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Schlaganfallpatienten: Medikamente bleiben Therapie der ersten Wahl

Eine Einengung der Blutgefässe im Gehirn kann zum Schlaganfall führen. Stents sollten, aber erst dann eingesetzt werden, wenn Medikamente nicht ausreichend helfen. Darauf weisen jetzt mehrere Fachgesellschaften hin.
Eine Einengung der Blutgefässe im Gehirn kann zum Schlaganfall führen

Gerd Altmann/pixelio

Anlass der Stellungnahme ist eine grosse amerikanische Studie aus dem vergangenen Jahr. Die SAMMPRIS-Studie musste vorzeitig abgebrochen werden, nachdem darin weitaus mehr Patienten nach Einsetzen eines Stents ins Gehirn einen weiteren Schlaganfall erlitten hatten oder verstorben waren als Patienten, die rein medikamentös behandelt wurden. Forscher der Medical University of South Carolina in Charleston hatten in der Studie die sogenannte "perkutane transluminale Angioplastie mit Stenting" (PTAS) mit einer aggressiven medikamentösen Therapie verglichen. Sie schlossen darin Patienten ein, die einen Schlaganfall erlitten hatten und bei denen eine Einengung einer Arterie im Gehirn vorlag.

Stents als zweite Option

Bei Schlaganfallpatienten mit Verengungen der Gehirngefässe sollte zunächst eine maximale medikamentöse Therapie eingeleitet werden. Erst dann komme in Deutschland eine Behandlung mit Stents ausschliesslich für die wenigen Schlaganfall-Patienten in Frage, die auf eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend ansprechen und weiterhin Durchblutungsstörungen im Gehirn haben, so das gemeinsame Statement der der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR), der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Manchmal zeigen Schlaganfallpatienten mit verengten Gehirngefässen trotz intensiver medikamentöser Therapie Symptome, die auf einen erneuten Schlaganfall hindeuten. Gemäss den in Deutschland gültigen Leitlinien behandeln Ärzte hierzulande verengte Gefässe im Gehirn nur dann mit einem Stent, wenn die Patienten trotz bestmöglicher medikamentöser Therapie weitere Schlaganfallsymptome zeigen oder wenn eine hochgradige Engstelle die Blutzirkulation massiv behindert.

Geltende Behandlungskriterien widersprechen Ausweitung der Patientengruppe

"In der amerikanischen Studie setzte man die Stents jedoch sehr viel leichtfertiger ein", betont Professor Dr. med. Olav Jansen, Präsident der DGNR. Die US-Forscher behandelten Patienten schon dann mit einem Stent, wenn eine Gefässverengung im Schädel das erste Mal zu einer Schlaganfallsymptomatik geführt hatte. Diese Ausweitung der Patientengruppe widerspreche den in Deutschland geltenden Behandlungskriterien. "Die PTAS darf bei Schlaganfallpatienten nicht als Therapie der ersten Wahl etabliert werden", stellen die Experten der Fachgesellschaften gemeinsam fest.

Deutsche Experten hatten bereits im September nach Abbruch der SAMMPRIS-Studie in Veröffentlichungen reagiert. Damals wurden diese Reaktionen nur wenig beachtet. Erst durch das Bekanntwerden fehlerhafter Brustimplantate wurde die wichtige Debatte zur Sicherheit medizinischer Produkte in Deutschland neu entfacht. Bei den Stents für Schlaganfall-Patienten wird das Problem allerdings nicht durch ein mangelhaftes Implantat erzeugt, sondern durch die erweiterte Anwendung der Behandlungsmethode auf Patienten, die in Deutschland zunächst ausschliesslich mit Medikamenten behandelt würden.

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