. Studie der Uni Leipzig zu Depressionen:

Schon Kita-Kinder können an Depressionen leiden

Ist die sorgenfreie Kindheit eine Illusion? Eine Studie von Forschern der Universität Leipzig zeigt, dass bereits eine große Zahl von Kindergartenkindern an Depressionen leidet.

Keine Lust zum Spielen? Auf Dauer ein Anzeichen für eine Depression!

Forscher der Uni Leipzig haben einen gesamten lokalen Kindergartenjahrgang auf Angst- und Depressionssymptome untersucht. Das Ergebnis: Zwölf Prozent der rund 1.840 in die Studie einbezogenen Kinder wiesen Merkmale einer erhöhten Angst und depressiver Verstimmtheit auf. Ohne fachliche Hilfe sei bei ihnen das Risiko, im Erwachsenenalter eine Depression zu erleiden, erhöht, so die Forscher um Prof. Kai von Klitzing, Universitätsdirektor für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters. „Bei aggressiven und hyperaktiven Kindern sollte man genau hinschauen“, so Klitzing, ebenso, „wenn ein Kind dauerhaft traurig ist, nicht spielen will oder lustlos in der Ecke sitzt.“ 

Kinder, deren Eltern an Depressionen leiden, sind ganz besonders gefährdet

Klitzing und seine Kollegen untersuchen schon seit sieben Jahren Depressionen bei Kindern. Vor allem Kinder, deren Eltern selbst unter Depressionen leiden, und Kinder, die Misshandlungen oder Vernachlässigung erleben mussten, haben nach Angaben der Forscher ein erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken. Vielfach sei eine Depression im Kindesalter die Grundlage für eine spätere langwierige Depression – mit schweren Folgen für die Betroffenen aber auch die gesamte Gesellschaft: Jährlich erkranken etwa 300.000 Menschen in Deutschland an einer Depression und sind dann oft über mehrere Wochen arbeitsunfähig. 

 

Eine Kurzzeittherapie beseitigt nicht nur die Symptome, sondern zeigt, welche Probleme dahinter stecken

Von Klitzing will mit seinem Team nach eigenen Angaben „den Weg bereiten für die Früherkennung der Krankheit“. So haben die Forscher eine neue Kurzzeittherapie für Kinder entwickelt, die Depressionen früh entgegen wirken soll. Die Ergebnisse wurden jetzt im „Journal of Child Psychology and Psychiatry“ sowie in der internationalen Fachzeitschrift „Psychotherapy“ veröffentlicht. Die Therapie, die Prof. von Klitzing mit seiner Kollegin, der Diplompsychologin Tanja Göttken, entwickelt und erforscht hat, sieht 25 Therapiesitzungen – davon fünf mit und 20 ohne Eltern – vor. „In den Gesprächen und im Spiel werden unverarbeitete Konflikte der Kinder herausgearbeitet“, heißt es in der Studienbeschreibung. „Es geht nicht darum, einfach die Symptome zu beseitigen, sondern für Kind und Eltern besser verständlich zu machen, welche ungelösten Entwicklungsaufgaben hinter den Symptomen stecken“, erläutert von Klitzing. Kinder fühlten sich schnell schuldig, wenn es in der Familie Probleme gibt. „Tief innerlich empfinden die Kinder, dass es ihnen nicht besser gehen darf als den Eltern.“ In einer ersten Studie mit 30 Kindern hat die Kurzzeittherapie erstaunliche Erfolge gezeigt: Mehr als die Hälfte der Kinder war am Ende völlig „störungsfrei“.  Zwar müssten viele von ihnen über Jahre hinweg gehandelt werden – sie hätten durch die frühe Intervention aber die Chance, „irgendwann ein normales Leben zu führen und sich langfristig gesund zu entwickeln.“

Foto: altanaka - Fotolia.com

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

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