. Altersmedizin

Schwindel im Alter häufig unbehandelt

Schwindel ist nicht nur sehr unangenehm, sondern kann gerade im Alter auch zu Stürzen mit all ihren Folgen führen. Doch der sogenannte Altersschwindel bleibt häufig unbehandelt. Dabei gibt es effektive Methoden zur Bekämpfung.
Schwindel im Alter

Schwindel tritt im Alter besonders häufig auf.

Schwindel gehört zu den häufigsten Beschwerden im Alter und kann die Lebensqualität stark einschränken. Zudem führt er häufig zu Stürzen. Die Ursachen für Schwindel können vielfältig sein und reichen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Erkrankungen des Innenohrs bis zu Durchblutungsstörungen. Und nicht immer lassen sich die zu Grunde liegenden Krankheiten genau identifizieren. Dennoch ist die Diagnosestellung heute sehr viel besser als noch vor einigen Jahren, wie Professor Leif Erik Walther, Geschäftsführer der Deutschen Fortbildungsgesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenärzte, betont.

Stürze im Alter häufig die Folge von Schwindel

Stürze und deren Folgen stellen ein gravierendes Problem im medizinischen Alltag von HNO-Praxen dar, erklärt Walther weiter. Die demografische Entwicklung verschärfe das Problem. „Etwa ein Drittel der 65-Jährigen sowie die Hälfte der 80-Jährigen und Älteren stürzen jährlich mindestens einmal“, vermutet der Experte. Gravierende Komplikationen können die Folge sein. So sind häufig chirurgische Eingriffe auf Grund von Knochenbrüchen nötig und oft folgt eine dauerhafte Pflegbedürftigkeit.

Dies könne vermieden werden, wenn es gelinge, die Ursache für die Sturzgefährdung zu klären, diese schnell zu erkennen und einer Behandlung zuzuführen. „Viele mit Stürzen und Schwindel assoziierte Erkrankungen finden sich im HNO-Bereich. Daher ist der HNO-Arzt mit seinen fachspezifischen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten neben dem Hausarzt erste Anlaufstelle im ambulanten Bereich“, so Walther. Chronische Schwindelerkrankungen ließen sich heute mit moderner Diagnostik schnell erkennen und effektiv behandeln.

Schwindel ist behandelbar

Zu den Behandlungsmethoden bei Schwindel gehören beispielsweise strukturierte Trainingsprogramme. Diese würden jedoch im fachärztlichen Bereich vom Gesundheitssystem nicht honoriert. „Die Gesetzlichen Krankenkassen zahlen dafür nichts“, kritisiert der HNO-Spezialist. Auch gebe es in Deutschland keine interdisziplinären Konzepte, bemängelt Walther. So führe auch die häufigste Schwindelerkrankung im Alter, der gutartige Lagerungsschwindel, unbehandelt zu Gangstörungen und Stürzen. „Eine Honorierung dieser Erkrankung im ambulanten Bereich findet nach wie vor nicht statt. Dabei kann diese Krankheit zügig behandelt werden.“

Schwindel sollte also nicht einfach als „normale“ Erscheinung des Alters hingenommen werden. „Der Altersschwindel lässt sich soweit beeinflussen, dass die aktive Teilnahme am Leben weiterhin möglich ist“, erklärt auch Professor Arneborg Ernst, Direktor der HNO-Klinik am Unfallkrankenhaus Berlin. Grundsätzlich gilt, dass Bewegung und spezielles Training den Schwindel bessern, während Bettruhe und Schonung ihn eher verschlimmern. Da das Gleichgewicht stark vom Sehvermögen abhängt, sollten Sehkraft und Brillenstärke regelmäßig überprüft und entsprechend angepasst werden. Schließlich können bei altersbedingt nachlassender Leistungsfähigkeit der Nervenzellen und Durchblutungsstörungen auch gingkohaltige Arzneimittel helfen, so Ernst.

Broschüre zum Thema Altersschwindel

Die Deutsche Seniorenliga hat zum Thema Schwindel die Broschüre „Wenn sich alles dreht – Schwindel im Alter“ herausgegeben. Sie zeigt Maßnahmen auf, um Stürze durch akute Schwindelattacken oder eine dauerhafte Gangunsicherheit zu vermeiden. Zudem informiert sie, welche Ursachen hinter dem Schwindel stecken und vor allem, wie die Symptome behandelt werden können, und gibt Anleitungen zu einfachen Übungen gegen den Schwindel.

Foto: © Konstantin Sutyagin - Fotolia.com

Autor: red

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