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Studie prüft Medikament gegen Long-Covid

Donnerstag, 17. März 2022 – Autor:
Vier erfolgreiche Heilversuche machen Hoffnung auf eine wirksame Behandlung für Menschen mit Long-Covid. Der Wirkstoff BC 007 wird nun in einer klinischen Phase II-a-Studie an weiteren Betroffenen untersucht. Er ist gegen bestimmte Autoantikörper gerichtet.
Hoffnung aus dem Tropf: Ein Wirkstoff soll Long-Covid-Symptome lindern

Hoffnung aus dem Tropf: Ein Wirkstoff soll Long-Covid-Symptome lindern – Foto: © Adobe Stock/ Halfpoint

Erschöpfung, Gedächtnisstörungen, Gleichgewichtsstörungen, anhaltender Geschmacksverlust, erhöhter Blutdruck – Long-Covid ist ein komplexes Leiden, das viele nach überstandener Corona-Infektion noch lange quält. Das Frustrierende ist, dass es bisher kaum Behandlungsmöglichkeiten für diese Langzeitfolgen gibt.

Wirkstoff hemmt offenbar Autoimmunreaktion

Nun berichten Augenärzte der Universität Erlangen-Nürnberg von vier erfolgreichen Heilversuchen mit einem Medikament, das ursprünglich für Patienten mit einer schweren Herzerkrankung entwickelt wurde. Der Wirkstoff heißt BC 007 und neutralisiert schädliche Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren. Diese Autoantikörper beeinträchtigen unter anderem die Durchblutung des Auges und finden sich auch bei Glaukom-Patienten. Dass diese Autoantikörper auch bei Long-Covid eine Rolle spielen könnten, legen die vier Fallberichte des Uniklinikums nahe.

 

Long-Covid-Symptome nach einer Infusion verschwunden

Das Ärzteteam um Bettina Hohberger setzte das Mittel im Sommer 2021 erstmals bei einem 59-jährigen Glaukom-Patienten ein, der gleichzeitig an gravierenden Long-Covid-Symptomen litt. Schon kurz nach der Infusion sollen sich die Symptome gebessert haben. „Der Patient erholte sich, die Konzentrationsstörungen schwanden, die Leistungsfähigkeit stieg an und der Geschmacksinn kehrte zurück“, berichten in die Ärzte in einer Medienmitteilung. Zugleich habe sich die Durchblutung der Kapillaren deutlich verbessert und auch Autoantikörper seien nach der Behandlung nicht mehr nachweisbar gewesen.

Drei weitere Heilversuche verliefen dem Bericht nach ebenfalls erfolgreich. In einem Fall war eine 39-jährige Grundschullehrerin von massiven neurologischen Störungen betroffen. Dazu gehörten neben Abgeschlagenheit, Gleichgewichts-, Koordinations-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen auch zeitweise Lähmungserscheinungen in einer Hand und in einem Fuß. Durch die Behandlung mit BC 007 hätten sich ihre Beschwerden deutlich gebessert, heißt es.

reCOVer Studie untersucht das Präparat an weiteren Patienten

Aufgrund dieser vielversprechenden Ergebnisse wird nun im Rahmen der reCOVer Studie untersucht, ob und dank welcher Mechanismen BC 007 den Long-Covid-Patienten helfen kann. Neben BC 007 werden hier weitere Therapieansätze gegen Long-Covid getestet Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Studie mit 1,2 Millionen Euro.

Bevor Long-Covid Patienten eines der Studienmedikamente bekommen, müssen sie zahlreiche Untersuchungen durchlaufen, darunter eine OCT-Angiographie, eine Herzechographie, ein Lungenfunktionstest und ein EKG. Zudem werden die Aktivität der T-Zellen und die Autoantikörper bestimmt. Lassen sich Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren nachweisen, dann kann eine Behandlung mit BC 007 erfolgen. Denn dann ist von einer viral induzierten Autoimmunreaktion auszugehen. Die Diagnostik entscheidet letztlich über den Behandlungsweg.

Nach Daten der Gutenberg COVID-19 Studie sind etwa 40 Prozent nach einer Covid-Infektion von Langzeitfolgen betroffen. Etwa jede dritte Person konnte die ursprüngliche Leistungsfähigkeit nicht wieder erlangen.

Hauptkategorien: Corona , Medizin
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