestiziden nicht als problematisch ein, sofern die für jeden einzelnen Wirkstoff isoliert geltenden Höchstwerte für sich nicht überschritten werden.

Toxikologe sieht aber Risiken durch Pestizid-Cocktail

Aus Sicht des Toxikologen Hermann Kruse ist die Einhaltung von Einzelgrenzwerten allerdings kein Grund zur Entwarnung. Die mögliche Wechselwirkung verschiedener Pestizide im Organismus des Menschen sei bisher kaum untersucht, sagt der Wissenschaftler von der Universität Kiel. „Es kann durchaus sein, dass tatsächlich schon sehr geringe Konzentrationen Effekte am Immunsystem haben, am Nervensystem oder an der Schilddrüse oder auch auf andere Organe", sagte Kruse gegenüber den Verbrauchermagazinen der ARD.

Keinerlei Pestizide in Stichproben von Bio-Früchten

Bio-Früchte haben WDR und rbb ebenfalls untersuchen lassen. In den sechs vorgenommenen Proben konnte das beauftragte Labor keinerlei Pestizid-Rückstände feststellen. Die untersuchten Bio-Früchte waren sowohl in Bio-Läden als auch bei Supermärkten und Discountern gekauft worden.

Foto: AdobeStock/gudrun

Autor: zdr
Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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