Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
09.01.2020

So gefährlich ist das Bornavirus für den Menschen

Das Bornavirus kann auch den Menschen befallen und hat bereits zu einigen Todesfällen in Deutschland geführt. Besonders betroffen ist Bayern. Am 1. März wird nun bundesweit eine Meldepflicht für die gefährliche Infektionskrankheit eingeführt.
Die Feldspitzmaus ist das Reservoir für das gefährliche Bornavirus, das beim Menschen zu einer tödlichen Hirnentzündung führen kann

Die Feldspitzmaus ist das Reservoir für das gefährliche Bornavirus, das beim Menschen zu einer tödlichen Hirnentzündung führen kann

Eine Infektion mit dem Bornavirus ist sehr gefährlich für den Menschen. Die Erkrankung führt zu einer Hirnentzündung (Enzephalitis), die sich zunächst durch Fieber, starke Kopfschmerzen und schwerwiegende neurologische Symptome wie Sprach- und Gangstörungen äußert. Betroffene fallen innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen ins Koma, ein Großteil verstirbt.

Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts und der Universität Regensburg haben nun im Rahmen einer Studie die Fälle in Deutschland analysiert. Danach wurden zwischen 1996 und 2019 14 Fälle in Bayern festgestellt. Der jüngste bekannte Fall trat Ende 2019 auf. Die Wissenschaftler gehen jedoch von einer Dunkelziffer aus. Es sei unklar, ob es weitere bislang nicht diagnostizierte Fälle gebe, berichten die Studienautoren im Fachmagazin „The Lancet Infectious Diseases“. (The Lancet Infectious Diseases: Zoonotic spillover infections with Borna disease virus 1 leading to fatal human encephalitis, 1999–2019: an epidemiological investigation).

Infektion mit hoher Todesrate

Die absolute Zahl der Infektionen und damit die Gefahr, sich anzustecken, sei jedoch als sehr gering einzuschätzen und ein Anstieg der Fallzahlen in den vergangenen Jahren nicht zu erkennen. Aber: Die Daten zeigten, dass eine sich bei dem Borna Disease Virus (BoDV-1) um ein Virus mit einer sehr hohen Todesrate handle, so die Wissenschaftler weiter.

Erst 2018 wurde nachgewiesen, dass das Virus BoDV-1 eine Ursache für schwere Hirnentzündungen beim Menschen ist. Zuvor war die Borna’sche Krankheit vor allem von Pferden und Schafen bekannt. Ansteckungsquelle ist die heimische Feldspitzmaus. Die Autoren gehen davon aus, dass sich die erkrankten Menschen durch Kontakt mit dem Nagetier oder dessen Ausscheidungen infiziert haben. Der genaue Übertragungsweg ist jedoch noch unbekannt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch, von Pferd zu Pferd oder von Pferd zu Mensch wird nach den heutigen Erkenntnissen ausgeschlossen. Nach der Studie gehören vor allem Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie Teile angrenzender Bundesländer zu den Zu den Risikogebieten in Deutschland.

 

Bornavirus-Infektion wird meldepflichtig

Zum 1. März 2020 tritt nun bundesweit eine Meldepflicht in Kraft. Ziel ist es, eine bessere Datenlage zum Vorkommen der Infektion beim Menschen zu bekommen. „Wichtig ist, dass gerade Fälle von unklarer Enzephalitis in Gebieten, in denen BoDV-1 vorkommt, auf das Virus untersucht werden“, sagt Prof. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am Friedrich-Löffler-Institut.

Parallel werden die Erkrankung, die Übertragungswege und mögliche Behandlungsoptionen im Rahmen des Projekts „Borna-Fokus-Bayern“ vom Konsortium „ZooBoCo“ erforscht. Das Konsortium wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Bornavirus

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.


Wer spät am Abend viel und Schweres isst, schläft schlecht – und umgekehrt. Das ist bekannt. Eine Studie aus den USA an über 400 Frauen zeigt jetzt: Nicht nur der Zeitpunkt des Essens ist entscheidend, sondern auch die grundsätzliche Auswahl. Wer sich also konsequent gesund ernährt, kann dauerhaft leichter ein- und besser durchschlafen.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin