. Parkinson

Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson erfolgreich

Bei der Tiefen Hirnstimulation werden in bestimmten Hirnregionen hochfrequente elektronische Impulse freigesetzt. Die Wirkung dieser Methode bei Parkinson wurde jetzt in einer Studie bestätigt.
Tiefe Hirnstimulation

Neurostimulation bei Parkinson

Bisher wurde die Tiefe Hirnstimulation (THS, Neurostimulation) bei Parkinson-Patienten nur dann angewendet, wenn die Betroffenen schon über zehn Jahre an der Krankheit litten, schwerste Symptome zeigten und resistent gegen medikamentöse Therapien waren. Jetzt hat eine Studie gezeigt, dass die Tiefe Hirnstimulation bereits im frühen Krankheitsstadium einer alleinigen Behandlung mit Medikamenten überlegen ist.

Für die Analyse untersuchte das deutsch-französische Forscherteam 251 Patienten, die im Durchschnitt 52 Jahre alt waren und seit rund sieben Jahren an Parkinson litten. Die Erkrankten erhielten entweder nur Medikamente oder wurden zusätzlich mit der Tiefen Hirnstimulation behandelt. Bei dieser Methode werden Elektroden in den Nucleus subthalamicus implantiert und von einem Schrittmacher unter der Haut stimuliert.

Lebensqualität der Parkinson-Patienten durch tiefe Hirnstimulation verbessert

Es zeigte sich, dass die Neurostimulation motorische Störungen sowie die Lebensqualität der an Parkinson erkrankten Patienten signifikant verbessern konnte. Vor allem bei der Lebensqualität zeigte sich ein beträchtlicher Gewinn. Die Patienten verbesserten sich auf dem Parkinsons‘ Disease Questionnaire (PDQ-39) um fast 26 Prozent von 30,2 auf 22,4 Punkte. Die Patienten, die nur Medikamente erhalten hatten, verschlechterten sich hingegen während des Untersuchungszeitraums um 0,2 Punkte.

Aktivität und Mobilität der Patienten nahmen durch die THS signifikant zu. Positiv wirkte sich die Tiefe Hirnstimulation zudem auf den Medikamentenverbrauch aus. Die tägliche L-Dopa-Äquivalenzdosis konnte um fast 40 Prozent verringert werden; bei den Patienten ohne Operation nahm sie hingegen um über 20 Prozent zu. Bei kognitiven Tests oder Apathie zeigte sich hingegen kaum ein Unterschied.

Mehr Patienten sollen THS erhalten

„Diese Daten werden wahrscheinlich die Leitlinien zur Behandlung der Krankheit verändern, so dass die Neurostimulation schon viel früher beim Morbus Parkinson genutzt werden kann und deutlich mehr Parkinson-Patienten diese Therapieoption erhalten“, kommentierte Professor Günther Deuschl, Direktor der Kieler Universitätsklinik für Neurologie und einer der Studienautoren.

Da die THS einen operativen Eingriff erfordert, waren in dieser Gruppe allerdings mehr Nebenwirkungen zu verzeichnen. Bei 124 Operationen gab es 68 schwerwiegende Ereignisse. Bei den 127 Patienten, die nur medikamentös behandelt wurden, kam es zu 56 solcher Ereignisse.

Parkinson: Fakten und Zahlen

Bei Morbus Parkinson sterben Gehirnzellen ab, die den Botenstoff Dopamin herstellen. Dopamin überträgt Signale zwischen den Nervenzellen, die unsere Bewegungen steuern. Fehlt dieser Stoff, kommt es zu Bewegungsstörungen wie Verlangsamung, Steifheit oder Zittern. Parkinson ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. In Deutschland sind über 250.000 Menschen an Parkinson erkrankt. Schätzungen zufolge wird sich aufgrund des zunehmenden Altersdurchschnitts die Zahl bis 2030 ungefähr verdoppeln.

Foto: Uniklinik Kiel

Autor:
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Parkinson

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.