Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
24.06.2015

So gelingt das Gespräch zwischen Arzt und Patient

Jeder Diagnose und Behandlung geht ein Gespräch zwischen Arzt und Patient voraus. Allerdings weiß jeder, wie gründlich so ein Gespräch schief gehen kann. Dabei gibt es ganz einfache Tipps für eine gelungene Kommunikation, und zwar für beide Seiten.
Kommunikationstrainings für Ärzte, Tipps für Patienten: Beide Seiten können etwas tun, damit das Arzt-Patienten-Gespräch klappt

Kommunikationstrainings für Ärzte, Tipps für Patienten: Beide Seiten können etwas tun, damit das Arzt-Patienten-Gespräch klappt

Fragt man Patienten, was sie unter ärztlichen Qualitäten verstehen, dann steht die Kommunikation an erster Stelle. Aber ausgerechnet das haben die allermeisten Ärzte in ihrem Medizinstudium nie gelernt. Kein Wunder, dass es vielen Ärzten schwerfällt, ihr Fachchinesisch in eine patientenfreundliche Sprache zu übersetzen. Chronischer Zeitdruck begünstigt außerdem die Tendenz, Patienten schon nach kurzer Zeit zu unterbrechen, ganz zu schweigen, dass das Zuhören auf der Strecke bleibt. Patienten fühlen sich deshalb oft unverstanden und verlassen das Sprechzimmer mehr oder weniger frustriert. Schlimmstenfalls leidet sogar die Behandlung darunter.

Dran bleiben, bis alles klar ist

Doch Patienten müssen den Erfolg eines Gesprächs beim Arzt nicht dem Zufall überlassen. Die Initiative „Ich beim Arzt“ gibt zum Beispiel fünf ganz praktische Tipps, wie die Kommunikation im Sprechzimmer gelingen kann. Neben einer guten Vorbereitung auf das Gespräch, wobei sich die Patienten alles, was ihnen wichtig ist, vorher notieren sollten, rät die Initiative auch zu etwas Mut: "Trauen Sie sich alles zu sagen, was Ihnen relevant erscheint, und trauen Sie sich unmittelbar nachzuhaken, wenn Ihnen etwas unklar ist", heißt es auf der Internetseite der Initiative. Weiter sollten sich Patienten während des Gesprächs Notizen machen, etwa wenn es um die Einnahme von Tabletten geht oder die nächsten Behandlungsschritte. Denn viele Informationen gehen bereits auf dem Nachhausweg verloren. Last but not least sollte jedes gelungene Gespräch für den Patienten mit einem „Alles klar!“ enden. Andernfalls: „Dran bleiben, bis alles klar ist“, so der Expertenrat.

 

Die Initiative „Ich beim Arzt“ wächst

„Wir können Patienten nur ermuntern, diese fünf einfachen Tipps zu beherzigen“, sagte Christina Claußen, Kommunikationsexpertin von Pfizer beim 19. Patienten-Dialog am 18. Juni in Berlin. Denn ein gelungenes Arzt-Gespräch sei ein wichtiger Schlüssel für den Behandlungserfolg. Pfizer hatte die Initiative vor einem Jahr zusammen mit Patientenorganisationen gegründet. Heute haben sich 18 Partner angeschlossen, darunter die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und der Deutsche Verband für Pflegeberufe. „Die Initiative Ich beim Arzt steht allen Organisationen offen, die sich eine bessere Arzt-Patienten-Kommunikation auf die Fahnen geschrieben haben“, betonte Claußen vor rund 100 Vertretern von Patientenorganisationen. Das Angebot sei für die Partner kostenlos und ohne weiteren Zeitaufwand, außer dass sie selbst zum Beispiel mit Aufklärungsbroschüren auf dem Gebiet aktiv sein müssten.

Breaking bad news – Kommunikationstrainings für Ärzte

Dass sich der Initiative mehr und mehr Organisationen anschließen, zeigt, dass das „Kommunikationsproblem“ gesellschaftsfähig geworden ist. Mittlerweile werden mancherorts schon während des Medizinstudiums Kommunikationstrainings angeboten, etwa an der Universitätsklinik Heidelberg oder an der Berliner Charité. Und für bereits praktizierende Ärzte häufen sich entsprechende Fortbildungsprogramme. Eines davon wird von Dr. Christine Klapp, Oberärztin an der Frauenklinik der Charité, geleitet. Die Frauenärztin hat sich im Nebenberuf auf Kommunikationstrainings für Ärzte spezialisiert, neuerdings in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Berlin. Unter der Überschrift „Breaking bad news“ bringt sie ihren Kollegen bei, wie diese ihren Patienten schlechte Nachrichten behutsam überbringen sollten. Trainiert wird vor versammelter Mannschaft, so dass eine Rückmeldung unmittelbar gegeben ist.

„Auch Ärzte haben Sorgen, etwa dass sie den Patienten keine Hoffnung mehr machen können oder selbst von deren Emotionen überwältigt werden“, berichtete die Gastrednerin beim 19. Pfizer-Patienten-Dialog. Ihr Rezept dagegen folgt ähnlich wie der Patientenratgeber einem Sechs-Punkte-Plan. Auch hier haben die gute Vorbereitung auf das Gespräch und die verständliche Informationsvermittlung Priorität. Laut Kommunikationstrainerin Klapp sollten Ärzte darüber hinaus für eine angenehme Gesprächsatmosphäre sorgen, die Emotionen ihrer Patienten thematisieren und immer wieder offene Fragen stellen. Zuhören sei ebenso selbstverständlich wie den Patienten wahrzunehmen. Abschließend sollte der Arzt das Gespräch noch einmal zusammenfassen. „So eine Struktur ist wichtig“, sagte Klapp. „Schließlich wollen auch wir Ärzte mit einem guten Gefühl nachhause gehen.“

Foto: © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ärzte , Patientengespräch , Patientenzufriedenheit
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kommunikation

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Saubere Hände sind nicht nur in der Corona-Pandemie wichtig. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich mit gründlicher Händehygiene vermeiden: Erkältungen, Magen-Darm-Probleme – und sogar Wurm-Erkrankungen. Mit kreativen Ideen kann man Kinder dazu motivieren, dass Hände waschen für sie in bestimmten Situationen des Alltags zum festen Ritual wird.

Seit August ist bekannt, dass die Impfquote in Deutschland höher ist als dem Robert Koch Institut gemeldet. Nun rechtfertigt das RKI die Untererfassung, die nach neusten Schätzungen fünf Prozentpunkte beträgt. Das Digitale Impfquotenmonitoring sei als Mindestimpfquote zu verstehen.
 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin