. Berlin

So sollen Flüchtlinge für Pflegeberufe begeistert werden

Vivantes und Charité bieten Flüchtlingen seit Dezember eine Berufsorientierung mit Sprachkurs an. Im April startet der zweite SpraBo-Kurs für weitere 20 Interessierte. Die Hoffnung ist, zukünftige Pflegekräfte zu gewinnen.
Deutsch lernen und das Gesundheitssystem kennenlernen: Im SpraBo-Projekt von Vivantes und Charité bekommen Flüchtlinge eine Perspektive

Deutsch lernen und das Gesundheitssystem kennenlernen: Im SpraBo-Projekt von Vivantes und Charité bekommen Flüchtlinge eine Perspektive

Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Irak und anderen Krisenländern: Die 22 Flüchtlinge aus dem SpraBo-Kurs. In dem Pilotprojekt von Charité, Vivantes und des IQ Landesnetzwerks gibt es einen Deutschkurs (Spra) plus Berufsorientierung (Bo). Ein halbes Jahr werden die Teilnehmer mit dem Pflegealltag im Krankenhaus vertraut gemacht und büffeln nebenbei Vokabeln. Betreut werden sie von Pflegepädagoginnen und –pädagogen des Institutes für berufliche Bildung im Gesundheitswesen (IbBG) von Vivantes und der Charité Gesundheitsakademie. Ziel des Vorhabens ist es, Geflüchteten eine berufliche Qualifizierung zu ermöglichen und damit ihren Zugang zum Arbeitsmarkt nachhaltig zu verbessern.

Lernen über die Pflege in Deutschland

Pflege? Das ist in vielen Herkunftsländern Familiensache. Einmal, weil es dort noch die klassischen Familienstrukturen gibt, aber auch weil Pflege eine sehr intime Sache ist. So müssen auch die 22 Teilnehmer des im Dezember gestarteten Kurses erst lernen, dass in Deutschland Frauen fremde Männer anfassen und dabei kurzärmlige Kleidung tragen. Bisher war das offenbar kein Problem. Momentan sieht es danach aus, als sei das Projekt eine win-win-Situation für alle. Bei jungen Menschen wird das Interesse für einen Pflegeberuf geweckt und auch Berlin mit seinen vielen offenen Pflegestellen profitiert davon. „Es liegt im Interesse Berlins, Zugewanderten eine Perspektive aufzuzeigen und die Gesundheitsbranche bietet viele zukunftssichere Beschäftigungsmöglichkeiten“, sagte Andreas Germershausen, Beauftragter des Berliner Senats für Integration und Migration.

 

Deutsch lernen für die Weiterqualifizierung

Teilnehmer von SpraBo haben in der Regel so geringe Deutschkenntnisse, dass sie noch keine Ausbildung machen können. Genau darum sollen sie sprachlich so fit gemacht werden, dass sie mal eine richtige Schulbank drücken können. Voraussetzung ist natürlich, dass sich die jungen Menschen für einen Gesundheitsberuf begeistern. Dann haben sie auf dem Arbeitsmarkt alle Chancen. Bundesweit fehlen allein in Krankenhäusern bis zu 10.000 Pflegekräfte – Tendenz steigend.

Im April startet der zweite SpraBo-Kurs für weitere 20 Interessierte. Bis Ende 2018 sind insgesamt vier SpraBo-Kurse geplant. Die Finanzierung in Höhe von rund 600.000 Euro erfolgt über das IQ Landesnetzwerk Berlin, das sich für eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund einsetzt.

© Daniel Ernst - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Flüchtlinge , Vivantes , Charité
 

Weitere Nachrichten zum Thema Flüchtlinge

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Wie genau sich das Coronavirus SARS-CoV-2 über Aerosole in Innenräumen ausbreitet, ist immer noch nicht genau erforscht. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass auch die Luftfeuchtigkeit eine Rolle spielen könnte. Das könnte vor allem im kommenden Winter zu Problemen führen.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.