Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

So sollen Flüchtlinge für Pflegeberufe begeistert werden

Sonntag, 12. März 2017 – Autor:
Vivantes und Charité bieten Flüchtlingen seit Dezember eine Berufsorientierung mit Sprachkurs an. Im April startet der zweite SpraBo-Kurs für weitere 20 Interessierte. Die Hoffnung ist, zukünftige Pflegekräfte zu gewinnen.
Deutsch lernen und das Gesundheitssystem kennenlernen: Im SpraBo-Projekt von Vivantes und Charité bekommen Flüchtlinge eine Perspektive

Deutsch lernen und das Gesundheitssystem kennenlernen: Im SpraBo-Projekt von Vivantes und Charité bekommen Flüchtlinge eine Perspektive – Foto: Daniel Ernst - Fotolia

Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Irak und anderen Krisenländern: Die 22 Flüchtlinge aus dem SpraBo-Kurs. In dem Pilotprojekt von Charité, Vivantes und des IQ Landesnetzwerks gibt es einen Deutschkurs (Spra) plus Berufsorientierung (Bo). Ein halbes Jahr werden die Teilnehmer mit dem Pflegealltag im Krankenhaus vertraut gemacht und büffeln nebenbei Vokabeln. Betreut werden sie von Pflegepädagoginnen und –pädagogen des Institutes für berufliche Bildung im Gesundheitswesen (IbBG) von Vivantes und der Charité Gesundheitsakademie. Ziel des Vorhabens ist es, Geflüchteten eine berufliche Qualifizierung zu ermöglichen und damit ihren Zugang zum Arbeitsmarkt nachhaltig zu verbessern.

Lernen über die Pflege in Deutschland

Pflege? Das ist in vielen Herkunftsländern Familiensache. Einmal, weil es dort noch die klassischen Familienstrukturen gibt, aber auch weil Pflege eine sehr intime Sache ist. So müssen auch die 22 Teilnehmer des im Dezember gestarteten Kurses erst lernen, dass in Deutschland Frauen fremde Männer anfassen und dabei kurzärmlige Kleidung tragen. Bisher war das offenbar kein Problem. Momentan sieht es danach aus, als sei das Projekt eine win-win-Situation für alle. Bei jungen Menschen wird das Interesse für einen Pflegeberuf geweckt und auch Berlin mit seinen vielen offenen Pflegestellen profitiert davon. „Es liegt im Interesse Berlins, Zugewanderten eine Perspektive aufzuzeigen und die Gesundheitsbranche bietet viele zukunftssichere Beschäftigungsmöglichkeiten“, sagte Andreas Germershausen, Beauftragter des Berliner Senats für Integration und Migration.

 

Deutsch lernen für die Weiterqualifizierung

Teilnehmer von SpraBo haben in der Regel so geringe Deutschkenntnisse, dass sie noch keine Ausbildung machen können. Genau darum sollen sie sprachlich so fit gemacht werden, dass sie mal eine richtige Schulbank drücken können. Voraussetzung ist natürlich, dass sich die jungen Menschen für einen Gesundheitsberuf begeistern. Dann haben sie auf dem Arbeitsmarkt alle Chancen. Bundesweit fehlen allein in Krankenhäusern bis zu 10.000 Pflegekräfte – Tendenz steigend.

Im April startet der zweite SpraBo-Kurs für weitere 20 Interessierte. Bis Ende 2018 sind insgesamt vier SpraBo-Kurse geplant. Die Finanzierung in Höhe von rund 600.000 Euro erfolgt über das IQ Landesnetzwerk Berlin, das sich für eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund einsetzt.

© Daniel Ernst - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Flüchtlinge , Vivantes , Charité
 

Weitere Nachrichten zum Thema Flüchtlinge

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Wenn Angehörige wegen einer akuten oder chronischen Krankheit in den eigenen vier Wänden gepflegt werden müssen, übernehmen das meist Frauen. Nur wenige Männer nutzen die „Familienpflegezeit“ – auch, weil das (noch) mit finanziellen Risiken verbunden ist.


 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin