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20.01.2015

Schweizer setzen auf Kortison bei Lungenentzündung

Kortison lässt Krankenhauspatienten mit Lungenentzündung schneller gesunden. Das fand ein Schweizer Forschungsnetzwerk in einer Langzeitstudie heraus. Die Wissenschaftler prophezeien Kosteneinsparungen in Millionenhöhe.
Schweizer setzen auf Kortison bei Lungenentzündung

Lungenentzündungen sind mit Kortison schneller heilbar. Eine neue Studie gibt Gewissheit und zeigt Sparpotenziale auf

Zur Standardtherapie einer Lungenentzündung gehören bislang vor allem Antibiotika. Neuerdings könnte auch Kortison dazukommen. Denn laut einer Studie aus der Schweiz erholen sich Patienten mit einer Kortison-Therapie eineinhalb Tage schneller von einer Lungenentzündung und können somit einen Tag früher aus dem Krankenhaus entlassen werden. Außerdem verkürzt die Gabe von Kortison die intravenöse Antibiotikatherapie um einen Tag. Die Studie wurde am Universitätsspital Basel und an sechs weiteren Schweizer Krankenhäusern über einen Zeitraum von sechs Jahren durchgeführt. 

Kortison bei Lungenentzündung: Kürzere Erholungszeiten, kaum Nebenwirkungen

In die Studie wurden über 800 Patienten eingeschlossen, die zwischen 2009 und 2014 mit einer Lungenentzündung in eines der beteiligten Kliniken eingeliefert wurden. Alle Patienten erhielten Antibiotika nach Standard. Die eine Hälfte erhielt während sieben Tagen ein Kortisonpräparat, die andere Hälfte ein Placebo. Dabei zeigte sich, dass die Behandlung mit Kortison zu einer Reduktion der Erholungszeit, zu einem kürzeren Spitalaufenthalt sowie zu einer verkürzten intravenösen Antibiotikatherapie geführt hat. Weiter berichten die Ärzte, dass mit Kortison das Risiko einer Verschlechterung der Krankheit reduziert werden konnte. Zu Kortison-typischen Nebenwirkungen sei es nicht gekommen, weil die Therapie mit sieben Tagen extrem kurz war.

Das Ärzteteam um Prof. Mirjam Christ-Crain von der Uni Basel sieht aber noch einen weiteren bedeutsamen Effekt: immense Kostenersparnisse. Allein in der Schweiz könnten jährlich 16 bis 20 Millionen Franken gespart werden, schätzen die Wissenschaftler, wenn in Krankenhäusern bei der Behandlung von Lungenentzündungen konsequent Kortison gegeben würde.

 

Wissenschaftler sehen Kosteneinsparungen in Millionenhöhe

„Das Ergebnis der Studie wird die Behandlung von Lungenentzündungen weltweit verändern, nachhaltig verbessern und zu Kosteneinsparungen in Millionenhöhe führen,“ schreiben die Autoren um Christ-Crain in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Lancet.“ In der Redaktion hat man offenbar die Bedeutung der Ergebnisse erkannt und die Studie im so genannten „Fast Track“-Verfahren publiziert, "weil sie „das Potenzial hat, die klinische Praxis in der Medizin nachhaltig zu beeinflussen und deshalb rasch verbreitet und umgesetzt werden sollte“, hieß es.

Schon seit vielen Jahren wird spekuliert, ob Kortison bei der Behandlung von Lungenentzündungen einen Nutzen bringt. Bisherige Studienergebnisse waren aber kontrovers und ließen keine definitive Schlussfolgerung zu. Die Schweizer konnten nun die Wirksamkeit von Kortison beweisen und hoffen mit ihren Ergebnissen, weltweit Gehör zu finden.

Foto: AOK Mediendienst

Hauptkategorie: Medizin
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