. Alkohol am Steuer

Schon wenig Alkohol verschlechtert die Nachtsicht

Alkohol vernebelt die Sicht – und zwar wörtlich, denn schon geringe Mengen des in alkoholischen Getränken enthaltenen Ethanols stören den natürlichen Tränenfilm des Auges. Dies verschlechtert das Sehvermögen bei Nacht und erhöht die Licht- und Blendempfindlichkeit.
Alkohol verschlechtert Nachtsicht

Alkohol und Autofahren vertragen sich nicht.

3.340 Menschen kamen im Jahr 2013 bei Verkehrsunfällen in Deutschland ums Leben. Verletzt wurden rund 374.000 Personen. Und bei fünf Prozent aller Verkehrsunfälle mit Verletzten ist laut Statistischem Bundesamt Alkohol im Spiel. Häufig finden diese Unfälle abends und am Wochenende statt - meistens, wenn die Fahrer aus der Diskothek oder einer Kneipe kommen und ihre eigene Fahrtüchtigkeit überschätzen. Doch Alkohol schränkt nicht nur Reaktionsgeschwindigkeit und Urteilsvermögen ein: Offenbar ist auch die Sehfähigkeit der Augen direkt betroffen, insbesondere in der Nacht. 

Alkohol erhöht Lichtempfindlichkeit

Um herauszufinden, wie sehr Alkohol die Sicht beeinflusst, testeten Forscher der Universität Granada bei 67 Probanden das Kontrastsehen und die Blendempfindlichkeit vor und nach dem Konsum unterschiedlicher Mengen Alkohol. Alle Teilnehmer schnitten nach dem Alkoholkonsum im Sehtest deutlich schlechter ab als im nüchternen Zustand. Die Erklärung: Das im Alkohol enthaltene Ethanol löst die äußere, leicht fettige Schicht des Tränenfilms auf; dadurch verdunsten die wässrigen Bestandteile der Tränenflüssigkeit.

Die Folge ist, dass ein alkoholisierter Fahrer Kontraste schlechter erkennt und empfindlicher auf Licht reagiert. Dieser Effekt zeigt sich verstärkt ab einer Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille. Aber auch Probanden, deren Werte unterhalb der gesetzlichen Höchstgrenze lagen, sahen Kontraste schlechter und nahmen vermehrt Lichtschleier wahr.„Entscheidend ist, dass Alkohol generell unser Reaktionsvermögen beeinträchtigt“, sagt Professor Bernhard Lachenmayr, Vorsitzender der Verkehrskommission der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft (DOG) aus München. „Dass das Ethanol darüber hinaus das Sehvermögen einschränkt, stützt nur einmal mehr die Empfehlung, sich alkoholisiert gar nicht erst hinter ein Steuer zu setzen.“

DOG plädiert für Null Promille am Steuer

Offenbar verschlechtert sich schon bei geringem Alkoholkonsum und normalen Lichtverhältnissen die Sicht. Allerdings ist dies für die Betroffenen meistens kaum wahrnehmbar. Dies ist besonders gefährlich, weil viele Kneipenbesucher sich noch für fahrtüchtig halten, wenn sie ein bis zwei Gläser Bier getrunken haben. „Demzufolge können schon geringe Mengen Alkohol dazu führen, dass der Fahrer Fußgänger und Straßenschilder zu spät erkennt oder durch die Scheinwerfer entgegenkommender Autos geblendet wird,“ so Lachmeyer. Die DOG rät Autofahrern deshalb, insbesondere vor nächtlichen Fahrten gänzlich auf alkoholische Getränke zu verzichten.

In Deutschland gilt für Kraftfahrzeugfahrer spätestestens ab 1,1 Promille absolute Fahruntüchtigkeit. Allerdings wird bereits ab 0,5 Promille in der Regel ein Fahrverbot ausgeprochen. Schon ab 0,3 Promille gilt die Fahruntüchtigkeit, wenn man augenscheinlich nicht mehr in der Lage ist, ein Fahrzeug zu führen. Seit 1. August 2007 gilt für Fahranfänger in der Probezeit oder vor Vollendung des 21. Lebensjahres ein absolutes Alkoholverbot von 0,0 Promille.

Foto: © trendobjects - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin

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