. Posttraumatische Belastungsstörung

Traumatische Störungen bei Soldaten oft unerkannt

Erschreckendes bringt eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundestages zutage: Demnach leiden weit mehr Soldaten unter traumatischen Störungen, als bislang vermutet wurde. Für die Früherkennung solcher Störungen reicht aber offenbar das Personal nicht aus.
Traumatische Störungen bei Soldaten häufiger als gedacht

Viele Soldaten leiden unter einer posttraumatischen Belastungsstörung

Die Zahl der Bundeswehrsoldaten, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, ist deutlich höher als bisher angenommen. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die vom Bundestag in Auftrag gegeben wurde. Demnach werden nur etwa 20 Prozent der psychischen Krankheiten wie posttraumatische Belastungsstörungen erkannt und behandelt.

Viele Soldaten trauen sich der Studie zufolge aus Scham oder Angst vor beruflichen Nachteilen nicht, über ihre Probleme zu sprechen. Studienleiter Professor Hans-Ulrich Wittchen von der Technischen Universität Dresden erklärte gegenüber der „Welt“: „Viele Betroffene haben Angst vor dem Gang zum Psychiater oder Psychotherapeuten, vielleicht befürchten sie auch negative Folgen für die Karriere.“

Die jetzt veröffentlichte Studie wurde 2008 in Auftrag gegeben, um nicht diagnostizierte PTBS-Fälle und andere psychische Erkrankungen als Folge von Auslandseinsätzen zu erforschen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Wehrbeauftragte des Bundestages einen Bericht veröffentlicht, in dem von einer Steigerung „einsatzbedingter psy­chischer Erkrankungen“ die Rede war. Die Studie kam zu dem Schluss, dass jeder vierte Soldat, der an Auslandseinsätzen teilnahm, an psychischen Störungen leidet.

Behandlung traumatischer Störungen nicht zufriedenstellend

Schon zum damaligen Zeitpunkt wurde die „Bedeutung präventiver Maßnah­men zur Vermeidung psychischer Belastungen“ erkannt. Für ein routinemäßiges Screening auf psychische Probleme fehlte es aber an Personal. Traumatisierte Soldaten können heute in zivilen Kliniken behandelt werden. Allerdings wurde dies im Bericht von 2012 als „nicht sinnvoll“ bezeichnet. Als Begründung erklärte der Bundeswehrbeauftragte damals, dass die „von der Bundeswehr fest­gelegten Reha-Sätze, die an zivile Kliniken für die statio­näre Behandlung gezahlt werden, zu niedrig sind, um eine angemessene Traumatherapie anbieten zu können.“

Eine posttraumatische Belastungsstörung tritt oft erst Monate nach dem auslösenden Ereignis auf und kann sich in verschiedensten Symptomen – von Depressionen über Angstzustände bis hin zu körperlichen Schmerzen – äußern. Viele Betroffene erleben das Ereignis in ihrer Vorstellung immer wieder, und einfachste Alltagshandlungen können zur unüberwindlichen Herausforderung werden. Die Patienten können das Erlebte meist nur mit Hilfe einer Psychotherapie verarbeiten; oft ist sogar ein stationärer Aufenthalt nötig.

Foto: © benjaminnolte - Fotolia.com

 
Autor:
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Psychische Erkrankungen

| Die Suizidrate unter Patienten, die unter bipolaren Störungen leiden, ist vergleichsweise hoch. Nun konnten Forscher zeigen, dass Lithium das Suizidrisiko besser senken kann als Valproat. Den Wissenschaftlern zufolge könnte durch eine konsequente Lithiumtherapie jeder achte Selbsttötungsversuch von bipolaren Patienten vermieden werden.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.