. MS-Forschung

Schneller zu neuen Medikamenten gegen Multiple Sklerose

Rund 40 Jahre dauert die Entwicklung eines neuen Medikaments gegen Multiple Sklerose. Ein neues Forschungsmodell will den Prozess jetzt beschleunigen. An dem internationalen Wissenschaftsprojekt ist auch die deutsche Hertie-Stiftung beteiligt.
Schneller zu neuen Medikamenten gegen Multiple Sklerose

MS-Forschung: Klare Zielvorgaben sollen neue Therapien schneller zum Patienten bringen

An der Nervenerkrankung Multiple Sklerose (MS) wird weltweit geforscht und der Erkenntnisgewinn schlägt sich jedes Jahr in unzähligen Fachartikeln nieder. Das Outcome an neuen wirksamen Therapien ist dagegen übersichtlich. Bislang gehen rund 40 Jahre ins Land, bis ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose auf den Markt kommt. Zwei Stiftungen setzen sich jetzt dafür ein, die Medikamentenentwicklung zu beschleunigen. Die Myelin Repair Foundation (MRF) aus Kalifornien, USA, sowie die Hertie-Stiftung mit Sitz in Frankfurt bringen ein neues Forschungsmodell nach Europa, das sich nach Angaben der Hertie-Stiftung in seiner Effizienz und Arbeitsweise an erfolgreichen Wirtschaftsunternehmen orientieren soll.

Fachwissen führender Wissenschaftler zu Multipler Sklerose bündeln

Dabei sollen führende Wissenschaftler, die sich auf MS spezialisiert haben, ihr Fachwissen bündeln und von Anfang an besonders eng zusammenarbeiten. Gegenseitige konkrete Vorgaben, klare Ziele mit Deadlines und ein ständiger Austausch über Ideen und Ergebnisse gehören zu den Rahmenbedingungen. Diese Maßgaben sorgten in Unternehmen für Effizienz, würden im derzeitigen Wissenschaftsbetrieb aber nur selten so stringent gelebt, sagte ein Sprecher der Hertie-Stiftung. Ein weiteres Novum: Vielversprechende Ergebnisse sollen in einem eigenen Labor der MRF unter industriellen Bedingungen repliziert werden. Zudem wollen die beiden Stiftungen für einen intensiven Kontakt der Wissenschaftler zu Kollegen der Pharmaindustrie sorgen. Somit könnten Ergebnisse der Grundlagenforschung schneller in die Phase der klinischen Studien und damit letztlich rascher zum Patienten gelangen.

 

Forschungsmodell startet mit einer halben Million Euro

„Neben der finanziellen Förderung bringen wir vor allem unser engmaschiges Experten-Netzwerk, in das Ärzte, Wissenschaftler und MS-Verbände eingebunden sind, sowie unser gewachsenes Wissen über die MS-Forschung ein“, erklärt Dr. h.c. Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung. „Wir beschreiten mit der Kooperation ein neues Projektfeld, in das wir sehr große Hoffnungen setzen.“ Für die Aufbauphase 2014 starten MRF und Hertie-Stiftung mit einem Budget von 500.000 Euro. Beide Stiftungen fördern seit Jahrzehnten die MS-Forschung.

MRF-Gründer Scott Johnson, der selbst seit 36 Jahren an MS erkrankt ist, erhält in den USA für seine Stiftung beachtliche Unterstützung aus Wirtschaft, Politik und Bevölkerung. „Ich freue mich, gemeinsam mit der Hertie-Stiftung diese Idee nun auch in Deutschland und später in ganz Europa verbreiten zu können“, erklärt der 58-Jährige. „Mein Wunsch ist es, Mittel zur Regeneration beschädigter Nervenschutzhüllen (Myelinscheiden) zu finden, damit auch bereits an MS erkrankten Menschen geholfen werden kann.“

Foto: © creative soul - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Multiple Sklerose , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Multiple Sklerose

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Kein Abi-Ball, keine Klassenfahrten, keine Sportwettkämpfe – und das Gefühl, beim Ausleben von Freundschaften und Beziehungen ausgebremst zu werden: Nach einer Studie der Universitäten Hildesheim und Frankfurt treffen die Kontaktbeschränkungen der Corona-Krise Jugendliche besonders hart. Sie verlieren wichtige Entwicklungszeit und fühlen sich oft von Lehrern und Eltern alleingelassen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.