. Studie

So beugt Yoga Entzündungen vor

Yoga, Meditation, Qigong und andere Verfahren der Mind-Body-Medizin haben einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit. Eine Analyse von 18 Studien zeigt nun tatsächlich Veränderungen in der Genaktivität auf. Dies betrifft vor allem die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen.
Yoga & Co reduzieren Entzündungsbotenstoffe und aktivieren das Immunsystem

Yoga & Co reduzieren Entzündungsbotenstoffe und aktivieren das Immunsystem

Es gibt viele Theorien, warum sich Yoga, Meditation, Tai Chi, Qigong und anderen Verfahren der Mind-Body-Medizin positive auf unsere Psyche und Gesundheit auswirken. Eine Theorie geht zum Beispiel von neurologischen Veränderungen im Gehirn bzw. der grauen Substanz aus. Wissenschaftler der Coventry University aus England halten diesen Ansatz jedoch für zu kurz gegriffen, zumal die besagt Theorie immer wieder in Zweifel gezogen wird.

Ihre Hypothese, dass es zu einer veränderten Genexpression unter den Entspannungstechniken kommt, haben sie nun mit einer Analyse von 18 entsprechenden Studien untermauert. Die Ergebnisse legen nahe, dass der Körper weniger Entzündungsbotenstoffe ausschüttet, da entsprechende Gen ausgebremst werden. Dagegen werden andere Gene, die den Stoffwechsel und das Immunsystem anregen, vermehrt aktiviert.

Gegenteil von chronischem Stress

„Wir haben es hier mit einem Phänomen zu tun, dass man als gegenteiligen Effekt von chronischem Stress bezeichnen könnte“, sagt Studienautor Ivana Buric vom Zentrum für Psychologie der Universität Coventry. „Folglich könnten Verfahren der Mind-Body-Medizin das Risiko für Erkrankungen reduzieren, die auf Entzündungsprozesse zurückzuführen sind.“

Es ist bekannt, dass chronischer Stress zu einem hohen Pegel an Stresshormonen und Entzündungsbotenstoffen führt. Wie die Forscher berichten wird ein bestimmtes Molekül dabei aktiv, der Nuclear factor (NF) kappa B. Das Molekül reguliert eine Vielzahl von Genen und spielt auch bei einigen Krebserkrankungen eine große Rolle.

Praktizieren Menschen häufig Entspannungstechniken wie Yoga, wird NF kappa B herunterreguliert, so ein zentrales Ergebnis der jetzt im Fachmagazin „Frontiers in Immunology“ publizierten Studie. Die Forscher fanden aber noch weitere Veränderungen in der Genexpression. Durch die microarray Analyse von 12.000 Genen fanden sie bei Qigong-Anwendern 132 runter- und 116 hochregulierte Gene.

 

Genexpression verändert sich

„Millionen Menschen nutzen die Mind-Body-Medizin, um sich besser zu fühlen“, sagt Buric. „Was sie möglicherweise nicht wissen, ist, dass diese Effekte auf der molekularen Ebene beginnen und die Aktivität des genetischen Codes ändern können."

Die Erkenntnisse unterstützen also den antientzündlichen Effekt von Yoga & Co. Die Forscher räumen allerdings ein, dass bislang nichts darüber bekannt ist, ob die Mind-Body-Medizin anderen Verfahren überlegen ist.

Entzündungen spielen bei vielen Krankheiten eine Rolle. Krebs zum Beispiel. So kann eine chronische Entzündung mit humanen Papillomviren (HPV) zu Gebärmutterhalskrebs, Tumoren im Mund- und Rachenbereich führen oder Infektionen mit Heliobacter zu Magenkrebs.

Foto: © ulza - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Entspannungstechniken , Prävention
 

Weitere Nachrichten zum Thema Mind-Body-Medizin

| Kneipp klingt nach Heilbädern aus vergangenen Zeiten. Doch die Lehre von Sebastian Kneipp ist heute aktueller denn je. Selbst in der Universitätsmedizin hat sie einen festen Platz.
| Was bringt Yoga für die Gesundheit? Studien kommen bei dieser Frage zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass Yoga insbesondere auf das Nervensystem, die Beweglichkeit und den Blutdruck positive Effekte haben kann.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee, über die heilende Wirkung der Mind-Body-Medizin, erstaunliche Forschungsergebnisse und den Imagewandel der Naturheilkunde.
 
. Weitere Nachrichten
Nach dem Wunsch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sollen flächendecke Fieber-Ambulanzen die Praxen entlasten, wenn die Corona-Infektionen in den Wintermonaten wieder zunehmen werden. Kinder- und Jugendärzte halten diese Idee für schädlich.
Im Vorfeld des World Health Summit sprechen Christian Drosten und Detlev Ganten über das Coronavirus im Speziellen und die globale Ausbreitung im Allgemeinen. Für den Virologen steht fest: Deutschland hat nichts besser gemacht als andere Länder. Und: Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.