Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

So resilient sind Hundertjährige

Sonntag, 31. Juli 2022 – Autor:
Topfit sind sie nicht, aber in der Regel zufrieden und selten depressiv. Das berichten Alternsforscher mit Blick auf mehrere Hundertjährigen-Studien. Laut den Studienautoren zeigen die Hochbetagten ein enormes Maß an Resilienz – trotz vieler Gebrechen.
Studien zufolge besitzen 100-jährige eine hohe Resilienz

Studien zufolge besitzen 100-jährige eine hohe Resilienz – Foto: © Adobe Stock/ pikselstock

Immer mehr Menschen in Deutschland und anderen Industrienationen erleben ihren 100. Geburtstag. Wie es dieser wachsenden Gruppe Hochaltriger geht, untersucht die Professorin Daniela Jopp. Die Psychologin an der Universität Lausanne hat bereits Hundertjährigen-Studien in Deutschland und in den USA durchgeführt und betreut aktuell eine Studie in der Schweiz, die auch in den Blick nimmt, wie sehr alte Menschen die Pandemie erlebt haben. „Mit diesen Studien möchten wir auch zeigen, wie unterschiedlich 100-jährige Leben sind und welche kulturellen und gesellschaftlichen Aspekte zu einem hohen Alter beitragen, um so eine realistischere und positive Perspektive zu ermöglichen“, sagt Jopp.

Viele Gebrechen

Aus den Hundertjährigen-Studien geht scheinbar Widersprüchliches hervor: So sehen sich Menschen, die 100 Jahre oder älter sind, einerseits konfrontiert mit vielen gesundheitlichen Problemen, sozialen Verlusten und oft auch kognitiven Einschränkungen. Andererseits haben sie meist ein erstaunlich hohes Niveau an Lebenszufriedenheit und sind eher selten depressiv.

Die zweite Heidelberger Hundertjährigen-Studie zeigt zum Beispiel, dass 94 Prozent dieser sehr alten Menschen Seh- und/oder Hörprobleme haben, 72 Prozent Mobilitätserkrankungen und 60 Prozent muskuloskelettale Erkrankungen. Die Studie wurde 2011 und 2012 durchgeführt. Im Vergleich zur ersten Heidelberger Studie aus den Jahren 2001 und 2002 zeigt sich jedoch, dass die Probanden zunehmend selbstständig werden - trotz der gesundheitlichen Einschränkungen.

 

Hohe Lebenszufriedenheit

Erstaunlich ist die hohe Lebenszufriedenheit: Während die Fordham-Studie aus New York zum Beispiel gezeigt hat, dass Hundertjährige relativ selten Depressionen haben, geben in der zweiten Heidelberger Studie mehr als 80 Prozent der Hundertjährigen an, dass sie zufrieden mit ihrem Leben seien. Die Lebenszufriedenheit ist dabei im Vergleich mit der Gruppe der 80- bis 95-jährigen Menschen sogar höher. Die aktuelle Schweizer Hundertjährigen-Studie bescheinigt den hochbetagten Menschen ebenfalls eine hohe Resilienz.

Optimistischer als die 80-Jährigen

Ein sehr hohes Alter und Lebensqualität schließe sich nicht aus meint, Psychologin Jopp : „Ja, das geht sehr wohl!“.  Aber was ist das Geheimnis, weshalb Hundertjährige trotz ihrer oft widrigen Umstände so positiv durchs Leben gehen? „Ältere Menschen setzen eher auf kognitive Strategien, mit denen sie ein Problem umbewerten. Sie konzentrieren sich nicht auf ihren Gesundheitszustand, sondern eher darauf, dass sie am Leben sind – und schätzen dies.“ So haben Studien zum Beispiel auch ergeben, dass Hundertjährige optimistischer sind als die Gruppe 80- bis 95-Jährigen.

Hauptkategorie: Demografischer Wandel
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alter , Demografie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hochbetagte

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Lockdowns 2020 sorgten dafür, dass sich die Menge an gesundheits- und klimaschädlichem Ruß in der Atmosphäre fast halbierte. Das zeigt eine Studie von sechs deutschen Universitäten und Instituten, die dafür ein Messflugzeug in die Luft über Europa schickten.

Das Herz erwachsener Säugetiere kann kaum neue Herzmuskelzellen bilden. Mit dem Alter sinkt die Regenerationsfähigkeit weiter, die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Jetzt konnten Forscher nachweisen, dass sich mit Sport gegensteuern lässt.

Manche Menschen stecken sich einfach nicht mit dem Coronavirus an. Haben sie nur Glück oder gibt es tatsächlich so etwas wie eine Corona-Resistenz? Genforscher sind inzwischen überzeugt: Es gibt wohl angeborene Schutzmechanismen gegen das Coronavirus.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin