Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Schon Kita-Kinder können an Depressionen leiden

Sonntag, 27. April 2014 – Autor: Cornelia Wanke
Ist die sorgenfreie Kindheit eine Illusion? Eine Studie von Forschern der Universität Leipzig zeigt, dass bereits eine große Zahl von Kindergartenkindern an Depressionen leidet.

Keine Lust zum Spielen? Auf Dauer ein Anzeichen für eine Depression! – Foto: altanaka - Fotolia

Forscher der Uni Leipzig haben einen gesamten lokalen Kindergartenjahrgang auf Angst- und Depressionssymptome untersucht. Das Ergebnis: Zwölf Prozent der rund 1.840 in die Studie einbezogenen Kinder wiesen Merkmale einer erhöhten Angst und depressiver Verstimmtheit auf. Ohne fachliche Hilfe sei bei ihnen das Risiko, im Erwachsenenalter eine Depression zu erleiden, erhöht, so die Forscher um Prof. Kai von Klitzing, Universitätsdirektor für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters. „Bei aggressiven und hyperaktiven Kindern sollte man genau hinschauen“, so Klitzing, ebenso, „wenn ein Kind dauerhaft traurig ist, nicht spielen will oder lustlos in der Ecke sitzt.“ 

Kinder, deren Eltern an Depressionen leiden, sind ganz besonders gefährdet

Klitzing und seine Kollegen untersuchen schon seit sieben Jahren Depressionen bei Kindern. Vor allem Kinder, deren Eltern selbst unter Depressionen leiden, und Kinder, die Misshandlungen oder Vernachlässigung erleben mussten, haben nach Angaben der Forscher ein erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken. Vielfach sei eine Depression im Kindesalter die Grundlage für eine spätere langwierige Depression – mit schweren Folgen für die Betroffenen aber auch die gesamte Gesellschaft: Jährlich erkranken etwa 300.000 Menschen in Deutschland an einer Depression und sind dann oft über mehrere Wochen arbeitsunfähig. 

 

Eine Kurzzeittherapie beseitigt nicht nur die Symptome, sondern zeigt, welche Probleme dahinter stecken

Von Klitzing will mit seinem Team nach eigenen Angaben „den Weg bereiten für die Früherkennung der Krankheit“. So haben die Forscher eine neue Kurzzeittherapie für Kinder entwickelt, die Depressionen früh entgegen wirken soll. Die Ergebnisse wurden jetzt im „Journal of Child Psychology and Psychiatry“ sowie in der internationalen Fachzeitschrift „Psychotherapy“ veröffentlicht. Die Therapie, die Prof. von Klitzing mit seiner Kollegin, der Diplompsychologin Tanja Göttken, entwickelt und erforscht hat, sieht 25 Therapiesitzungen – davon fünf mit und 20 ohne Eltern – vor. „In den Gesprächen und im Spiel werden unverarbeitete Konflikte der Kinder herausgearbeitet“, heißt es in der Studienbeschreibung. „Es geht nicht darum, einfach die Symptome zu beseitigen, sondern für Kind und Eltern besser verständlich zu machen, welche ungelösten Entwicklungsaufgaben hinter den Symptomen stecken“, erläutert von Klitzing. Kinder fühlten sich schnell schuldig, wenn es in der Familie Probleme gibt. „Tief innerlich empfinden die Kinder, dass es ihnen nicht besser gehen darf als den Eltern.“ In einer ersten Studie mit 30 Kindern hat die Kurzzeittherapie erstaunliche Erfolge gezeigt: Mehr als die Hälfte der Kinder war am Ende völlig „störungsfrei“.  Zwar müssten viele von ihnen über Jahre hinweg gehandelt werden – sie hätten durch die frühe Intervention aber die Chance, „irgendwann ein normales Leben zu führen und sich langfristig gesund zu entwickeln.“

Foto: altanaka - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Depressionen, Kinder, Forschung

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Die Lockdowns 2020 sorgten dafür, dass sich die Menge an gesundheits- und klimaschädlichem Ruß in der Atmosphäre fast halbierte. Das zeigt eine Studie von sechs deutschen Universitäten und Instituten, die dafür ein Messflugzeug in die Luft über Europa schickten.

Das Herz erwachsener Säugetiere kann kaum neue Herzmuskelzellen bilden. Mit dem Alter sinkt die Regenerationsfähigkeit weiter, die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Jetzt konnten Forscher nachweisen, dass sich mit Sport gegensteuern lässt.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin