. Orthopädie

Tennisarm: Kortison-Injektionen langfristig ohne Nutzen

Beim Tennisarm nützen Kortison-Injektionen nichts und können sogar schaden. Das hat eine australische Studie bestätigt. Auch der Nutzen von Physiotherapie ist gering.
Tennisarm: Kein Kortison

Ein sogenannter "Tennisarm" kann mit starken Schmerzen einhergehen.

Ein Tennisarm (korrekter: „Tennisellenbogen“ oder „Epicondylitis humeri radialis“) entsteht nur selten tatsächlich beim Tennis, sondern öfter bei anderen ungewohnten oder einseitigen Beanspruchungen. Kleinste Risse im Sehnenansatz der Unterarm-Streckmuskulatur am Ellenbogen lösen eine schmerzhafte Entzündung aus. Der Arm wird zunehmend kraftlos, und selbst das Anheben leichter Gegenstände wie einer Kaffeetasse kann dann wehtun.

Dass Kortison-Injektionen beim Tennisarm nichts nützen und sogar schaden können, wird schon länger vermutet. Eine aktuelle Studie bestätigt dies nun. Ein Forscherteam um Dr. Brooke K. Coombes von der University of Queensland (Australien) untersuchte 165 Patienten, die seit mindestens sechs Wochen unter einem Tennisarm litten. Die Probanden wurden in vier Gruppen geteilt. Sie erhielten entweder lokale Kortison-Injektionen, Injektionen mit einem Placebo, eine Kombination aus Physiotherapie und Kortison oder Physiotherapie und Placebo.

Spontanheilungen bei Tennisarm häufig

Nach einem halben Jahr waren in der Placebo-Gruppe 85 Prozent der Patienten gesund, aber nur 55 Prozent der Teilnehmer, die Kortison erhalten hatten. Zwar schienen die Kortison-Injektionen innerhalb der ersten vier Wochen günstige Effekte auf die Schmerzentwicklung und den Behinderungsgrad zu haben, doch dies kehrte sich im weiteren Verlauf um. Nach einem Jahr waren 90 Prozent aller Patienten geheilt oder die Symptomatik war deutlich verbessert. Dies entspreche dem zu erwartenden Spontanverlauf, so die Studienautoren.

Überraschend ist das Ergebnis nicht, da in den vergangenen Jahren wiederholt über hohe Rezidivraten unter Kortison berichtet worden war. Auch medizinisch ist das durchaus begründbar, da zum einen der Tennisarm nicht ursprünglich durch eine Entzündung ausgelöst wird und zum anderen Kortison negative Auswirkungen auf die Kollagen-Synthese haben kann.

Tennisarm: nutzt Physiotherapie?

Überraschender war, dass auch Physiotherapie keinen langfristigen Nutzen zeigte. Allerdings schadete sie im Gegensatz zur Kortisongabe auch nicht. Zudem hatte Physiotherapie allein kurzfristig günstige Auswirkungen bei Messparametern wie zum Beispiel Schmerzen und Behinderungsgrad. Zudem, so erklären die Studienautoren, tritt der Tennisarm häufig im Zusammenhang mit Verspannungen im Oberarm- und Nackenbereich auf, was physiotherapeutische Maßnahmen sinnvoll machen kann.

© Monkey Business - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kortison

Weitere Nachrichten zum Thema Kortison

| MS-Schübe werden meist mit intravenös verabreichtem Kortison wie Methylprednisolon behandelt. Das ist aufwändig und teuer. Französische Forscher von der Universitätsklinik Rennes untersuchten, ob als Tablette eingenommenes Kortison ebenso wirksam ist. Ihre Studie erschien im Fachblatt Lancet.
| Wie es zu einem Hörsturz kommt, ist nach wie vor noch ungeklärt. Einer These zufolge könnten Entzündungen eine Rolle spielen. Daher werden Patienten oft mit Kortison behandelt. Helfen tut das nicht, zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Experten des IGeL-Monitors.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Regelschmerzen sind für viele Frauen bis zu einem gewissen Punkt normal. Werden sie jedoch unerträglich, kann eine Endometriose dahinterstecken, eine chronische Erkrankung, die zur Unfruchtbarkeit führen kann. Die Diagnose ist schwierig, und auch die Therapie kann kompliziert sein.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) überprüfte anhand von Blut- und Urinproben die Versorgung der Deutschen mit Vitamin D, Folat, Natrium, Kalium und Jod. Ergebnis: Deutschen mangelt es an Vitamin D.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.